Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.
W54-1,
Lebensgeschichtliches Gespräch (Juli 1997)
1 I: Mikrofontest .
2 W54: Ja
3 I: Da ist der Ausschalter
4 W54: Da lasse ich Sie selbst entscheiden, ahso
5 I: Gel
6 W54: Daß ich im Fall
7 I: Wenn Sie glauben
8 W54: selbst reagieren kann
9 I: Da ist der Ausschalter gel
10 W54: Mhm
11 I: Anfangen, am Besten bei ihrem Elternhaus . bei null
12 W54: Mhm .. Ja wenn Sie jetzt einiges aus meiner Biographie hören
13 möchten, daß Ihnen vor allem für ihre Arbeit dienst
äh dient, die
14 ja im Bereich dann der Weiterbildung und äh wie Referenten in
15 diesen Bereich, zu diesem Bereich kommen, dann beschränke ich oder
16 richte ich meine Aussagen vor allem darauf aus, wie äh der Bereich
17 eben, mit, vor allem dieser Bereich mit meiner Biographie zu tun
18 hat, ich versuche eben die Gegebenheiten aufzuzeigen, die in
19 Verbindung mit Bildung Weiterbildung, mit Studium zu tun haben,
20 weniger andere Bereiche meiner Persönlichkeit oder meiner
21 Entwicklung, ich bin äh stamme aus einem Elternhaus, wo eigentlich
22 schon Bildung oder die die der Kontakt mit Bildung vorgegeben war,
23 beide Eltern sind Lehrer gewesen, und eigenartigerweise äh stammen
24 auch beide Eltern schon aus äh . Lehrerfamilien, sodaß auch
beide
25 Großväter schon äh jahrzehntelang waren die im
Schuldienst tätig .
26 diese äh Freude oder ein gewisses äh Engagement im im Lehr in der
27 Lehrtätigkeit ist äh tatsächlich also da schon vorgegeben
gewesen,
28 in meinem Elternhaus äh ist eigentlich immer sehr stark auch in
29 der Freizeit schon um Schulisches gegangen, um Bücher gegangen .
30 und . es hat teilweise sicher auch dazu beigetragen, daß ich aus
31 einer Generation stamme, wo eigentlich noch sehr wenig äh
32 ablenkende Freizeitmöglichkeiten bestanden haben, es hat noch kaum
33 äh Auto Autos gegeben, wo man sich hat vom vom Wohnort hat
34 entfernen können, auch die Sportmöglichkeiten waren sehr
35 eingeschränkt, und deswegen hat man die Freizeit eben vielfach
36 entweder, ja, durch Wandern, das war billig genug und auch
37 Möglichkeiten waren genug, oder durch Gespräche oder so so
äh
38 Arbeiten ums Haus herum, oder eben . in äh äh Kontakt mit mit,
mit
39 Lektüre oder auch schon über Spiele . hat man die Freizeit
40 genutzt, wobei ich jetzt Spiel, so wie ich es erlebt hab’, in
41 meinem Elternhaus auch schon eher als etwas . erzieherisch wirkend
42 oder als etwas ja äh . also das Spiel erlebt hab’, wo man hat
43 etwas hat lernen können oder mitnehmen . ich bin zweiundvierzig
44 geboren, in [Gegend 1], und was ich mich so erinnere, war damals
45 eigentlich schon in meinem Elternhaus, so ein Treffpunkt für äh
46 Lehrer, das sind so meine ersten Erinnerungen, mein Vater war, wie
47 man so damals genannt hat Zohnenlehrer . und in unserem Elternhaus
48 es waren damals ja äh nicht äh Räumlichkeiten gegeben im
Dorf so
49 daß man sich hat treffen können, also war eigentlich in unserm
50 Elternhaus so ein äh . allwöchentlicher oder eben ja in gewissen
51 abgesteckten Zeiten äh räumen äh abgesteckter Treffpunkt
für so
52 Lehrerversammlungen, wo immer wieder Erfahrungen ausgetauscht
53 worden sind Programme besprochen, und irgendwo haben wir das als
54 Kinder auch schon mitbekommen, und dann erinner’ ich mich auch
daß
55 äh in unserem Elternhaus nicht nur jetzt so Lehrer
Zusammenkünfte
56 sondern auch ein eigener Raum bestimmt war, wo auch Kurse
57 abgehalten worden sind, die jetzt nicht für Lehrer sondern äh
58 Musik kurse für äh angehende Sänger für Musikanten so
äh Noten
59 lernkurse, und da haben sich eben auch diese jungen Leute . ich
60 weiß jetzt nicht mehr in welchen Abständen in diesem
größeren Raum
61 da getroffen und ich sehe da heute noch meine Eltern äh die eben
62 an der Tafel da die die Leute da dieses Notenlesen und dieses
63 Vomblattsingen gelehrt haben und wir als Kinder haben teilweise
64 dürfen da dabei sitzen und zuschauen .. die äh Mutter war da
noch
65 äh also war eigentlich recht beflissen und hat uns schon sehr
66 früh, auch so über ganz einfache spielerische Art in in
67 Strichlmachen und ins Buchstabenschreiben eingeführt, und auch da
68 hat sie das eigentlich, aus ihrer Sicht äh . aus ihrer Sicht ich
69 glaube daß sie das geschickt machte, damit wir dann nicht in die
70 Schule kommen und etwa schon das Lesen äh können, und uns dort
71 dann etwa langweilten hat sie uns die Deutsche Schrift .
72 beigebracht, sodaß wir eigentlich, alle Geschwister, es waren
73 deren vier, haben eigentlich bei Schuleintritt schon lesen können,
74 allerdings nicht die lateinische Schrift, sondern die alte
75 Deutsche Schrift . wir sind aber dabei überhaupt nicht
überfordert
76 worden oder etwa ein Opfer des Ehrgeizes der Eltern sondern es ist
77 einfach so spielend gelaufen über alte Fibeln, die ja eh schon äh
78 altmodisch und schon äh ausgeschieden worden sind, die aber in
79 unserem Elternhaus eben liegengeblieben sind teilweise sind solche
80 Materialien ja überhaupt bei uns daheim viel herumgewesen eben
81 schon über die Großväter her nicht? das einfach in
unserem Haus
82 dann gelandet ist und das sind solche alte äh Lesebücher und
83 Fibeln und auch Rechen äh bücher für die Grundschule sehr
viel
84 dagewesen, in der Schule . haben wir uns dann eigentlich äh alle
85 äh Geschwister nicht schwer getan, und für mich persönlich
ist es
86 eigentlich schon sehr früh festgestanden, oder ich hab’ mir
87 überhaupt nie Probleme gemacht was ich einmal werden sollte es war
88 für mich einfach schon von kleinauf ganz klar, daß ich einmal
89 Lehrerin werden wollte, zumindest etwas im pädagogisch-
90 erzieherischen Bereich äh vielleicht Kindergärtnerin hätte
mir
91 auch ganz gut gefallen, aber eher fühlte ich mich schon immer so
92 zum Lehrdienst hingezogen also ist für mich überhaupt nie eine
93 Frage gewesen ob ich irgendetwas anderes etwa (lautes Ausatmen)
94 Ärztin oder mein oder was eben damals für Möglichkeiten
gab ich
95 hab immer schon klipp und klar gewußt ich werde einmal Lehrerin
96 werden, das hab’ ich mir am ehesten zugetraut und da hab’ ich
äh
97 genügend Möglichkeiten gehabt das abzuschauen um eben zu sagen ja
98 das tät’ mich freuen, im äh schulischen Werdegang sind
wir sehr
99 unterstützt und gefolgt worden von den Eltern äh die, die
unsere .
100 also es überwacht haben, daß wir unsere Pflicht alle
erfüllt
101 haben, interessant auch, daß äh in dieser Beziehung eigentlich
102 keines der Kinder bevorzugt worden ist, und . das hat es dann auch
103 ergeben, daß in unserer Familie alle Geschwister Lehrer geworden
104 sind . aus einem vielleicht heute im Rückblick auch falsch
105 verstandenen Gerechtigkeitsgefühl der Eltern, aber andererseits
106 muß das auch so verstanden werden, daß es auch von den
107 finanziellen Möglichkeiten her ja weite Sprünge, oder große
108 Sprünge in der Ausbildung ja gar nicht möglich gewesen
wären, ein
109 so ein Lehrerstudium, das hat am ehesten noch auch in die
110 finanziellen Gegebenheiten der Eltern hineingepaßt also das war
111 irgendwo äh zu bewältigen, und zudem äh war es damals
einfach äh .
112 noch etwas besonderes, daß jedes Kind eine Matura erreichte, ich
113 bin ja noch in der Zeit aufgewachsen wo man zum Beispiel äh um in
114 eine Mittelschule zu kommen, eine Aufnahmeprüfung machen mußte,
115 denn es gab nach der Grundschule äh eher zwei Bereiche eines war
116 eben diese Mittelschule und die war wohl eher ja so Lernschüleren
117 oder . ja, Schüler die sich vielleicht in der Schule nicht gar zu
118 schwer haben getan vorbehalten andere haben eher so
119 Handelsschulen, kaufmännische Lehren oder eben so so
120 Töchterschulen besucht, die Mittelschule, die war ja dann schon
121 ausgerichtet, daß eigentlich jemand äh zumindest bis zur Matura
122 weiterstudierte, das war der Fall also haben eine Aufnahmeprüfung
123 für die Mittelschule machen müssen es war ja noch die
124 Lateinmittelschule . ich habe äh die vierte Klasse Grundschule
125 besucht und . damals das Pech . oder weiß nicht wie man es nennen
126 soll das Glück gehabt, daß ich damals gegen Schulende hin
äh
127 krankheitshalber aussetzen mußte, es war so ein familiäres
128 Mißgeschick, weshalb ich dann für längere Zeit dann nicht
in die
129 Schule gehen konnte und in der Zeit ist mir selbst, also ohne
130 Zutun der Eltern so der Wunsch gekommen, gleich schon nach der
131 vierten Klasse in die Mittelschule zu gehen, ich hab nämlich meine
132 ältere Schwester gesehen, wie die da auf diese Aufnahmeprüfung
133 vorbereitet worden ist, und es hat mich selbst neugierig gemacht
134 und äh hab’ so den Wunsch geäußert ich möchte
eben ohne die fünfte
135 Klasse zu besuchen, direkt gleich mit dieser Schwester in die
136 Mittelschule, das eben nachmachen äh sicher ist das auch aus einem
137 unbewußten mhm Drang heraus einmal nicht immer die Jüngere zu
sein
138 und auch einmal zu zeigen, daß ich als Jüngere auch äh
139 leistungsfähig bin, aber das kann ich erst so jetzt im nachhinein
140 so analysieren oder dem eben irgendwo da eine Begründung suchen,
141 die Eltern haben dem eigentlich nichts entgegengestellt und haben
142 gleich gesagt ja warum eigentlich nicht, sie hat ja zwei Monate
143 waren es ungefähr Zeit sich eventuell auf diese Prüfung
144 vorzubereiten, und mein Vater hat das in Angriff genommen und hat
145 in äh geduldiger, aber sehr gutmütiger Art mir eben so die diese
146 Grund äh bedingungen verschafft, damit ich eben so dieses
147 Aufnahmeprogramm es hat ja ein eigenes Programm gegeben, das eben
148 präsentieren konnte, ich erinnere mich noch an das Programm da hat
149 man müssen zehn die Biographien von zehn geschichtlichen
150 Persönlichkeiten und dann natürlich der ganze
Fünftklassestoff in
151 Mathematik war aufzuholen mit den Schlußrechnungen und so weiter
152 das hat mir natürlich am meisten Schwierigkeiten äh gemacht, da
153 war aber mein Vater als Lehrer recht stark auch (leichtes Lachen)
154 methodisch das recht gut äh mir beizubringen, der sprachliche
155 Bereich hat überhaupt keine Schwierigkeiten gemacht, dann äh
156 nachdem wir in ich in recht so in einem Buchklima aufgewachsen bin
157 mmh hab’ ich da weiter nicht müssen weißgott welche
Vorbereitungen
158 machen, und dann hab’ ich’s gewagt und bin äh eigentlich
mit einem
159 recht guten Ergebnis einen Punkt weniger als die ältere Schwester
160 hab’ ich diese Prüfung geschafft, es ist aber da schon
interessant
161 wie ich da bei dieser schriftlichen Prüfung das erinnere ich mich
162 immer noch heute war ich natürlich die Jüngste und auch die
163 Kleinste, bin aufgefallen schon von meiner Klein (leichtes Lachen)
164 äh also von meiner körperlichen Entwicklung her, und bin von dem
165 Präsidenten da gefragt worden ob ich eigentlich nicht die Klasse
166 verfehlt hätte . und das ist mir hängengeblieben und ich es hat
167 sich da äh in mir so irgend ein Protestverhalten, schon
168 entwickelt, daß mich dann eigentlich äh sehr oft noch verfolgt
hat
169 daß ich aber auch wieder nur rückwirkend ähm an mir
festgestellt
170 habe, so irgendwie dieses so, jetzt erst recht, oder ich werd’
171 dir’s schon zeigen, wie immer man das ausdrücken möchte,
ich hab
172 dann die diese Mittelschule be angegangen, in den ersten äh Jahren
173 haben die Lehrer immer geglaubt, sie müßten mich neben meine
174 ältere Schwester setzen, jaa um irgend ein damit ich von der eine
175 Hilfestellung oder doch äh Schutz äh stellung äh nutzen
könnte
176 aber äh bald haben dann doch einsichtige Lehrer gemerkt, daß wir
177 eigentlich grundverschieden waren, ich war aufgrund der Situation,
178 daß ich ja eine Klasse übersprungen habe, hat mir doch das eine
179 oder das andere an Stofflichem gefehlt, aber ich war entschieden,
180 die Fleißigere, die Pflichtbewußtere, und meine Schwester die
war
181 sehr intelligent auch schneller, zumindest zur damaligen Zeit
182 noch, hat aber diese ihr Fähigkeiten nicht voll genutzt, und äh .
183 ja schon da haben wir uns eigenartigerweise, etwas auseinander
184 entwickelt, in dem Sinn daß sie zwar . vom Elternhaus eher so als
185 die . die regere, die wendigere, die intelligentere eingeschätzt
186 worden ist, und ich eher äh . die die halt den Erfolg mit mehr
187 Einsatz und Mühe erkaufen mußte .. nach der Mittelschule
äh haben
188 sich unsere Wege getrennt, ich bin ans äh Gymnasium gekommen, und
189 äh .. ja, hab’ dort eigentlich am meisten gespürt,
daß es
190 vielleicht nicht ganz sinnvoll war, daß ich eben so früh in
diese
191 Mittel schule gekommen bin ich hab’ mich tatsächlich so als
etwas
192 isoliert in der Klasse erlebt, als die Jüngste, als diese
193 Nochkind, ja, entwicklungsmäßig eben nicht mit der selben Reife
194 oder mit den selben Interessen noch ausgestattet, wie eben andere,
195 und von daher hat sich eigentlich das hat sich mir stark
196 eingeprägt, dieser Wille, sich trotzdem durchzusetzen, auch im äh
197 Alleingang . ich hab’ mich dann auch durchgesetzt, aber, nach der
198 zweiten Klasse äh haben die Eltern entschieden, daß doch es
199 sinnvoller wäre äh .. eigenartigerweise uns beide, wiederum, es
200 geht wiederum um diese äh äh ältere Schwester, uns beide
an die
201 Lehrerbildungsanstalt zu schicken . äh einerseits, weil das . mich
202 eher zu meinem Berufsziel geführt hat, ich wollte nämlich immer
203 Lehrerin werden, und zum anderen weil damals meine Schwester in
204 der Oberschule in der sie eingeschrieben war eigentlich äh weniger
205 erfolgreich war, und weil sie gesehen haben daß sie vielleicht
206 über meinen Einsatz da doch auch irgendwo mit daß ich ihr so als
207 Zug pferd dienen könnte und wir sind dann wieder zusammengekommen,
208 aber es war immer dieses äh Konkurrieren, versteckte Konkurrieren,
209 sie die die eigentlich wenig sich anstrengen hätte müssen . um
210 erfolgreich zu sein, und ich die halt so ein bißchen nachgehinkt
211 bin, bis dann ja in der zweiten Klasse da hat dann natürlich das
212 der Besuch des Gymnasiums schon soviel an Vorteilen, an
213 Lernvorteilen und auch an an an Basiswissen gegeben gehabt, daß
214 ich sie über äh also irgendwie, überholt habe und vor
allem dann
215 auch in der Klasse jetzt plötzlich äh wir sind ja beide gleich in
216 die zweite Klasse eingesprungen äh daß in der Klasse äh
auch da
217 den den den Mitschülern voraus war .. das Lateinstudium oder auch
218 das Griechischstudium oder auch eine einfach intensivere
219 Verarbeitung von Lerninhalten wie sei eben damals noch am
220 Humanistischen Gymnasium verlangt worden waren das hat mir einfach
221 einen Vorsprung gegeben über andere Mitschüler die äh
teilweise
222 eben die Mittelschule nur in äh einem einjährigen Kurs besucht
223 haben, nicht, so, also, mehr auf uhm eine schnelle Art hin . äh
224 ich hab’ damals noch nicht an ein Weiterstudium gedacht, ich
hab’
225 erstmals diese Lehrerbildungsanstalt abgeschlossen mit einem
226 relativ guten Erfolg, hab’ auch das an Entwicklungs äh
verspätung
227 aufgeholt was einfach dieses Jahr gekostet hat wo ich da zu früh
228 das ich da übersprungen hab’ gehabt und war dann eigentlich
äh
229 ganz normal in der Klasse auch integriert äh nur
230 I: Dürfe ich
231 W54: Ja
232 I: Nur eine Frage, wenn Sie mir nur ein Datum nennen, Beginn des
233 Gymnasiums oder Ende der LBA
234 W54: Also Ende der LBA ist dann neunzehnsechzig
235 I: Danke, jetzt bin ich schon orientiert
236 W54: Ja, mhm
237 I: Danke
238 W54: Und Beginn der Mittelschule also die Grundschule hab’ ich
239 achtundvierzig begonnen und die Mittelschule eben dann
240 zweiundfünfzig, und dann ist alles eigentlich ziemlich regulär
241 gelaufen ich hab’ damit eigentlich durch den Übertritt, in die
LBA
242 hab’ ich, das Jahr wieder aufgeholt das ich zuerst äh . so ..
ja,
243 das ich zuerst eingespart gehabt hab’(schnell gesprochen) und
hab’
244 dann eigentlich regelmäßig dann äh mit achtzehn knapp
achtzehn
245 Jahren äh die die LBA abgeschlossen, ich bin dann im Herbst äh
246 gleich, in den Lehrdienst eingetreten, aber auch da, nachdem ich
247 eine der jüngsten Lehrerinnen damals war, haben es mir die Eltern
248 äh schon zugetraut daß ich sehr also meinem im meinem äh
Lehren,
249 im Lehrdienst zurechtkomme, aber ich hab’ eigenartigerweise eine
250 Stelle bekommen, so eine Bergschule, wo ich äh vom äh Heimatort
251 aus hab’ immer müssen ähm äh Sonntag abends schon
starten, mit äh
252 es war keine Busverbindung denn die Busse sind ja umgekehrt
253 gefahren, also vom Heimatort weg . äh und zufuß, zu diesem
254 Bergdorf hin, und das hab’ ich müssen alleine und am Abend
255 bewältigen, und das war für die Eltern eine ziemlich unsichere
256 Sache für mich, und deswegen haben sie ohne eigentlich mich zu
257 fragen äh versucht äh für eine gewisse Zeit, für mich
eine andere
258 Stelle zu finden, und die haben sie dann gefunden, nach . drei
259 Monaten Schuldienst, bin ich abberufen worden in eine
260 Verwaltungsstelle . das war für mich äh eine sehr unangenehme und
261 ja eine traurige Sache, in dem Sinn daß ich eigentlich voll schon
262 drinnen war mich hat das Unterrichten einfach so gefreut ich hab’
263 ja den äh ganzen Nachmittag da vorbereitet und geschrieben und äh
264 es hat ja wenig Lehrmittel gegeben die hat man damals müssen noch
265 alle selbst zusammenstellen und a äh jetzt bin ich da abberufen
266 worden, in äh, eine Verwaltunsstelle, hab’ das aber uhm zwei
Jahre
267 durchgehalten, bis dann die Wettbewerbe waren, die
268 Lehramtswettbewerbe, und äh, den hab’ ich mit eigentlich sehr
269 guter Punktezahl äh bestanden sodaß ich dann an einem äh
Hauptort
270 in Südtirol dann die Unterrichtsstelle annehmen konnte, damals
271 gleich nach dem Wettbewerb hab’ ich aber schon gemerkt, ja jetzt
272 hast du die fixe Stelle äh es äh ich möchte mehr machen,
warum,
273 weil ich eigentlich schon während meiner Studienzeit, und äh
immer
274 intensiver, mich eigentlich auch als Hobby so mit psychologischer,
275 mit pädagogischer Lektüre befaßt hab’ überall
wo ich eine Zeitung
276 erwischt hab’ und etwas in dieser Richtung gestanden hat,
hab’ ich
277 mir das gelesen oder ausgeschnitten, also äh daß das nicht so
sehr
278 Studium sondern einfach schon Interesse, Motivation war, und ich
279 bin dann . hab’ aber eigentlich nicht recht gewußt wie ich das
280 anstellen sollte, vom Finanziellen her, und auch vom
281 Organisatorischen so weltgewandt war man damals noch nicht,
282 außerdem gab es Möglichkeiten ja nur entweder in [Stadt 3]
oder in
283 [Stadt 2] zu studieren, [Stadt 2] hatte den Vorteil, daß äh
man in
284 Italien und daß alles gleich anerkannt aber das ganze Studium
wäre
285 in Italienisch zu machen gewesen, und in [Stadt 3] hätte man
286 besuchen müssen, und das war auch sehr kompliziert weil ich ja im
287 Schuldienst gestanden hab’ . ich bin dann einfach nach, [Stadt 1]
288 hinaus damals waren von [Stadt 2] aus dort so Kurse, für äh diese
289 diese Sommerkurse von der Universität [Stadt 2] aus und hab’
mir das
290 Ganze einfach einmal angeschaut, habe mich da so eingeschlichen
291 ein bißchen, als Zuhörer, und äh ja hab’ mir den
Betrieb
292 angeschaut, und im Herbst, . hab’ ich mich an die
Aufnahmeprüfung
293 gewagt, nachdem ich ja nur die vierjährige Oberschule gemacht
hab’
294 hab’ ich eine Aufnahmeprüfung machen müssen, in
italienischer
295 Sprache, und so viel Risiko äh bereitschaft hab’ ich damals
schon
296 gehabt, immer wieder im Alleingang ohne das weißgott mit jemandem
297 abzusprechen ich bin einfach mit dem dicken Wörterbuch, nach
298 [Stadt 2] gefahren, und hab’ drunten diese Aufnahmeprüfung bin
die
299 angegangen, ich kann ich weiß jetzt noch dieses Gefühl unter
fast
300 zwei äh tausend Anwärtern äh bin ich eine der wenigen
drunten
301 gestanden die ein so dickes Wörterbuch gebraucht hat, die auch das
302 ganze Thema hat müssen eben in einer anderen nicht in der
303 Muttersprache äh schreiben, und hab’ mir eigentlich gar nicht
304 einmal so viel an Erfolgen versprochen aber es hat ja hätte ja
305 eigentlich weiter niemand gewußt, daß ich das riskiert habe
306 deswegen wäre das für mich auch weiter gar keine äh in dem
Sinn
307 Blamage etwa gewesen, und äh drei Wochen äh nachher hab’
ich dann
308 über eine schriftliche Mitteilung erfahren, daß ich diese
Prüfung
309 bestanden habe, und zwar mit einem relativ guten Ergebnis, ich war
310 nämlich von all diesen die angetreten sind hab’ ich die dritte,
311 drittbeste Arbeit geschrieben, zu der Zeit hab’ ich aber
312 eigentlich gar nicht einmal so recht noch s s im so voll im Sinn
313 gehabt, weiter zu studieren, es hat sich nämlich für mich auch
314 eine andere ein anderer Bereich ergeben, wo ich schon äh drinnen
315 war, nämlich der musika die musikalische Ausbildung, also
hätt’
316 ich ohne weiteres äh den Weg auch weiter gehen können äh
bin aber
317 dann vor der Entscheidung gestanden ja was tun, beides geht nicht,
318 den Ausschlag hat eigentlich nur ganz ein äh Ausspruch von einem
319 Schul mann gegeben, der hat gewußt daß ich hinuntergefahren
bin,
320 der hat gewußt daß ich die Prüfung bestanden hab’
und der hat dann
321 gesagt ja jetzt müssen Sie so oder so einfach weitermachen, und
322 ich hab’ da tatsächlich es nicht gewagt dem zu widersprechen und
323 hab’ mir gedacht ja jetzt äh mußt du’s halt
angehen, eigentlich
324 ehre ääh nicht mehr so freiwillig, oder aber da war wirklich
325 dieser (leichtes Lachen) Druck da von außen ein bißchen da, und
326 bin’s aber dann angegangen und so hab’ ich immer, im
Alleingang,
327 ohne Unterstützung von irgendeiner Hochschülerschaft oder von ich
328 hab’ mir alle äh auch organisatorischen äh
Notwendigkeiten immer
329 alleine erfüllt, hab’ auch kaum zu jemand anderem was gesagt
wenn
330 wieder eine Prüfung fällig war, und hab eigentlich in relativ,
331 sagen wir für diese Verhältnisse hab’ ja nebenher immer
332 unterrichtet, für diese Verhältnisse eigentlich in relativ .
333 kurzer Zeit das abgeschlossen . ja Promotion
334 neunzehnneunundsechzig, bin auch zu dieser Promotion, ja wenn
335 ich’s heute zurückblicke äh .. eigentlich ganz ohne
Bekanntgabe
336 (leichtes Lachen) allein hinuntergefahren und hab immer erst
337 hinterher den Leuten gesagt (leichtes Lachen) was ich äh ja, wo
338 ich eigentlich stehe, schon während dieses Studiums hab’ ich
auch
339 um das finanziell, es haben sich auch vom Familiären her äh bin
340 ich finanziell äh eingespannt gewesen, die Notwendigkeit ergeben
341 daß ich so über Kurse oder Nachhilfestunden mir da das Gehalt
ein
342 bißchen aufstocke und das Studium leichter finanziere, und da
hab’
343 ich eigentlich schon im Jahr zweiundsechzig mit äh
344 Erwachsenenkursen angefangen, Deutschunterricht an italienischen
345 Staatsangestellten, denn damals äh war ja schon die Möglichkeit
daß
346 über mhm eine Zweisprachigkeitsprüfung äh das Gehalt dieser
347 Staatsantestellten aufgeholt werden kann also hab’ ich da diese
348 Abendkurse schon äh . abgehalten und das war eigentlich so die
349 erste Tätigkeit schon in der Erwachsenenbildung, hab’ irgendwo
da
350 auch schon äh gespürt daß ich eigentlich gar nicht einmal
so viel
351 vorbereiten mußte, daß ich doch ein gewisses Geschick oder
gewisse
352 Zugänglichkeit zu diesen Erwachsenen ha äh gehabt habe,
daß die
353 mich eigentlich so als Kursleiterin äh respektiert haben, obwohl
354 gerade der erste Kurs den ich gehabt habe alles ältere . Männer
355 aus dem Militärbereich waren . und ich war ja damals eine sehr
356 junge Lehrerin, aber ich hab doch gemerkt ein gewisser Respekt äh
357 war einfach da, ich hab mich nicht schwergetan äh daß die
äh eben
358 ernstgenommen haben, und so über verschiedene andere Kurse bin ich
359 dann eigentlich immer weiter in diese oder hab’ ich so die Freude
360 oder den Zugang zur Weiterbildung er äh erlebt erfahren, aber das
361 Ausschlaggebende
362 (Bandseitenwechsel)
363 W54: Siebziger Jahre, denn da war ich äh auch familiär ich hab ja
364 inzwischen dann geheiratet und die Familie ist angewachsen damals
365 auf äh drei Kinder, und wie die so man kann nicht sagen aus dem
366 Ärgsten aber zumindest die Mutter so dringend jetzt und und
367 zeitlich so stark äh gebraucht haben, hab’ ich dann so
368 zwischendurch einfach, in der Freizeit den einen und andern Kurs
369 besucht, unter anderem eben auch äh .. ja rhetorischer
370 kommunikativer Ausprägung, und da hab’ ich dann wieder eine
Person
371 erlebt, die mich so hineingeschubst hat in diesen äh Bereich oder
372 mir da mehr an Fähigkeiten zugetraut hat als ich mir eigentlich
373 selbst .. ähh . ich war aber dem äh äh . diesem Bereich
nicht so
374 ganz abgeneigt, weil mich vor allem auch das Sprachliche . immer
375 sehr interessiert hat, dieses .. ja dieses Ausformulieren oder
376 alles was eben mit mit mit kompaktem Formulieren äh im
377 schriftlichen wie auch im mündlichen Bereich das hat äh mich
378 irgendwie gereizt, und dann äh sind eben die ersten Anträge
379 gekommen, ob ich nicht äh das eine oder das andere an
380 Kursangeboten aufgreifen möchte, ich hab’ mir das
381 selbstverständlich nicht zugetraut und wollte da auch zuerst auf
382 nummersicher gehen und hab wieder im Alleingang äh verschiedene
383 Kurse besucht im Inland, im Ausland, aber immer so im Alleingang
384 äh damit ich mir da äh sagen wir eine gediegene äh
Grundausbildung
385 zugelegt habe, und hab’ dann auch mit den ersten mich an die
386 ersten Kurse gewagt und wiederum gemerkt, aus äh Rückmeldungen
die
387 ich so über zwei drei Ecken bekommen hab’, daß ich
eigentlich
388 recht gut angekommen bin, ich hab’ mich aber nie, äh und das
gilt
389 auch bis heutehin, nie um irgendeine äh Seminartätigkeit oder
390 Referententätigkeit beworben, nie, äh alles was ich äh im
Laufe
391 der Zeit in diesem Bereich aufgegriffen oder oder gemacht hab’ ist
392 immer, da sind die Anträge immer von auswärts an mich gekommen,
393 ich bin immer am Stuhl sitzen geblieben und hab nicht gewartet
394 sondern hab’s einfach auf mich zukommen lassen äh . es ist
mehr so
395 äh über Mundzumundpropaganda ge äh gegangen, aber
außerhalb von
396 mir, ich selbst hab’ äh nichts dazugetan ich hab’ nie
irgendwo
397 einen Antrag oder ein Ansuchen oder mich angeboten, und so ist das
398 eigentlich von einer Organisation über die nächste gegangen
äh und
399 es waren hauptsächlich zwei Linien, eines ist der
400 Erziehungsbereich . so dieses ähh ja, Familienarbeit ..
401 Erziehungsthemen, das ja in meinem Hobbyausbildungsbereich war,
402 und eines waren dann diese rhetorisch-kommunikativen Schulungen äh
403 die mir aber auch sehr viel Spaß gemacht haben ich hab’
404 grundsätzlich eigentlich nie einen Kurs übernommen, der nicht in
405 meinen . Gegebenheiten äh ich möchte fast sagen ähh der
nicht in
406 diesen . Hobbybereich hineingefallen ist . ich hab’ zwar äh
407 zwischendurch das eine oder das andere . riskiert, aber das Risiko
408 war immer einschätzbar für mich daß nicht alles hat
daneben äh
409 laufen können, und das Risiko hab’ ich auch deswegen in Angriff
410 genommen, weil es mich selbst immer wieder äh gezwungen hat mich
411 weiterfortzubilden, neue Themen zu suchen, etwas Neues
412 auszuarbeiten, ich wollte nämlich nie bei dem was ich erreicht
413 hab’ stehenbleiben, äh das äh insofern äh laufen
eigentlich meine
414 Tätigkeit in der Schule, ich hab ja inzwischen dann auch die
415 Lehrbefähigung für die Mittel und dann für die Oberschule
gemacht
416 bin auf die Mittelschule übergestiegen und dann auf die
417 Oberschule, ich bin weder in der Tätigkeit in der Schule noch in
418 der Tätigkeit im Weiterbildungsbereich stehengeblieben sondern äh
419 stehengeblieben bei dem was ich schon einmal erreicht hab’ ich bin
420 immer wieder weiter gegangen, so sind’s von zwei Themen fünf
421 geworden und von fünf Themen sind es dann eben mehr geworden äh
422 aber nicht äh .. aber sie hängen eigentlich alle zusammen es sind
423 nicht unterschiedliche Themen es sind nur Vertiefungen eigentlich
424 von einem Thema und das ist der eine Bereich dieser Erziehungs
425 diese pädagogische Bereich und das andere eben dieser rhetorisch
426 kommunikative Bereich äh weil ich vor allem auch von meiner
427 Ausbildung her äh da ein sehr diesen Alleingang gewählt
hab’ bin
428 ich auch eigentlich keiner Erwachsenen äh bildungsinstitution
429 verpflichtet gewesen, und hab’ da in sehr sehr unterschiedlicher
430 Art äh gearbeitet äh da hat’s dann sowohl
Funktionärsschulungen,
431 egal ob das jetzt bei ei bei äh Geldinstituten oder bei Gastwirten
432 oder äh in politischen ähm ganz unterschiedlichen Gremien auch
von
433 den Parteien her ich war da sehr ungebunden und hab’ mir auch da
434 auch nie Probleme gemacht ob ich jetzt da bei der einen Partei
435 oder bei den anderen es waren für mich einfach neutrale rhetorisch
436 Schulungen und, wer als erster der Termin gehabt hat äh gehabt hat
437 den hab’ ich oder wo ich zugesagt hab’ das hab’ ich
gemacht, ich
438 hab’ da überhaupt keine Prioritäten gesetzt, weder von den
439 Institutionen her, noch von den Ortschaften, und so bin ich äh ja
440 von äh vom äußersten Vinschgau bis ins
äußerste Pustertal, von
441 Hauptorten bis in die kleinsten Nester, überallhingekommen, auch
442 wiederum, ohne daß ich weißgott welche Hilfen in Anspruch
genommen
443 hab’, diese Unabhängigkeit, diese Freiheit die hat mich immer
444 gefreut und äh . ich weiß ich glaube es wissen eigentlich die
445 wenigsten (leichtes Lachen) wo ich überall und was ich überall
446 getan hab’ weil ich das eigentlich immer so für mich behalten
hab
447 was zufällig oder weil es gar nicht anders ging an die
448 Öffentlichkeit gedrungen ist, ist außerhalb von mir an die
449 Öffentlichkeit gedrungen aber ich muß auch ehrlich sagen, ich
lege
450 keinen Wert Publicity zu machen, das was ich mache, freut mich,
451 füllt mein Leben aus ist mein Leben, und ich ziehe das halt so
452 lange durch, solange es mir Spaß macht und es meine Kräfte auch
453 vom vom Physischen her erlauben, aber nicht daß das für mich ein
454 Muß ist, und heute bin ich halt so weit daß ich eigentlich .
455 Arbeit und Hobby, kaum mehr trennen kann, ich glaub das ist wohl
456 auch der Punkt äh der eine Begründung dafür geben kann,
daß ich äh
457 neben meiner meinen familiären Verpflichtungen und neben der
458 Schule eigentlich noch so viel vieles äh nebenher machen kann,
459 weil ich das die Arbeit für mich nicht eine Pflicht ist oder ein
460 Dienst ist in dem Sinn oder weil ich unter Druck stehe, sondern es
461 ist für mich eine Herausforderung, der ich aber gerne ähm die ich
462 gerne auf mich nehme, weil ich umgekehrt aus dieser Tätigkeit auch
463 wieder selbst schöpfe .. mhm
464 I: Ja, darf ich ein zwei kleine Orientierungsfragen
465 W54: Mhm
466 I: Wann haben Sie geheiratet?
467 W54: Im Jahr achtundsechzig .. auch ein Lehrer
468 I: Achtundsechzig
469 W54: Ja
470 I: Mhm ..
471 W54: Und neunundsechzig dann promoviert
472 I: Ja da hab’ ich mir schon gedacht das geht ja ungeheuer dicht zu
473 da (leichtes Lachen)
474 W54: Mhm
475 I: Und Sie haben beschrieben, Mitte der siebziger Jahre waren die
476 Kinder schon
477 W54: Drei Kinder
478 I: Aus dem Ärgsten
479 W54: Ja, es hängt jetzt ab was Sie aus dem Ärgsten wenn man es
vom
480 Pädagogischen her dann sind sie aus dem Ärgsten wenn sie das Haus
481 verlassen nicht
482 I: Mhm
483 W54: Ich mein jetzt aus dem Ärgsten, das ist sicher nicht eine
484 gewöhnliche Situation bei uns in dem Sinn, daß die Frau voll bei
485 den Kindern bleiben muß mh äh es spielt da äh einiges
mit, einmal,
486 ist mein Mann selbst Lehrer, und wir haben es dann so eingeteilt
487 daß er an der Erwachsenenmittlschule nachmittags und abends äh
im
488 Dienst war, und also vormittags daheim war, und wir haben das dann
489 so recht geschickt äh organisiert, daß wir eigentlich kaum
490 familienfremde Personen bei den Kindern gebraucht haben, und ich
491 muß da erwähnen, ohne dieses äh Verständnis oder
diese Mitwirken
492 meines Mannes wäre das nicht möglich das wäre
natürlich für eine
493 andere Frau, wo der Mann voll berufstätig von acht Uhr in der
Früh
494 bis äh am Abend wäre äh das nicht möglich und das
Zweite, ich hab
495 äh es hat damals zumindest in den Jahren wo die Kinder sehr klein
496 waren, diese drei Kinder, denn es ist ja dann noch (leicht
497 lachend) ein Nachzügler auch gewesen, haben wir in der Nähe der
498 Großmutter gewohnt, und die hat äh als ehemalige Lehrerin
499 natürlich auch ihre äh erzieherischen äh .
Möglichkeiten an den
500 Enkelkindern da auch gerne äh noch äh ja, also da mitgeholfen
501 (schmunzelnd) und sie uns auch abgenommen und natürlich dann auch,
502 vom, nicht nur jetzt rein vom Erzieherischen auch so vom
503 Schulischen her doch ein bißchen mitgemischt und und ja, war uns
504 doch äh eine große Hilfe auch
505 I: Ihr Studium fehlt mich noch
506 W54: Studium der Pädagogik
507 I: Pädagogik ja
508 W54: Pädagogik und Literatur ja, aber dann äh das Doktorat also
in
509 Pädagogik
510 I: Pädagogik
511 W54: Hab’ aber da auch noch nebenbei diesen Lehrgang für .
512 Grundschuldirektoren, dieses sogenannt diploma di vigilanza für
513 Schulaufsicht hat’s geheißen, (verändert Tonfall) es ist
so diese
514 auch dieses äh Weitermachen oder dieser volle Einstieg in die
515 Erwachsenenbildung in die Weiterbildung ist ja auch wieder nicht
516 so geplant gewesen, ich bin da auch wieder aus ein bißchen einem
517 Protestverhalten hineingerutscht, es hätte mich schon gefreut
518 wirklich im Schulbereich in irgendeiner Institution äh äh
519 mitzuwirken, aber dazu hab’ ich eigentlich, ja wenn ich so sagen
520 kann zuwenig . Ellbögen gehabt, oder zu . ja ich hab da vielleicht
521 auch zuwenig mich angeboten oder zuwenig, jedenfalls ich bin nie
522 gefragt worden und bin da nicht zum Zug gekommen, und vielleicht
523 steckt auch das dahinter daß ich dann wieder diese so . jetzt erst
524 recht aber eben in einem anderen Gebiet wo ich ganz auf mich
525 selbst und einfach niemanden dann Rechenschaft schuldig bin, etwas
526 wollte ich machen, aber äh dort wo ich’s eigentlich getan
hätte
527 bin ich nicht zugekommen
528 I: Mhm
529 W54: Und das ist eigentlich, bis heute so geblieben äh äh in
diesen
530 Bereichen, etwa so (veränderter Tonfall) [Organisation 1] oder äh
531 ja wo man so dieses ähh schwerpunktmäßig das hätte
nutzen können,
532 da hab’ ich nicht die Möglichkeit gehabt einzusteigen, woran es
533 genau gelegen ist hab’ ich eigentlich nicht so stark . analysiert,
534 aber sicher äh auch weil doch äh oft der der starke uhm .
535 Konkurrenzkampf oder was weiß ich ein Brotneid, dem war ich nicht
536 gewachsen also da irgendwo, dann kann aber auch ein bißchen die
537 diese persönliche äh Neigung für mi ich tue mich schwer im
Team zu
538 arbeiten . und vielleicht hat mich das auch ein bißchen abgehalten
539 in so äh Gremien oder Vereine oder Verbände zu gehen, wo man ganz
540 stark immer mit Sitzungen und nocheinmal Sitzungen, das ist für
541 mich äh das hab’ ich immer schon angesehen als eher so ein
542 Zeitstehler oder Zeitvergäuder . und so praktiziere ich es auch
543 heute noch, lieber etwas mehr an Arbeit, aber ich tue mir die
544 selbst, nehme sie meinetwegen auch anderen ab und dann ist die
545 Arbeit getan und ich sitze aber nicht in Gremien herum und man muß
546 her äh sich auf weißgottwas einigen, ich traue mir das einfach
zu
547 und und dieser äh ja, komme damit recht gut zurecht
548 I: Mhm .. ja noch ganz schnell, ich hab’ da im Bereich von
549 achtunddreißig, so in diesem Bereich ihrem Lebensbereich (auf
550 Zeitleiste) da hab’ ich nichts eingetragen, aber ich nehme an da
551 findet vo das statt was Sie schon erzählt haben, die Ausweitung
552 der Erwachsenenbildung in diese beiden Bereiche eben, das ist da
553 sozusagen in Ihrem äh Leben so von
554 W54: Darf ich, ich muß sehen was wären das ungefähr
für ein Jahr,
555 ach so sind das die Alter die Altersangaben
556 I: Von fünfunddreißig weg bis heute, da hat ist praktisch diese
557 Expansion des Erwachsenenbildungsbereiches hat da stattgefunden
558 W54: Jja, die, Lebensalter, ja also ich bin voll eingestiegen in
559 Erwachsenenbildung, und voll mein ich jetzt daß ich teilweise zu
560 Stoßzeiten . jeden Tag, abends, nicht das wäre so
561 I: Das heißt aber immer parallel mit ihre Lehrtätigkeit in der
562 Schule
563 W54: Immer, immer
564 I: Ja, das muß ich immer dazudenken
565 W54: Und dabei aber dann teilweise dann nach also lehrtätig also
566 eingestiegen äh so achtundsiebzig neunundsiebzig äh schon
intensiv
567 . und dann so ab ab zweiundachtzig dreiundachtzig, dazwischen
568 einundachtzig war ja noch diese Nachzüglerin, und da war einmal so
569 ein ein Sabbatjahr ..
570 I: Das war da irgendwo ja (auf Zeitleiste)
571 W54: Ja, ein Sabbatjahr, aber dann ab zweiundachtzig sehr dann
572 intensiv
573 I: Mhm
574 W54: Sodaß ich sagen kann, eigentlich dann ab . September . bis
575 Ostern, teilweise, außer Festtags natürlich jeden Tag und oft am
576 Tag auch zwei, manchmal auch dreimal nachm nachmittags und abend
577 also voll . im Einsatz und zwar, ganz unterschiedlich, äh,
578 Rhetorikkurse, für Studenten Lerntechnikkurse, und Vorträge, oder
579 so ja, so in der Familien äh also Seminartätigkeit gerade nach
580 Wunsch also nicht nur Vorträge
581 I: Mhm
582 W54: Aber sehr intensiv auch, im Sommer dann äh natürlich frei
583 I: Mhm
584 W54: Und auf diese intensive ähh Zeit hab’ ich mich halt sowohl
585 kräftemäßig als organisatorisch und auch psychisch voll
586 eingestellt, weil ich gewußt hab’ das geht ja eigentlich nur
diese
587 äh paar Monate, und nachher ist dann
588 I: Mhm . womit diese Zeitspanne ausführlich erklärt wäre
589 W54: Mhm
590 I: Gibt es da im Bereich von sagen wir, vierzigsten bis heute
591 Ihrem vierzigsten Lebensjahr bis heute irgendein Ereignis von dem
592 Sie mir noch erzählen möchten, oder ist das eigentlich ..
paßt
593 W54: Ich glaub daß
594 I: Ja
595 W54: Paßt schon also nicht daß wir es jetzt da äh es ist
eigentlich
596 I: Nein
597 W54: Dann ziemlich
598 I: Ja
599 W54: Ja
600 I: Dann sind wir’s
601 (Band abgeschaltet und nach kurzem wieder eingeschaltet)
602 I: Sie schaffen es nicht auszusteigen
603 W54: Ich schaffe es nicht auszusteigen aber ich muß ehrlich sagen
604 ob ich wirklich aussteigen möchte
605 I: Ja
606 W54: Denn, wenn ich’s jetzt wirklich möchte dann könnte
ich ja nur
607 beim Telefon irgendwanneinmal sagen, nein es geht nicht oder mag
608 es nicht mehr oder ich kann es nicht, ich nehme es mir es zwar
609 schon vor weniger, denn ich meine jetzt mehr oder weniger kenne
610 ich ja, wiederholt sich ja sehr viel immer wieder, und es ist doch
611 eine eher ähh nennen wir es auch gefahrvolle oder risikoreiche
612 Tätigkeit ich fahr halt doch äh dann vor allem im Winter bei
613 Dunkelheit bei jedem Wetter in weißgott welche äh Richtungen und
614 Täler und einsame Orte und da bin ich immer alleine, also ist das
615 für eine Frau doch auch äh eher äh ja äh mit einem
gewissen Risiko
616 verbunden, aber ich glaub es tät’ mir doch ein bißchen
abgehen
617 jetzt, zumindest kann ich es nicht abrupt lassen ich werde es halt
618 wahrscheinlich so einen sanften Ausstieg, beziehungsweise, es
619 hängt jetzt auch damit zusammen, ich hab mit im Jahr zweitausend
620 dann meine vierzigjährige Unterrichtstätigkeit
621 I: Haben Sie mir schon gesagt ja
622 W54: Und gedenke, wenn jetzt das mit dem Übertritt zum Land oder,
623 ja es ist ein schönes Datum daß ich vielleicht von der
624 Unterrichtstätigkeit aussteige wobei ich da noch’s vielleicht,
ich
625 hab’ es zwar schon geplant und auch schon offen ausgesprochen,
daß
626 ich dann vielleicht nur mehr den . den Weiterbildungsbereich, aber
627 da steht sehr vieles offen, was ich fallen lasse, etwas äh sicher
628 daß ich doch ein bißchen ein gemächlicheres (leichtes
Lachen)
629 Tempo einnehme dann
630 I: Mhm
631 W54: Mhm
© 1998