Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.
Vom
Transkript zum Artikel
Heinz
Blaumeiser (Wien)
Innsbruck,
SS 97
Vom
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I.
Gliedernde Lektüre des Transkripts
- Das
Transkript lesen – evtl. bei parallel laufendem Audio / Video – und
dabei den Text durch Unterstreichungen markieren. Nur mit Kopien des
Transkripts arbeiten (ggf. markieren).
- Diese
Markierungen am Rande indizieren und pro Index-Kategorie eine Liste anlegen.
Ggf. pro Index-Kategorie ein Lektüre-Durchgang.
1.
Orte, soziale Räume und Zeiten
Alle
erwähnten “Orte der Handlung” (= soziale Räume)
markieren, diese Markierungen am Rande mit O1, O2, O3 ... indizieren, in einer
Liste der Orte reihen und dort benennen:
O1
= Küche in der elterlichen Wohnung in der Siemensstraße
O2
= Platz vor der Schule, heute Kolpingplatz
(...)
Alle
erwähnten Zeiten markieren, diese Markierung am Rande mit Z1, Z2, Z3 ...
indizieren, in einer Liste der Zeiten reihen und dort benennen:
Z1
= 1916, vermutlich im Sommer
Z2
= Weihnachten Anfang der 30er Jahre
(...)
Günstig
ist es, Orte und Zeiten paarweise zu indizieren und aufzulisten:
O1,
Z1 = Küche in der elterlichen Wohnung in der Siemensstraße; 1996,
vermutlich im Sommer
O2,
Z2 = Platz vor der Schule, heute Kolpingplatz; Weihnachten Anfang der 30er Jahre
(...)
2.
Beschreibungen und Geschichten
Durch
Längslinien am Rand und entsprechende Winkel im Text Anfang, Dauer und
Ende aller Beschreibungen mit B1, B2, B3 ... und aller Geschichten mit G1, G2,
G3 ... indizieren, diese in einer Liste der Beschreibungen und Geschichten
reihen und dort benennen:
B1
= elterliche Wohnung und Wohnumgebung
B2
= Aussehen der Großmutter
G3
= Streit zwischen Großmutter und Mutter (=Schwiegertochter) um
Alkoholismus des Vaters
G4
= mit Mutter den Vater an der Fabrik abgeholt
(...)
3.
Argumentationen, insbesondere biographische Kommentare und Coda’s
Durch
Schlangenlinien am Rand (ggf. auch im Text), alle Argumentationen (meinen,
räsonieren, rechtfertigen, ver-/beurteilen etc.) mit A1, A2, A3 ..., alle
biographischen Kommentare (damalige / heutige Selbstsicht, Lebensthemen etc.)
mit K1, K2, K3 ... und alle Codas (“Moral der Geschicht’”,
Quintessenz etc.) mit C1, C2, C3 ... indizieren, in einer Liste der
Argumentationen, biographischen Kommentare und Codas (diese
einschließlich Angabe der Geschichte) reihen und dort paraphrasieren:
A1
= von Zerstörung der Synagoge nicht wissen können
K2
= schon immer eine unpolitische Familie
(...)
C6
= es hätte keine andere Lösung gegeben (zu G13)
(...)
II.
Faktische Rekonstruktion
4.
Äußere Biographie
Aus
dem Text und unter Zuhilfenahme einer Zeitleiste den Lebenslauf rekonstruierend
paraphrasieren, angefangen bei der Herkunftsfamilie und dann “von der
Wiege bis zur Bare”.
5.
Äußeres Geschehen
Aus
dem Text und unter Zuhilfenahme einer zweiten Zeitleiste alles zeitlich
einzureihende, selbsterlebte Geschehen rekonstruierend paraphrasieren: Was
geschah wann wo und mit welchen Beteiligten?
III.
Kategorisierungen
6.
Deskriptive Kategorien und Memos
Die
Liste der Beschreibungen und Geschichten durchgehen und unter Bezug auf die
entsprechenden Textpassagen (erneute genauere Lektüre) die darin als
Erfahrung der IP zum Ausdruck kommenden Themen neuerlich kurzcharakterisieren,
womöglich mit eigenen Ausdrücken der IP (“textgenerierte
Kategorien”). Diese Katalogisierung von Beschreibungen und Geschichten in
einer Themen- und Kategorienliste mit T1, T2, T3 ... aufführen, dabei die
zugehörigen B’s und G’s vermerken.
T1:
Unterschicht (“Pofel”); B1
T2:
unwürdiges weibliches Alter; B2, G3
(...)
Spätestens
bei diesem Schritt werden immer wieder hypothetische Ideen über
mögliche Deutungen oder Zusammenhänge von Kategorisierungen
auftauchen: Diese Ideen in einer Memo-Liste mit M1, M2, M3 ... aufführen,
dabei die darin einbezogenen T’s mitnehmen:
M1:
Wohngebiet hoch sozial segmentiert; T1
M2:
gerade auch innerhalb Milieu und Familie nochmals sehr genau wahrgenommene
soziale Abstufungen; T2, T3
(...)
7.
Leitmotive
Die
Liste der Argumentationen, biographischen Kommentare und Codas durchgehen und
die darin zum Ausdruck kommenden Motive der IP (Ansichten, Haltungen, Werte
etc.) neuerlich kurzcharakterisieren, womöglich mit einer Formulierung der
IP; dabei die zugehörigen A’s, K’s und C’s mitnehmen.
Diese Kategorisierungen von Motiven nach Über-/Unterordnungen gruppieren,
gegebenenfalls nach Wertigkeit reihen und die übergeordneten und
vorrangigen Leitmotive der IP kurzcharakterisieren. Auch bei diesem Schritt
werden hypothetische Ideen auftauchen, die ebenfalls in der Memo-Liste
aufgeführt werden, wobei die dazugehörigen A’s, K’s und
C’s und eventuell assoziierte T’s mitzunehmen sind:
M71:
(Gerade?) auch in sozialistischen Milieus wird die Berührung mit dem NS
gerne geleugnet / verdrängt; A1, K2, C6, A9, T7
M72:
klischeehafte kleinbürgerliche “Lebensweisheiten” und
“Moral”vorstellungen; A1, A4, A7, T1
(...)
IV.
Feinanalysen
8.
Schlüsselpassagen
Auswahl
jener Passagen – also vor allem B’s und vor allem G’s
–, die für das Forschungsinteresse besonders aufschlußreich
scheinen. Diese neuerlich lesen und auf Basis der Kategorisierungen und
Leitmotive sowie unter Beachtung damit verbundener Memos im Detail
interpretieren, insbesondere als “Fälle von ...”
(Ankerbeispiele für ...), Während dieses Prozesses die Themen- und
Memo-Listen allfällig ergänzen und korrigieren.
9.
Textinterne Vernetzung zu einer textgenerierten Hypothese
Vernetzung
dieser im Detail interpretierten Passagen durch andere Passagen, die eine
stützende Detaillinterpretation erlauben, wobei eine neuerliche Durchsicht
der Memos diese Vernetzung zu steuern und abzusichern hilft. Für jede
solche Gruppe von verwandten, einander stützenden Passagen eine oder
mehrere übergreifende Hypothesen formulieren.
V.
Integration in den Forschungsstand
10.
Sample - Integration
Die
text-generierten Hypothesen aus dem einen Interview als heuristische
Leseanleitungen weiterer (auch früherer) Interviews nutzen und diese
Hypothesen entsprechend modifizieren und stabilisieren (saubere Buchhaltung
aller einbezogenen Textpassagen über mitlaufend weitergeführten
Listen!).
11.
Literatur - Integration
Diese
stabilisierten Hypothesen verkoppeln mit text-externen Informationen
(Statistiken, Dokumenten, Archivmaterial etc.) und mit anderen passenden
(analogen oder konträren) Daten, Thesen und Theorien aus der
einschlägigen Fachliteratur.
12.
Abfassung eines Fachartikels
Montage
aus den einzelnen Interpretationen und aus den sie stützenden Textpassagen
(im Zitat oder als Paraphrase) sowie aus dem text-externen Fachwissen
(Informationen, Theorien etc.). Zuspitzung zu einer oder mehreren neuen Thesen,
die daraus folgen, und zu neuen Fragen, die nun klärungsbedürftig und
fachlich lohnend wären.
© 1998 