Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.
UNTERTHEMA
3: Der erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand als Lehrgegenstand
Die
Unterthemen-Gliederung teilt den Lebenslauf grob in drei Etappen ein. Das
Unterthema Lehrgegenstand stellt dabei die dritte Etappe dar, die das Thema der
lebensgeschichtlichen Einbettung der Lern- und Lehrgegenstände
während der erwachsenenbildnerischen Tätigkeit bis zum Zeitpunkt des
Interviews weiterverfolgt.
UNTERPUNKT:
Grund für die Lehre des spezifischen Lern- und Lehrgegenstandes
Hier
soll der Grund für die Lehre des spezifischen Lern- und Lehrgegenstandes
untersucht werden.
ERGEBNIS
Die
auf das vorhandene inhaltliche Kompetenzbewußtsein gerichtete Hypothese
11 ergibt, daß das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines auf den
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand gerichteten Kompetenzbewußtseins
nicht vordergründig für den Einsteig in die Lehre in der
Erwachsenenbildung verantwortlich ist, sondern außerhalb des
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes liegende Faktoren, die sich
als Bedürfnisse oder Wunsch charakterisieren lassen: Geld, Berufswunsch,
Aufstiegswunsch, mehr Freiraum. Die biographische Verankerung dieser Faktoren
ist gegeben. Die Untersuchung der Hypothese 12 “Der
erwachsenenbildnerische Lehrgegenstand hat bei der Entscheidung eine wichtigere
biographische Funktion als andere Gegenstände” ergibt bei drei der
vier (W39: “Keramik”, M42: “Selbst- und
Sozialkompetenz”, W54: “Sprachlicher Bereich”,
“Pädagogischer Bereich”) untersuchten ErwachsenenbildnerInnen
eine wichtige (nicht wichtigere) biographische Funktion des
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes, die allerdings nur bei einer
Erwachsenenbildnerin (W39: “Keramik”) strikt auf den Einsteig in
die Erwachsenenbildung bezogen ist. Die biographische Wichtigkeit der
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände steht dabei beim
Einstieg in die Erwachsenenbildung nie in Konkurrenz zu andern
Lehrgegenständen in der Schule oder der Erwachsenenbildung, vielmehr
stellen sich bei zwei ErwachsenenbildnerInnen Tätigkeiten außerhalb
der Lehre als von vornherein preferierte Tätigkeit (M53:
erwachsenenbildnerische Organisationstätigkeit) oder als unerreichte
Alternativen dar (W54: schulische Verwaltungstätigkeit).
HYPOTHESE
11: Sich inhaltlich lehrkompetent erachten
Weiter
oben wurde im Rahmen des Unterpunktes “Einstieg in die
Erwachsenenbildung” das auf die Lehre an sich gerichtete
Kompetenzbewußtsein untersucht. Hier wird nun danach gefragt, inwieweit
sich der Erwachsenenbildner bezüglich dem Inhalt des Lern- und
Lehrgegenstandes kompetent erachtete. Es wird postuliert, daß ein Grund
für die Lehre des spezifischen Lern- und Lehrgegenstandes im vorhanden
Kompetenzbewußtsein über diesen Gegenstand liegt.
ERGEBNIS:
Der
Grund für die Lehre des erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstandes liegt nicht vordergründig am inhaltlichen
Kompetenzbewußtsein, sondern bei anderen Faktoren wie Geld, Berufswunsch,
Aufstiegswunsch, Freiraum (“Vorbild”-Hypothese 10). Diese Faktoren
sind biographisch motiviert. Drei der vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen
erachteten sich beim Einstieg in die Erwachsenenbildung inhaltlich als
kompetent. Eine Erwachsenenbildnerin (W39: “Keramik”) bedarf einer
zusätzlichen Legitimation ihrer de facto vorhandenen Kompetenz. Eine
zweite Erwachsenenbildnerin (W54: “Sprachlicher Bereich”) steigert
ihre Kompetenz durch Weiterbildung vor einem zweiten und definitiven Einstieg;
inzwischen war nämlich der Stellenwert der Erwachsenenbildung für sie
gestiegen. Ein nicht vollständig vorhandenes inhaltliches
Kompetenzbewußtsein hindert diese beiden Erwachsenenbildnerinnen also
nicht am Einstieg in die Erwachsenenbildung, sondern bewirkt eine Arbeit an
diesem Kompetenzbewußtsein. Andererseits zeigt M53 (“Religiöse
Bildung”), bei dem ein vorhandenes inhaltliches Kompetenzbewußtsein
interpretiert werden kann, daß der Einstieg in die Lehre in der
Erwachsenenbildung trotz vorhandenem inhaltlichen Kompetenzbewußtsein
nicht unbedingt einen hohen Stellenwert haben muß. Nur wegen seinem
inhaltlichen Kompetenzbewußtsein wirft sich M53 nämlich nicht in die
Lehre in der Erwachsenenbildung, sondern er behält seinen
Interessenschwerpunkt bei der Organisationstätigkeit im Rahmen der
Erwachsenenbildung bei.
W39:
einfach kompetent sein genügt nicht
Die
Frage nach dem auf den Lern- und Lehrgegenstand bezogenen
Kompetenzbewußtsein läßt sich parallel zu jenen Etappen
innerhalb der Biographie von W39 beschreiben, die die Untersuchung der weiter
oben behandelten Hypothese 8 nach der Lehrkompetenz von W39 (Motiv
“Unerfülltes erfüllen - Geschehenes legitimieren”)
berücksichtigt haben. Es fängt auch mit einem Tätigkeitswunsch
in der Oberschule an.
74
nocheinmal Kindergärtnerinnenschule probiert, eigentlich wollte
75
ich Kunstschule gehen .. dann bin ich Kindergärtnerinnenschule
Was
für sie die Lehrkompetenz des in der späten Mittelschulzeit
aufgetauchten Wunsches Lehrerin zu werden ist, und dann bis zum Beginn der
Tätigkeit als Erwachsenenbildnerin aus der Erzählung verschwindet,
ist hier der Ausbildungswunsch Kunstschule, der während der Oberschulzeit
auftaucht. Anders als der Berufswunsch Lehrerin, der für dreizehn
Lebensjahre verschollen bleibt, findet der Ausbildungswunsch Kunstschule schon
nach einigen Jahren mit dem Auftauchen des erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstandes “Keramik” als Lerngegenstand seine Fortsetzung.
Dieser Lerngegenstand wird dann auch als Ergebnis des
“Horoskopstudiums” zum Lehrgegenstand.
161
und da bin ich dann auch draufgekommen, wo
162
eigentlich die ganzen Linien dann hinführen und daß ich praktisch
163
nur soll hier Keramik machen und der Fall hat sich
Die
gleiche Textstelle, die auf die Schwierigkeit des Lehren-Dürfens verweist,
setzt sich mit der auf den Lern- und Lehrgegenstand bezogenen Kompetenz
auseinander.
169
. und da ich mir . hauptsächlich . in meinen Nervenkrisen . ah
170
gutes Wissen angeeignet habe . durch die Natur beobachten und
171
durch Herumexperimentieren und einen Haufen Fehler machen bin ich
172
eben zu einer künstlerischen Darstellungskraft gelangt, die es mir
173
jetzt auch erlaubt, anderen Leuten etwas zu sagen . auf diesem
174
Gebiet
Das
Kompetenzbewußtsein über den erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstand war bei W39 also vorhanden. Auffällig ist hier, daß
es nicht genügt, den Lern- und Lehrgegenstand “Keramik” zu
beherrschen, Horoskop und durch Krisen sich verdientes Wissen ist
zusätzlich nötig, um zur Lehre des erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstandes berechtigt zu sein.
Exkurs:
begleitende Theorieelemente
Eine
mögliche Interpretation dieser zusätzlich nötigen Legitimation
könnte darin liegen, daß W39 ihre Kompetenzen nicht in einer
formellen Bildungseinrichtung erworben hat, während nur formelles und
formales Lernen auch das entsprechende Kompetenzbewußtsein mit sich
bringen. Gerrit KASCHUBA beschreibt dieses Phänomen (vgl. 1996, 60) in
ihrer Untersuchung über die Bildungsprozesse von Frauen in ländlichen
Regionen an den Hausarbeitsqualifikationen von Frauen.
W54:
kein Kompetenzdefizit beim Einstieg
Das
Kompetenzbewußtsein bezüglich der erwachsenenbildnerischen (nicht
schulischen) inhaltlichen Vermittlung des erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstandes “
Sprachlicher
Bereich
”
ist in zwei Phasen zu untersuchen. Der Einstieg in die (nebenberufliche)
Erwachsenenbildung erfolgte im Alter von 20 Jahren vor allem aus
ökonomischen Motiven mit dem konkreten Lehrgegenstand Deutsch,
während der konkrete Lehrgegenstand Rhetorik und Kommunikation erst
ungefähr im 33. Lebensjahr durch die Entscheidung für eine
verstärkte (nebenberufliche) Tätigkeit in der Erwachsenenbildung
dazukommt. Dieser zweite Einstieg in die Erwachsenenbildung stellt die
Alternative zu nicht erreichten Berufszielen im Schulbereich dar. Im konkreten
Lehrgegenstand
Deutsch
für italienischsprachige Staatsangestellte scheint W54 keine Bedenken
bezüglich ihrer Kompetenz gehabt zu haben, was auch aufgrund ihrer
Voraussetzungen (“Buchklima” in Lehrerfamilie,
Lehrerbildungsanstalt, Lehrerfahrung in der Bergvolksschule) verständlich
ist. Im Unterschied dazu erarbeitet sich W54 ihrer Kompetenz für den
konkreten Gegenstand
Rhetorik
und Kommunikation
erst im Zuge einer Ausweitung ihrer Erwachsenenbildungstätigkeit auf diese
konkreten Gegenstände. Dabei scheint ein mangelndes
Kompetenzbewußtsein durch Ausbildung erst überwunden werden zu
müssen (siehe Hypothese 12 “Der erwachsenenbildnerische
Lehrgegenstand hat bei der Entscheidung eine wichtigere Biographische Funktion
als andere Gegenstände”).
Beim
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand “
Pädagogischer
Bereich
”
ist, wie schon festgestellt, kein konkreter Zeitpunkt des Beginns als
Lehrgegenstand eruierbar und damit auch nicht der Status des
Kompetenzbewußtseins beim Beginn der Tätigkeit in diesem Bereich.
M53:
kompetent (interpretiert)
M53
macht im lebensgeschichtlichen Interview sehr wenige Aussagen über seine
Lehrtätigkeit in der Erwachsenenbildung, woraus eine geringe Relevanz der
Lehre für M53 interpretiert wird. Er äußert sich auch nicht
über sein Kompetenzbewußtsein bezüglich der Lehre in der
Erwachsenenbildung (siehe Hypothese 8 “Kompetenzbewußtsein”)
und genauso nicht bezüglich den Lehrgegenständen. Daß sich M53
zu Beginn seiner Lehrtätigkeit in der Erwachsenenbildung bezüglich
den erwachsenenbildnerischen Lehrgegenständen kompetent erachtete, kann
aber wegen seiner Ausbildungssituation angenommen werden. Der
erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand “
Religiöse
Bildung
”
war für den Priester M53 schon während seiner siebenjährigen
Kooperatortätigkeit Lehrgegenstand, wie diese Textpassage zeigt (in der
M53 sich zu den von ihm verwendeten Sprachen äußert).
394
(...) habe ich ja auch, in der Seelsorge haben mich ja auch
395
ich bin immer in ladinischen Tälern gewesen als Kooperator haben
396
wir immer auch Italienisch äh, in der Schule in der Predigt,
397
verwendet (...)
“In
der Schule” meint hier sicherlich den Religionsunterricht (und nicht
Italienischunterricht).
Die
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände “
Soziales”
und “
Ladiner”
scheinen im lebensgeschichtlichen Gespräch überhaupt nicht als
Lehrgegenstände auf. Allerdings lassen sich biographisch verankerte
Gründe (es geht vor allem um Benachteiligungserfahrungen in der Kindheit
von M53) nachweisen (siehe “Grund, Anlaß, Auslöser des
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes: Beschreibung des
Auftauchens”). Es wird angenommen, daß sie im Sinne einer
Ausweitung der Lehre in der Erwachsenenbildung (siehe entsprechende Hypothese
15) zum Lehrgegenstand “Religiöse Bildung” dazugekommen sind.
M42:
kompetent (interpretiert), übernommen
Über
sein Kompetenzbewußtsein bezüglich dem erwachsenenbildnerischen
Lern- und Lehrgegenstand “
Selbst-
und Sozialkompetenz
”
macht M42 keine Aussage. Er dürfte aber nicht nur das
Kompetenzbewußtsein über die Lehre aus der ersten Ausbildungsphase -
(vgl. 396-405) und der späteren Weiterbildungsphase sowie aus der Praxis
als Betriebsberater (vgl. 456-470) geschöpft haben, auch das inhaltliche
Kompetenzbewußtsein dürfte daher stammen. Für M42 liegen
Betriebsberatung und entsprechende Erwachsenenbildung nahe beieinander, wodurch
es fraglich ist, ob sich für M42 bezüglich der Ausbildungskomponente
seiner Tätigkeit überhaupt die Frage der Kompetenz eigenes gestellt
hat (vgl. 508-518).
HYPOTHESE
12: Der erwachsenenbildnerische Lehrgegenstand hat bei der Entscheidung eine
wichtigere biographische Funktion als andere Gegenstände
Analog
der Hypothese 2 zur biographischen Wichtigkeit beim Auftauchen des Lern- und
Lehrgegenstandes als Lerngegenstand wird hier der lebensgeschichtlichen
Einbettung des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes mit der
Frage nach der Wichtigkeit dieses Lern- und Lehrgegenstandes nachgegangen. Es
wird postuliert, daß der Grund für die Entscheidung für gerade
diesen erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand in seiner wichtigeren
biographischen Funktion als andere Lehrgegenstände liegt. Bedeutende
interpretierte Motive und Themen aus dem lebensgeschichtliche Gespräch
müssen dafür in deutlichem Zusammenhang mit den Lehrgegenständen
stehen, d.h. eine wichtige biographische Funktion haben. Im Vergleich mit der
Wichtigkeit anderer Lehrgegenstände kann dies überprüft werden.
ERGEBNIS:
Diese
Hypothese ist so, wie sie postuliert ist, nicht recht “passend”,
denn es ist bei den vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen keine Situation
zu finden, die alle Element der Hypothese beinhalten würde. Eine
Entscheidungssituation zwischen Lehrgegenständen ist nie erkennbar,
weitere Lehrgegenstände sind bei zwei ErwachsenenbildnerInnen erkennbar
wobei, diese als Lehrgegenstände in der Schule nie in ein
Spannungsverhältnis mit den erwachsenenbildnerischen Lehrgegenständen
treten (W54) oder in der Erwachsenenbildung für ein vollständiges
Lehrangebot sogar gebraucht werden (M42) . Eine biographisch wichtige Funktion
des erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes (Zusammenhang mit wichtigen
Themen und Motiven) ist nur bei einer Erwachsenenbildnerin (W39:
“Keramik”) beim Einstieg in die Erwachsenenbildung erkennbar, bei
zwei weiteren ErwachsenenbildnerInnen kann auch von wichtiger biographischer
Funktion des erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes (Zusammenhang mit
wichtigen Themen und Motiven) gesprochen werden, allerdings nicht als strikt
auf die Einstiegssituation festmachbare (M42: “Selbst- und
Sozialkompetenz”) bzw. als erst in einer zweiten Einstiegssituation
später auftauchende (W54: “Sprachlicher Bereich”,
“Pädagogischer Bereich”). Weiters zeigt sich am Beispiel von
W54 und M53, daß die Alternativen zu den erwachsenenbildnerischen
Lehrgegenständen nicht andere erwachsenenbildnerische oder schulische
Lehrgegenstände sind, sondern Verwaltungstätigkeit im Schulbereich
bzw. Organisationstätigkeit im Erwachsenenbildungsbereich. W54 wählt
die biographisch bedeutenden erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände als
zweite Wahl, weil sie die Verwaltungstätigkeit in der Schule nicht
erreichte, M53 präferiert die Organisationstätigkeit in der
Erwachsenenbildung vor der Lehrtätigkeit in der Erwachsenenbildung.
W39:
wichtiger als andere
Der
Lern- und Lehrgegenstand
“Keramik”
hatte bei seinem Auftauchen eine biographisch wichtige Funktion (Oberthema
“Lernen”), erfährt in der Folge dann auch eine
Qualitätsverbesserung, läuft aber immer sozusagen neben den in der
Folgezeit biographisch wichtigsten Themen “meine Nervenkrisen” und
“Krisenbewältigung” her. Dies ändert sich nun, er wird zu
einem Gegenstand, der mehreres biographisch Wichtiges in sich vereint und
dadurch zum wichtigsten Gegenstand für W39 wird – wenn auch nicht im
Vergleich mit anderen Lern- und Lehrgegenständen, denn anderes
schließt W39 gleichzeitig mit dem Entschluß für die
erwachsenenbildnerische Lehre des Lern- und Lehrgegenstandes
“Keramik” aus (vgl. 161-165), wodurch auch kein Vergleich mit
anderen Lern- und Lehrgegenständen möglich ist. Schon bei den
vorhergehenden Hypothesen wurde die Umsetzung der frühen
Tätigkeitsvorstellungen Lehrerin und Kunst(-schule) in der Lehre und im
Gegenstand “Keramik” festgestellt, wobei das Lehren für W39
für lange Zeit nicht relevant war und Kunst sich schon über Keramik
als Lerngegenstand weiterentwickelte. Daneben fließen nun auch das Motiv
“Ästhetik” und das Thema “ Alleinsein” in den
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand “Keramik” ein, beides sind
im Thema “Krisenbewältigung” erfaßte
Krisenbewältigungsmethoden. Das Alleinsein ist ein Element, das sich vor
allem aus den Erzählungen über ihre Flucht aus der Großstadt
(vgl.116-125) und über die Wanderungen infolge von
“Nervenkrisen” (vgl. 128-135, 212-219) herausschälen
läßt und es wird hier insofern in den erwachsenenbildnerischen
Lehrgegenstand integriert gesehen, als daß Keramik die Beschäftigung
einer einzelnen Person mit einem Material ist. Das Motiv
“Ästhetik” hängt ebenfalls mit den Wanderungen zusammen,
die W39 infolge der Nervenkrisen unternahm. Hier ein kurzer Ausschnitt aus
einer einundzwanzig Zeilen langen (232-253) Passage über Licht und
Sonnenuntergänge in Gegend2.
247
(...) und manchmal, sagen wir wenn
248
alles bewölkt war oder so dann hast du aber nicht finster gehabt,
249
sondern einfach nur oben her bewölkt und das Licht ist drunten
250
herum bei einem Streifen herausgekommen, drüber Wolken und die
251
ganze Seite von Meer her womöglich offen und dort das Licht herein
252
.. sagen wir das immer, das hängt dann vielleicht mit dem
253
Künstlerischen zusammen ... (...)
W39
integriert dieses Motiv “Ästhetik” in den Lehrgegenstand,
indem sie, wie oben festgestellt, die Berechtigung für die Lehre des
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes zusätzlich aus dem ihr
aus den Krisen erwachsenen Kompetenzen legitimiert (vgl. 169-174).
Exkurs:
begleitende Theorieelemente
An
dieser Stelle läßt sich eine Folgenkette formulieren, deren
großer Auslöser 1968 als Intervention der Zeitgeschichte in die
Biographie von W39 ist: ihr durch 1968 verstärktes Autonomiebestreben
führt sie in psychische Krisensituationen (Verlaufskurve), welche zu ihrer
Bewältigung das Alleinsein wichtig werden lassen und ästhetisches
Empfinden entwickeln. Diese Erfahrungen fließen nun in den Lern- und
Lehrgegenstand ein.
W54:
werden erst später wichtiger werden
Die
Frage nach der biographischen Bedeutung der erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstände und auch des Einstiegs in die Lehre in der
Erwachsenenbildung hat bei W54 bisher keine wichtigere biographische Bedeutung
ergeben. Der erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand
“Sprachlicher Bereich”
ist bei seinem Auftauchen als Lehrgegenstand nicht biographisch bedeutend,
allerdings in seinem Auftauchen nachvollziehbar (W54: “Buchklima”),
beim Eintritt in die Erwachsenenbildung wird dieser erwachsenenbildnerische
Lern- und Lehrgegenstand zum Lehrgegenstand, die Gründe dafür sind
aber ökonomische und nicht bedeutende biographische. Der
erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand
“Pädagogischer Bereich”
hat bei seinem Auftauchen als Lerngegenstand eine gewisse biographische
Bedeutung aber keine akute Wichtigkeit, er nimmt das Thema der
Familienberufstradition LehrerIn auf. Beim Einstieg in die Erwachsenenbildung
ist er nicht beteiligt und sein späteres Dazukommen als
erwachsenenbildnerischer Lehrgegenstand ist zeitlich nicht festzumachen. Seine
insgesamt aber weiter vorhanden Bedeutung wird mit dem Beginn des
Universitätsstudiums durch seine Bevorzugung als Lerngegenstand vor dem
Gegenstand Musik erkennbar.
311
(...) zu der Zeit hab’ ich aber
312
eigentlich gar nicht einmal so recht noch s s im so voll im Sinn
313
gehabt, weiter zu studieren, es hat sich nämlich für mich auch
314
eine andere ein anderer Bereich ergeben, wo ich schon äh drinnen
315
war, nämlich der musika die musikalische Ausbildung, also hätt’
316
ich ohne weiteres äh den Weg auch weiter gehen können (...)
Die
beiden erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände bekommen erst im
Laufe der erwachsenenbildnerischen Lehrtätigkeit eine wichtige
biographische Funktion durch W54’s verstärkten Einstieg in die
Erwachsenenbildung aufgrund der nicht erfüllten Berufsvorstellungen im
schulischen Bereich – Thema “Leistung: als Jüngste Aufstieg
bis zur Selbstbeschränkung” bzw. Motiv
“Selbstbeschränkung in Leistungsbenennung und
Leistungsangebot”. Mit dem Entschluß des verstärkten Einstiegs
in die Erwachsenenbildung wird dann vor allem der erwachsenenbildnerische Lern-
und Lehrgegenstand
“Sprachlicher
Bereich”
noch einmal zum Lerngegenstand, W54 bildet sich gezielt in diesem Bereich
weiter. Zum konkreten Gegenstand
Deutsch
für italienischsprachige Staatsangestellte kommt dadurch der Gegenstand
Rhetorik
und Kommunikation
dazu.
378
(...) und dann äh sind eben die ersten Anträge
379
gekommen, ob ich nicht äh das eine oder das andere an
380
Kursangeboten aufgreifen möchte, ich hab’ mir das
381
selbstverständlich nicht zugetraut und wollte da auch zuerst auf
382
nummersicher gehen und hab wieder im Alleingang äh verschiedene
383
Kurse besucht im Inland, im Ausland, aber immer so im Alleingang
384
äh damit ich mir da äh sagen wir eine gediegene äh
Grundausbildung
385
zugelegt habe, und hab’ dann auch mit den ersten mich an die
386
ersten Kurse gewagt (...)
Daß
nun plötzlich auch in diesem Bereich Kompetenzbedenken auftreten wird hier
damit erklärt, daß der erwachsenenbildnerische Lehrgegenstand und
die gesamte erwachsenenbildnerische Tätigkeit vor dem Entschluß des
verstärkten Einstiegs in die Erwachsenenbildungstätigkeit für
W54 insgesamt nicht sehr wichtig war. Mit diesem Entschluß gewinnt er
aber für W54 an Bedeutung und wird dadurch mit höheren
Kompetenzkriterien von ihr belegt.
Vom
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand
“Pädagogischer Bereich”
,
der mit der biographisch wichtigen Bedeutung der Fortsetzung der
Familientradition ausgestattet ist, ist anzunehmen, daß er von W54
ursprünglich gar nicht für die Umsetzung im Bereich der
Erwachsenenbildung gedacht war, und erst mit dem Stagnieren des erhofften
Aufstieges und der dadurch gestiegenen Wichtigkeit der Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung auch hier umgesetzt wird.
M53:
gegenstandsbezogene Entscheidung war vorher; Erwachsenenbildner-Tätigkeit
biographisch wichtiger als der Gegenstand
Die
Entscheidung für die Erwachsenenbildung war für M53 eine Entscheidung
unter anderem für die Lehre in der Erwachsenenbildung, aber vor allem
für eine organisatorische Tätigkeit im Rahmen der Erwachsenenbildung.
Freilich ist der Gegenstand seiner Organisationstätigkeit ident mit dem
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand “
Religiöse
Bildung
”.
Eine biographische Wichtigkeit gerade der Entscheidung für diesen
Gegenstand beim Einstieg in die Erwachsenenbildung ist aber nicht ersichtlich.
Der entsprechende Entscheidungsmoment hat schon viel früher, am Beginn und
während dem Priesterseminar, stattgefunden (vgl. z.B. 525-537). Die
biographische Wichtigkeit des Einstiegs in die Erwachsenenbildung liegt bei M53
nicht am Gegenstand, dieser bleibt vor und nach dem Einstieg in die
Erwachsenenbildung der gleiche, sondern an der Tätigkeit der
Erwachsenenbildung. Diese Tätigkeit erlaubt es, M53 einen Aufstieg zu
erreichen, der gleichzeitig mit mehr Gestaltungsmöglichkeit verbunden ist
(siehe Hypothese 5 “Einstieg wegen bedeutsamer biographischer Erfahrung).
Die
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände “
Soziales”
und “
Ladiner”
kommen erst im Zuge einer Ausweitung der erwachsenenbildnerischen
Lehrgegenstände dazu (siehe entsprechende Hypothese 15) und können
als eine Realisierung des biographischen Programms gesehen werden, wegen dem
sich M53 für den Einstieg in die Erwachsenenbildung entscheidet.
M42:
wichtiger als andere
Die
Entscheidung für den erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand
“
Selbst-
und Sozialkompetenz
”
als Lerngegenstand entspringt dem Bestreben von M42 sein Angebot als
Betriebsberater zu verbessern.
508
(...) ich äh habe dann begonnen vor acht Jahren aus einem
509
Freiberuflerbüro, ein Unternehmen zu machen, immer ausgehend vom
510
Jahre, vom siebenundneunzig aus, und äh habe dort eine ein
511
Beratungsunternehmen gegründet mit der Zielsetzung, daß ich, äh
512
Beratung in diesen vier Hauptsäulen machen mache aber gleichze
513
gleichzeitig in der sogenannten Selbst und Sozialkompetenz, der
514
Führungsebene, höchstes Führungsmanagement also Unternehmer
höchste
515
Ebene also Managementebene eins und Managementebene zwei und drei
516
Verkauf, und Chefsekretäriat daß ich dort äh starke Aus und
517
Weiterbildung mache in Sachen Selbst und Sozialkompetenz und erst
518
im zweiten Moment Fach und Methodenkompetenz, und ähh aus dieser
519
Erkenntnis heraus habe ich dann begonnen im Erwachsenenbereich
520
aber immer auf beruflicher Ebene, äh Seminare anzubieten die
521
teilweise, öffentlich zugänglich sind aber mittlerweile zu achtzig
522
Prozent betriebsintern sind, das heißt äh daß ich äh den
größten
523
Teil meiner Erwachsenenbildung, betriebsintern mache und zwar
524
unabhängig von der Ma vom vom Fachlichen her sprich welches
525
Produkt sie verkaufen wird einfach einmal in Selbst und
526
Sozialkompetenz gearbeitet (...)
Eine
akute biographische Wichtigkeit des erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstandes zum Entscheidungszeitpunkt ist nicht festzustellen. An
biographisch wichtigen Themen und Motiven, die im Zusammenhang mit der
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand “Selbst- und
Sozialkompetenz” stehen sind die schon beim Auftauchen als Lerngegenstand
genannten zu nennen. Das Motiv “Führungsposition, Mittelpunktmensch,
beeinflussen” und das korrespondierende Thema “Hegemonie”
(Oberthema “(unbedingt) gehört werden wollen”) lassen sich
aber mit “starke(r) Aus- und Weiterbildung” möglicherweise
besser umsetzen als nur mit den Methoden der Betriebsberatung. Weiters lassen
sich in den erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand “Selbst- und
Sozialkompetenz” auch das infolge des Firmenzusammenbruches seines Vaters
inzwischen dazugekommenen Thema “Vater ‚gestorben‘” und
das Motiv “hoher Stellenwert der Familie, menschlich stimmen”
integrieren. Eine zu diesem Thema und Motiv gehörende Argumentation ist:
487
(...) habe gemerkt daß eben die größten Schwierigkeiten in den
488
Betrieben, äh zu siebzig achtzig Prozent die Schwierigkeiten in
489
Betrieben entstehen aus menschlichen und zwischenmenschlichen
490
Problemen, also wenn kostenmäßig äh etwas nicht läuft
dann ist die
491
Ursache meistens das Zwischenmenschliche oder das Menschliche was
492
nicht paßt, und äh dies Erkenntnis äh hat mich auch
dorthingeführt
493
daß ich gesagt habe wenn du willst erfolgreich in der Beratung
494
sein, dann muß Beratung und Ausbildung zusammenfallen (...)
Die
größere biographische Wichtigkeit des erwachsenenbildnerischen
Lehrgegenstandes “Selbst- und Sozialkompetenz” erscheint also
gegeben.
UNTERPUNKT:
Entwicklung
Nach
der Phase des Eintritts in die Erwachsenenbildung als Lehre mit den Lern- und
Lehrgegenständen soll in diesem Unterpunkt der weiteren Entwicklung der
Lern- und Lehrgegenstände nachgegangen werden. Hier soll auch die dem in
dieser Arbeit verwendeten Begriff des erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstandes enthaltene implizite Annahme über das
unabschließbare Lernen am Lehrgegenstand überprüft werden.
ERGEBNIS:
- Die
Untersuchung der Hypothese 13 über die weiter Qualitätssteigerung des
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes ergibt bei allen vier
ErwachsenenbildnerInnen ein aufrechtbleibendes Interesse am
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand und eine Qualitätssteigerung von
diesem. Der erwachsenenbildnerische Lehrgegenstand bleibt bei allen vier
ErwachsenenbildnerInnen auch ein Gegenstand des Lernens / Lerngegenstand.
Qualitätssteigerungen ergeben sich dabei nicht zu Beginn der
Lehrtätigkeit als Kompetenzdefizit-Kompensation, sondern erst nach einigen
Jahren, wobei bei zwei von vier ErwachsenenbildnerInnen eine verstärkte
Konzentration auf den erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand (W42) oder
äußere Notwendigkeiten (W39) ausschlaggebend waren, bei zwei
weiteren ErwachsenenbildnerInnen (W45, M53) ist diese Qualitätssteigerung
des erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes, mit dem sie in die
Erwachsenenbildung eingestiegen sind, gleich auch verbunden mit einer
Ausweitung auf weitere erwachsenenbildnerische Lehrgegenstände. Diese
Ausweitungen lassen sich mit biographisch wichtigen Themen und Motiven in
Verbindung bringen.
- Die
Hypothese 14 über das Entstehen einer professionellen Einstellung im
Rahmen der Entwicklung des erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes hat der
“importierten” Arbeitserfahrung und Professionalität aus
anderen, früheren oder gleichzeitigen Tätigkeiten zuwenig Rechnung
getragen. Bei drei der vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen
läßt sich mit dem Einstieg in die Lehre in der Erwachsenenbildung
ein Professionellerwerden nicht mehr erkennen, nur bei einer
Erwachsenenbildnerin tritt “Geld” auf Kosten von
“Ästhetik” in den Vordergrund. Bei zwei Erwachsenenbildnern
(M53, M42) läßt sich auf der Basis der gegebenen
Professionalität ein Zum-Zug-Kommen von persönlichen und biographisch
wichtigen Motiven erkennen, wobei sich auch ein gewisses gesellschaftliches
Engagement daraus ergibt. Bei zwei ErwachsenenbildnerInnen (W39, M42)
läßt sich ein Auslagern von persönlich wichtigen aber in der
professionell gehandhabten Erwachsenenbildung nicht erreichbaren Motiven
feststellen. Erwachsenenbildung ist also nicht nur der Ort von anderenorts
nicht Erreichbarem (Freiraum, zweite Wahl) sondern auch der Ort der
Nichterreichbarkeit von persönlichen Motiven und somit
“Transitgebiet”.
- Mit
der Hypothese 15 über die Ausweitung der Lehre des
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes auf benachbarte Gebiete ist eine
solche Ausweitung im weiteren Verlauf der Erwachsenenbildungstätigkeit bei
allen vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen festzustellen. Insgesamt lassen
sich bei drei der untersuchten ErwachsenenbildnerInnen neu dazukommende
erwachsenenbildnerische Lehrgegenstände (W54: Kommunikation und Rhetorik
bei “Sprachlicher Bereich”, “Pädagogischer
Bereich”, M53: “Soziales”, “Ladiner”, M42:
“Bildungs- und Kulturmanagement”) und bei zwei untersuchten
ErwachsenenbildnerInnen eine Ausweitung über die Erwachsenenbildung hinaus
in die Bereiche Kunst (W39) und Schule (W42)feststellen. Diese Ausweitungen und
Auslagerungen haben meist wichtige biographische Funktionen.
- Die
Sichtweise der Ausweitung von einem ursprünglich ergriffenen
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand auf benachbarte Gebiete stellt sich
aber bei den nebenberuflich (W54) oder erst in zweiter Linie in der
Erwachsenenbildung lehrenden Erwachsenenbildern (M53 und auch M42) als zu kurz
gegriffen heraus, da dieser Hauptberuf selbst oft ein wichtiger Faktor bei
dieser Ausweitung ist; so etwa im Sinne von BRUGGERs “Erwachsenenbildung
als zweite Wahl”. Auch kann im Vergleich mit der Lehre in der
Erwachsenenbildung die Schule nicht als ein Ort bezeichnet werden, der
Ausweitungen von Tätigkeiten nicht zuließe. Daß
ErwachsenenbildnerInnen aber ungern in Pension gehen, das zeigt W54 im Sinne
BRUGGERs.
HYPOTHESE
13: Weitere Qualitätssteigerung
Um
den Verlauf der Entwicklung nach dem Ergreifen der erwachsenenbildnerischen
Lehrtätigkeit beobachten zu können, wird hier postuliert, daß
der erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand eine (nach der
Qualitätssteigerung als Lerngegenstand) weitere Qualitätssteigerung
erfährt. Dies setzt natürlich voraus, daß das Interesse an
diesem Lehrgegenstand erhalten bleibt und er aktiv weiterentwickelt wird,
wodurch der Lehrgegenstand ein Lerngegenstand bleibt. Und das vor allem zu
Beginn der diesen Lern- und Lehrgegenstand betreffenden
erwachsenenbildnerischen Lehrtätigkeit.
ERGEBNIS:
Das
Interesse an den erwachsenenbildnerischen Lehrgegenständen bleibt bei
allen vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen erhalten (längerfristig
bildet M42 dabei eine Ausnahme, die weiter unten behandelt wird). Desgleichen
kann auch festgestellt werden, daß der Lehrgegenstand bei allen vier ein
Lerngegenstand bleibt und auch eine Qualitätssteigerung erfährt. Ein
Lernen im Sinne einer Qualitätssteigerung des erwachsenenbildnerischen
Lehrgegenstandes um der Qualität Willen ist bei einem Erwachsenenbildner
(M42: “Selbst- und Sozialmanagement”) nach drei Jahren
Erwachsenenbildnertätigkeit festzustellen. In diesem Fall tritt
gleichzeitig ein Vorrangigwerden des Lehrgegenstandes ein. Eine zweite
Erwachsenenbildnerin (W39: “Keramik”) entwickelt Lehre und
Lerngegenstand weiter, sobald sie sich nach ungefähr vier Jahren
Tätigkeit einer neuen Personengruppe von KursteilnehmerInnen annimmt, die
Qualitätssteigerung des Lehrgegenstandes geschieht bei W39 also mehr aus
einer äußeren Notwendigkeit heraus. Zwei weitere
ErwachsenenbildnerInnen betreiben ihr Weiterlernen nicht so sehr auf den
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand bezogen, d.h. im Sinne einer auf diesen
konzentrierten Qualitätssteigerung, sondern als darüberhinausgehende
Weiterentwicklung und Ausweitung, die zu einer quantitativen und qualitativen
Ausweitung der erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände führt (W54),
oder den erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand (M53: “Religiöse
Bildung”) als einen von mehreren Bereichen betrifft. Weiterentwicklung
hat entweder starke innere Gründe (Expansionswünsche) oder neue
Aufgaben in der ErwachsenenbildnerIntätigkeit als Auslöser. Die
Entwicklung des erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes ist deshalb mit dem
Begriff der Qualitätssteigerung alleine nicht ausreichend beschrieben, der
Begriff Ausweitung muß dafür dazukommen. Nicht bestätigt hat
sich die Annahme der Weiterentwicklung vor allem zu Beginn der
erwachsenenbildnerischen Lehrtätigkeit. Ein spezielles Kompetenzdefizit
war zu diesem Zeitpunkt also durch eine Qualitätssteigerung nicht zu
überwinden, vielmehr erscheint im lebensgeschichtlichen Gespräch auch
schon die Anfangszeit der erwachsenenbildnerischen Tätigkeit mit einer
selbstverständlichen Kompetenz als ErwachsenenbildnerIn ausgestattet.
W39:
Weiterentwicklung mit Anlaß
Grundsätzlich
kann gesagt werden, daß das Interesse am Lern- und Lehrgegenstand
erhalten bleibt, wie auch die weiter unten abgehandelte Untersuchung der
Weiterentwicklung des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes
zeigt. Über eine Arbeit, im Sinne einer Qualitätssteigerung, am Lern-
und Lehrgegenstand “Keramik” nach dessen Entwicklung zum
Lehrgegenstand ist in der Erzählung von W39 allerdings nichts enthalten.
Es finden sich die schon präsentierten Erzählpassagen über den
Beginn des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes als
Lehrgegenstand, bei denen Legitimation eine Rolle spielt, und es finden sich
Erzählpassagen, aus denen sich das aktuelle Kompetenzbewußtsein von
W39 erschließen läßt, dabei ist interessanterweise keine
Legitimation mehr nötig.
262
(neckisch) (lacht) und . ja das mit den Kursen .. das ist dann
263
etwas, wo die Leute einfach sich dann freuen . ihre Sachen
264
herauszutun, daß sie das können, das sie das gutmachen, daß man
265
das kontrollieren kann . das sie das überhaupt fertig bekommen,
266
was sie sich überhaupt nicht gedacht hätten .. und danach wollen
267
sie dann immer wieder einen Kurs
Da
also keine Erzählpassagen über die qualitätsmäßige
Entwicklung gleich nach dem Beginn der Tätigkeit als Erwachsenenbildnerin
vorhanden sind, kann angenommen werden, daß W39 eine
Qualitätssteigerung des Lern- und Lehrgegenstandes gleich am Beginn nicht
für nötig erachtete. Eine qualitative Weiterentwicklung wird aber
nötig, sobald neue Aufgaben auftauchen – der Lehrgegenstand bleibt
also ein “Lern - und Lehrgegenstand”.
272
. was
273
ich mit den Kindern mache, weiß ich noch nicht, weil die
274
Erwachsenen . ahm haben schon fixere Ideen, und den Kindern den
275
muß man doch irgendwie noch, irgendwo . hinlenken .
W54:
Ausweitung, nicht nur Qualitätssteigerung
Die
bei W54 benannten erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände “
Sprachlicher
Bereich
”
und “
Pädagogischer
Bereich
”
bestehen aus konkreten Gegenständen wie Deutsch für
italienischsprachige Staatsangestellte, Rhetorik und Kommunikation,
Erziehungsthemen, Lerntechniken usw. Von Qualitätssteigerungen in diesen
einzelnen konkreten Gegenständen erzählt W54 nichts, ihr geht es
vielmehr um die Ausweitung ihrer erwachsenenbildnerischen Tätigkeit auf
weitere Gegenstände (Motiv “mehr machen [Aufstieg]”).
417
(...) ich bin weder in der Tätigkeit in der Schule noch in
418
der Tätigkeit im Weiterbildungsbereich stehengeblieben sondern äh
419
stehengeblieben bei dem was ich schon einmal erreicht hab’ ich bin
420
immer wieder weiter gegangen, so sind’s von zwei Themen fünf
421
geworden und von fünf Themen sind es dann eben mehr geworden äh
422
aber nicht äh .. aber sie hängen eigentlich alle zusammen es sind
423
nicht unterschiedliche Themen es sind nur Vertiefungen eigentlich
424
von einem Thema und das ist der eine Bereich dieser Erziehungs
425
diese pädagogische Bereich und das andere eben dieser rhetorisch
426
kommunikative Bereich (...)
Diese
Ausweitung der Anzahl der konkreten Gegenstände ist bei der Hypothese 15
“Ausweitung auf benachbarte Gebiete” diskutiert. Jedenfalls kann
hier festgestellt werden, daß das Interesse an den
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenständen erhalten bleibt und
die erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände aktiv
weiterentwickelt werden.
M53:
aktive Auseinandersetzung und Weiterentwicklung
M53
sieht seine eigene Weiterbildung als einen Teil seiner Arbeit als
Diözesanassistent bzw. hauptberuflicher Erwachsenenbildner. Er tut dies im
Bewußtsein einer mit dieser Tätigkeit erreichten relativ
größeren Gestaltungsfreiheit (Motive “Meinen Arbeitsbereich
selber erfinden”, “Arbeitsbereich, vielfältiger,
fortschrittlicher”) gegenüber der früheren Tätigkeit
Kooperator (Oberthema “von ausfüllen / Rechenschaft zu erfinden /
Eigenverantwortlichkeit”).
110
(...) jetzt was die die Tätigkeit im
111
[Organisation 1] für mich besteht eben darin daß ich Zeit mir Zeit
112
nehme regelmäßig zu lesen oder zu studieren Zeitschriften oder
113
auch so oder . auch bestimmte Kurse zu besuchen oder Weiterbildung
114
und dann was ich kann oder was ich lerne oder was, lerne ich zum
115
Beispiel auch . gezielt eben für meine Position im [Organisation
116
1] weil ich ja oft . reden muß (...)
M53
deklariert diese aktive Auseinandersetzung und Weiterentwicklung allgemein
für seine Tätigkeit, es kann als sicher angenommen werden, daß
er damit auch seine erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände
weiterentwickelt, speziell den erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstand “
Religiöse
Bildung
”.
Die erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände “
Soziales”
und “
Ladiner”
werden hier nicht nur als Weiterentwicklungen, sondern als Ausweitungen auf
benachbarte Gebiete (siehe entsprechende Hypothese 15) gewertet.
M42:
aktive Weiterentwicklung, vorrangig werden
Drei
Jahre nach der Gründung eines eigenen Beratungsunternehmens setzt bei M42
eine zweite Ausbildungsphase ein (eine erste fand zirka fünf Jahre vor der
Gründung eines eigenen Beratungsunternehmens statt).
494
(...) und äh habe
495
dann äh in den letzten Jahren in den letzte fünf Jahre ganz stark
496
eine sugestopädische und NLP-Ausbildung gemacht und zwar nicht
497
eine therapeutische wie sie vielfach äh fälschlicherweise
498
eingesetzt wird die NLP Lehre sondern um effektiv in der
499
Kommunikationskompetenz sei es von der Philosophie her aber auch
500
dann von der Methodik her gutes Rüstzeug zu haben, äh habe mich
501
dann bei Birkenbihl Birkenbihl ist leider gestorben war ja
502
eigentlich der Vater The Trainer das Buch hat er gegeben den habe
503
ich persönlich für mich eine ganze Woche hergeholt und habe bei
504
ihm ein persönliches Coaching durchgemacht, und äh habe
505
gleichzeitig äh Moderations und Präsentations äh ausbildung
506
gemacht einen Lehrgang und bin heute ausgebildeter Trainer und
507
Moderator und Präsentations äh ja Lehrer wie man das so bezeichnen
508
könnte (...)
Der
erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand “
Selbst-
und Sozialkompetenz
”
wird in dieser Phase für M42 vorrangig, denn er konzentriert sich in der
Weiterbildung auf diesen Gegenstand. Die in der Ausbildungsphase (siehe
Beschreibung des Auftauchens und des Ursprungs des erwachsenenbildnerischen
Lern- und Lehrgegenstandes) und der ersten Weiterbildungsphase (siehe Hypothese
3 “Qualitätsverbesserung des Lerngegenstandes”) gleichzeitig
vorgekommenen fachlichen Inhalte kommen nun nicht mehr als Ausbildungsinhalte
vor.
HYPOTHESE
14: Entstehen einer professionellen Einstellung
Die
Entwicklung des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes als
Lehrgegenstand, so wird hier postuliert, geht hin zur Entwicklung einer
professionellen Einstellung.
ERGEBNIS:
Implizit
wurde bei dieser Hypothese von einer klaren Trennung von nichtprofessionellem
Lerngegenstand und professionell gehandhabtem Lehrgegenstand ausgegangen, wobei
auch noch die Vorstellung eines erstmaligen Professionellwerdens mit dabei war.
Ein erstmaliger Einstieg in das Arbeitsleben ist allerdings bei keinem der vier
untersuchten ErwachsenenbildnerInnen mit der Lehre in der Erwachsenenbildung
festzustellen, kurz- oder langfristige berufliche / arbeitsmäßige
Vorerfahrungen sind bei allen gegeben. Die Entwicklung des
erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes hin zu mehr Professionalität
läßt sich nur bei einer Erwachsenenbildnerin (W39:
“Keramik”) feststellen, und zwar als ein Vordergründigwerden
des finanziellen Aspektes vor einem ästhetischen Aspekt, der vor dem
Eintritt in die Lehre in der Erwachsenenbildung wichtiger war. Bei den
übrigen drei untersuchten ErwachsenenbildnerInnen erscheint
Professionalität aus den vorhergehenden Tätigkeiten in die Lehre in
der Erwachsenenbildung übernommen und somit von Beginn der Tätigkeit
an gegeben: Lehre in der Schule, Betriebsberatung und Kooperatortätigkeit
sind die Quellen. Eine Erwachsenenbildnerin (W54) deklariert ihre
erwachsenenbildnerische Lehrtätigkeit manchmal als “Hobby”, de
facto agiert sie aber alles andere als hobbymäßig. Wenigstens bei
zwei dieser drei ErwachsenenbildnerInnen läßt sich aber eine
Entwicklung beobachten, die diese von der Sorge um die Professionalität
beim Berufseinstieg getragene Hypothese nicht ohne weiteres erfaßt. So
entstehen bei M53 aus den Erfahrungen der Bildungsbenachteiligung und des
Diskriminiertseins als Ladiner die erwachsenenbildnerischen
Lehrgegenstände “Soziales” und “Ladiner”, und bei
M42 kommt es zur Umsetzung des “Vaterseins” in der Lehre in der
Schule. Auf der Basis der vorhandenen Professionalität werden biographisch
wichtige Themen und Motive umgesetzt. Quasi als Nebenwirkung dieser sozusagen
post-professionellen Umsetzung persönlicher Motive bzw. der Konzentration
auf individuell befriedigende Arbeit ist ein gesellschaftliches Engagement
festzustellen. Eine weitere mit der Professionalität in der Lehre in der
Erwachsenenbildung zusammenhängende Entwicklung ist bei zwei
ErwachsenenbildnerInnen als eine Auslagerung der Umsetzung persönlicher
Motive aus der beruflichen Sphäre festzustellen – wobei hier ein
Parallele zu der bei W54 festgestellten Auslagerung von persönlichen
Motiven aus dem Hauptberuf Lehrerin in der Schule in den Nebenberuf Lehre in
der Erwachsenenbildung gesehen werden kann: W39 hat vor, das für sie
weiterhin bedeutende Motiv Ästhetik außerhalb und parallel der Lehre
in der Erwachsenenbildung weiterzuverfolgen, M42 beginnt eine
Lehrtätigkeit in der Schule, bei der er die Rolle des
“Vaterseins” besonders gut einbringen kann. Lehre in der
Erwachsenenbildung erweist sich, wenn sie wesentliche biographische Themen und
Motive offenläßt, als “Transitphase” für die
Umsetzung von solchen persönlichen Motiven, die der eigentliche Motor der
Entwicklung sind.
W39:
Angebot und Nachfrage werden wichtig, Professionalisierung
Welche
die Einstellung von W39 dem Lern- und Lehrgegenstand gegenüber war, als
dieser noch nicht Lehrgegenstand war und von W39 als nicht-professionelle
Tätigkeit praktiziert wurde, darüber ist nichts bekannt, die
Darstellungen über Ästhetik beziehen sich nicht auf ihn. Sicher kann
aber gesagt werden, daß W39 zum Interviewzeitpunkt eine professionelle
Einstellung gegenüber dem Lern- und Lehrgegenstand hat, Angebot und
Nachfrage werden relevant. W39 ist augenscheinlich an der Nachfrage an ihren
Kursen interessiert und kommt dieser entgegen, indem sie nun auch Kurse
für Kinder anbietet, offensichtlich vordergründig aus
ökonomischen Interessen, denn dem Umgang des neuen Klientels mit dem
Gegenstand “Keramik” bringt sie nicht von vornherein Interesse
entgegen (Thema “pragmatisches Geldverdienen statt Individualismus”).
266
.. und danach wollen
267
sie dann immer wieder einen Kurs, aber leider immer erst das Jahr
268
darauf, weil sie dann Fremdenverkehr haben und Äpfel .. momentan
269
habe ich einen Kinderkurs, weil man nicht weiß was mit den Kindern
270
tun im Sommer, die haben auch gemeint, sie hätten jetzt am
271
Vormittag auch noch gerne einmal Kurs, weil sie täten sich sonst
272
nur langweilen . dann schwätzen sie teuflisch durcheinander . was
273
ich mit den Kindern mache, weiß ich noch nicht, weil die
274
Erwachsenen . ahm haben schon fixere Ideen, und den Kindern den
275
muß man doch irgendwie noch, irgendwo . hinlenken . aber sie
276
können das eigentlich auch ganz gut .. wenn es sie freut geht in
277
Ordnung
In
auf die Zukunft gerichteten Aussagen über “mehr Geld” (vgl.
183-184) und “mehr Kurse” (vgl. 280-281)
zeigt
sich das offensichtlich in den Vordergrund gerückte ökonomische
Interesse, und es zeigt sich auch in ihrer biographischen Reflexion.
537
da ist jetzt, äh sagen wir, economia und finanza stu zu
538
studieren, seit man wieder in Südtirol da ist wird dieses Argument
539
dann . ah . sagen wir, einschneidend wie man das angreift, was man
540
jetzt durchstudiert, aber dabei hat man ja diese ganzen Sachen
541
dahinter schon gelernt und nutzt das einmal aus
542
I: Mhm
543
W39: Jetzt kommt der der, sagen wir der Beweis, der affronto, wie
544
sagt man da? . wie man die Fäden zusammenziehen kann
Die
weiter unten behandelte Ausweitung auf den Bereich Kunst legt darüber
hinaus eine gewisse beabsichtigte Aufspaltung der Interessen nahe: Die
“Kurse” werden mehr dem ökonomischen Interesse
überlassen, während Kunst sicher eine Fortführung des
ästhetischen Moments bedeutet – wenn auch dabei der ökonomische
Ertrag schon eingeplant ist.
W54:
professionelle Einstellung schon vorhanden
Die
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände “
Sprachlicher
Bereich
”
und “
Pädagogischer
Bereich
”
wurden von W54 nie außerhalb eines professionellen Settings praktiziert
und bauen schon auf der Beruflichkeit des Hauptberufes Lehrerin auf. Eine
professionelle Einstellung ist also von Beginn an vorhanden - die Aussagen von
W54 über die Tätigkeit in der Erwachsenenbildung als einer
Tätigkeit in einem Hobbybereich werden dem Thema “Volleinstieg in
Erwachsenenbildung und Selbstbeschränkung” zugeordnet bzw. dem Motiv
“Selbstbeschränkung in Leistungsbenennung und Leistungsangebot”.
399
(...) es waren hauptsächlich zwei Linien, eines ist der
400
Erziehungsbereich . so dieses ähh ja, Familienarbeit ..
401
Erziehungsthemen, das ja in meinem Hobbyausbildungsbereich war,
402
und eines waren dann diese rhetorisch-kommunikativen Schulungen äh
403
die mir aber auch sehr viel Spaß gemacht haben ich hab’
404
grundsätzlich eigentlich nie einen Kurs übernommen, der nicht in
405
meinen . Gegebenheiten äh ich möchte fast sagen ähh der nicht in
406
diesen . Hobbybereich hineingefallen ist (...)
Für
diese Tendenz zur Selbstbeschränkung , die bei W54 schon bezüglich
ihrer sich nichterfüllten Berufsvorstellungen im Schulbereich postuliert
wurden, spricht auch ein Spezifikum von W54’s berufsbezogenen
Einstellungen, das sich auf ihre Strategie der Auftragsgewinnung bezieht.
388
(...) ich hab’ mich aber nie, äh und das gilt
389
auch bis heutehin, nie um irgendeine äh Seminartätigkeit oder
390
Referententätigkeit beworben, nie, äh alles was ich äh im Laufe
391
der Zeit in diesem Bereich aufgegriffen oder oder gemacht hab’ ist
392
immer, da sind die Anträge immer von auswärts an mich gekommen,
393
ich bin immer am Stuhl sitzen geblieben und hab nicht gewartet
394
sondern hab’s einfach auf mich zukommen lassen äh . es ist mehr so
395
äh über Mundzumundpropaganda ge äh gegangen, aber
außerhalb von
396
mir, ich selbst hab’ äh nichts dazugetan ich hab’ nie irgendwo
397
einen Antrag oder ein Ansuchen oder mich angeboten, und so ist das
398
eigentlich von einer Organisation über die nächste gegangen (...)
W54
hat augenscheinlich Erfolg mit dieser eher unprofessionell anmutenden
Strategie, und ist sich der Qualität ihrer erwachsenenbildnerischen Arbeit
also sehrwohl bewußt. Weitere Spezifika ihrer Professionalität als
Erwachsenenbildnerin zeigen sich im Umgang mit Angeboten von
Erwachsenenbildungsorganisationen (vgl. 436-438), die mit einer
Nichtbevorzugung behandelt werden, die an die von ihr beschriebenen
Gerechtigkeit ihrer Eltern den Geschwistern gegenüber erinnert (vgl.
104-105) (Motiv “Bevorzugung gewünschte, von Eltern vermiedene, mit
Leistung erreichte”) und natürlich auch in der hohen
Intensität, mit der sie die nebenberufliche
Erwachsenenbildungstätigkeit betreibt (vgl. 558-587), kodiert mit den
Themen “voll eingestiegen, voll im Einsatz” und “das geht ja
nur ein paar Monate (Belastungsbewältigung)”. Es ist die gleiche
Intensität, mit der sie vorher ihre berufliche Expansion betrieb; Thema
“X abgeschlossen und gleich Y, noch nebenbei”.
M53:
professionelle Einstellung schon vorhanden, persönliche Interessen kommen
dazu
Die
erwachsenenbildnerische Tätigkeit und Lehrtätigkeit von M53 hat sich
nicht aus einem nichtprofessionellen Kontext herausentwickelt, sie steht von
Beginn an im Zeichen der Professionalität (Priesterberuf). Darüber
hinaus bzw. auf der Basis dieser Professionalität könnte man bei M53
von einer beginnenden Umsetzung von eher persönlichen Interessen mit den
erwachsenenbildnerischen Lerngegenständen “Soziales” und
“Ladiner” innerhalb der Erwachsenenbildung sprechen.
M42:
professionelle implizit, berufliche Erwachsenenbildung
Der
erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand “
Selbst-
und Sozialkompetenz
”
wurde von M42 nie in einem nicht-professionellen Setting gelehrt. Da es sich
bei M42 um betriebliche Erwachsenenbildung eines Betriebsberaters handelt ist
dabei eine nicht-professionelle Realisierung dieses erwachsenenbildnerischen
Lern- und Lehrgegenstandes als Lehrgegenstand kaum denkbar.
HYPOTHESE
15: Ausweitung auf benachbarte Gebiete
Die
Entwicklung des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes setzt sich
über die in den vorhergehenden Hypothesen postulierte
Qualitätsverbesserung und die entstehende professionelle Einstellung
hinaus in einer hier postulierten Ausweitung auf benachbarte Gebiete fort.
ERGEBNIS:
Schon
bei den beiden vorhergehenden Hypothesen wurden an Stelle der
Qualitätsverbesserung und über das Entstehen einer professionellen
Einstellung hinaus eine Weiterentwicklung und Ausweitung auf benachbarte
Gebiete bzw. ein Wiederverlassen des erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes
bei ungenügender Abdeckung von wichtigen biographischen Themen und Motiven
festgestellt. Bei allen vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen
läßt sich eine Ausweitung auf benachbarte Gebiete feststellen, bei
zwei innerhalb der Lehre in der Erwachsenenbildung und bei zwei (auch)
außerhalb der Lehre in der Erwachsenenbildung. Bei W54 kommt es zu der
von BRUGGER beschriebenen “zweiten Wahl” Erwachsenenbildung, da ihr
ein Aufstieg im Schulbereich verwehrt war, wobei die Gründe dafür
auch biographisch verankert bei W54 selbst liegen. Sie bildet sich weiter und
baut den erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand “Sprachlicher
Bereich” um den konkreten Lehrgegenstand Kommunikation und Rhetorik aus
und nimmt den Lehrgegenstand “Pädagogischer Bereich” dazu. M53
erweitert seine erwachsenenbildnerische Lehrtätigkeit um die
Lehrgegenstände “Soziales” und “Ladiner”, wobei
die Begründung dafür auch biographisch gut nachvollziehbar ist. W39
verlagert die Umsetzung eines für sie wichtigen Themas in den
außer-erwachsenenbildnerischen Bereich Kunst, da der durch sie selbst
professionalisierte Erwachsenenbildungsbereich dieses Thema nicht mehr
abzudecken vermag. W42 unternimmt einen für ihn unbefriedigenden Abstecher
in den Bereich der öffentlich zugänglichen beruflichen
Erwachsenenbildung mit dem neuen Lehrgegenstand “Bildungs- und
Kulturmanagement”, läßt diesen erwachsenenbildnerischen
Lehrgegenstand aber wieder auf und findet eine Möglichkeit, für ihn
biographisch wichtige Themen und Motive umzusetzen, indem er eine
Lehrtätigkeit in der Schule beginnt. Bei allen vier untersuchten
ErwachsenenbildnerInnen hat die Ausweitung auf benachbarte Gebiete also auch
eine biographisch wichtige Funktion. Interessant ist auch die Frage, ob denn
diese Ausweitungen der erwachsenenbildnerischen Lehrtätigkeit vor allem
vom schon gelehrten erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand ursprünglich
ausgehen. Dies trifft nur bei W39 wirklich zu, denn aus allem, was aus dem
lebensgeschichtlichen Gespräch geschlossen werden kann, ist sie
hauptberuflich lehrende Erwachsenenbildnerin. Bei den anderen drei untersuchten
ErwachsenenbildnerInnen ist der Hauptberuf, der nicht die Lehre in der
Erwachsenenbildung ist (Lehre in der Schule, organisierende Erwachsenenbildung,
Betriebsberatung), ein oft wichtigerer Faktor in der Ausweitung. Nicht
bewahrheitet hat sich weiters eine unausgesprochen Annahme zu dieser Hypothese,
daß nämlich die Schule eine Ausweitung auf benachbarte Gebiete nicht
erlaube: Prinzipiell hätte das Aufstiegsziel von W54 im Verwaltungsbereich
gelegen, Schule bietet also mehr Erstrebenswertes als die Lehrtätigkeit,
und bei M42 bietet die Schule die Befriedigung bestimmter Themen und Motive
besser als die Lehre in der Erwachsenenbildung.
W39:
Ausweitung auf Kunst
Die
bei den vorhergehenden Hypothesen schon präsentierten Textstellen zeigen
bei W39 eine Ausweitung des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes
zum einen quantitativ (vgl. 280-281) und in Richtung auf das neue Klientel
Kinder (vgl. 268-272), und zum anderen über den Gegenstand hinaus in den
Bereich “Kunst”, als “persönliche Ausstellung”.
Letztere stellt ein Zukunftsprojekt dar und ist als eine Abspaltung des
Leitmotivs “Ästhetik” vom inzwischen auch durch die Hinzunahme
des neuen Klientels professionalisierten Bereiches Erwachsenenbildung zu werten.
181
.. und dann
182
weitergehen wird das, daß ich irgendwo werde dann eine Ausstellung
183
machen . persönliche .
W54:
Ausweitung biographisch bedeutend: Zweite Wahl
Ungefähr
im 33. Lebensjahr ergibt sich für W54 eine über eine
Qualitätsverbesserung von konkreten Gegenständen (Deutsch)
hinausreichende Ausweitung ihrer erwachsenenbildnerischen Tätigkeit (siehe
Hypothese 13 “weitere Qualitätssteigerung”). Diese Ausweitung
ist ausgehend von der Ebene der konkreten Gegenstände eine Ausweitung auf
benachbarte Gebiete, und ergibt als Summe der konkreten Gegenstände die
von W54 so benannten Bereiche der erwachsenenbildnerischen Tätigkeit
“Sprachlicher Bereich” und “Pädagogischer
Bereich”. Diese Benennungen wurden in dieser Arbeit als Bezeichnungen
für die erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände
übernommen. Die biographische Bedeutung der Ausweitung der konkreten
Gegenstände liegt in der Ersatzfunktion, die die Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung nun für W54 erlangt, hat sich doch der angestrebte
Berufsweg für W54 nicht erfüllt (Motiv “wo man dies hätte
nutzen können [weiterer Aufstieg - bis heute unrealisierter]”).
513
(...) (verändert Tonfall) es ist so diese
514
auch dieses äh Weitermachen oder dieser volle Einstieg in die
515
Erwachsenenbildung in die Weiterbildung ist ja auch wieder nicht
516
so geplant gewesen, ich bin da auch wieder aus ein bißchen einem
517
Protestverhalten hineingerutscht, es hätte mich schon gefreut
518
wirklich im Schulbereich in irgendeiner Institution äh äh
519
mitzuwirken (...)
Der
von W54 angestrebte Aufstieg wird hier, wie schon in der Bearbeitung der
Hypothese 9 “Persönlichkeitsbedingte (Autoritätsprobleme)
Entscheidung für die Lehre in der Erwachsenenbildung” beschrieben,
als Fortsetzung des erfolgreich beendeten Konkurrenzkampfes mit ihrer
älteren Schwester gewertet, bei dem die Schiedsrichterfunktion von
männlichen Dritten eine wichtige Rolle spielt. Um nun nicht in potentiell
konflikthafte Situationen mit diesen Mentor-Figuren zu geraten, beschränkt
sich W54 in ihrem Berufsweg selbst. Elisabeth BRUGGERs Studie über das
Berufsbild von hauptberuflichen ErwachsenenbildnerInnen in Österreich
kommt zu einem Ergebnis, dem W54 mit ihrem verstärkten Einstieg in die
nebenberufliche Erwachsenenbildung entspricht.
“Erwachsenenbildung
als Beruf ist das Ergebnis der ‚Zweiten Wahl‘, weil eine
Tätigkeit im eigentlich angestrebten Bereich aus verschieden Gründen
nicht möglich war / ist oder weil es keine ‚Erste Wahl‘
gegeben hat.” (BRUGGER 1991b, 96)
Die
Ausweitung der erwachsenenbildnerischen Tätigkeit geschieht als
verstärktes Aufgreifen von Angeboten von
Erwachsenenbildungsorganisationen, auch von Angeboten, die ein wenig
außerhalb der bisherigen Gegenstände liegen.
378
(...) und dann äh sind eben die ersten Anträge
379
gekommen, ob ich nicht äh das eine oder das andere an
380
Kursangeboten aufgreifen möchte, ich hab’ mir das
381
selbstverständlich nicht zugetraut und wollte da auch zuerst auf
382
nummersicher gehen und hab wieder im Alleingang äh verschiedene
383
Kurse besucht im Inland, im Ausland, aber immer so im Alleingang (...)
Zur
eigenen Weiterbildung, vor allem im erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstand “Sprachlicher Bereich”, kommt es wegen der mit der
Entscheidung zum verstärkten Einstieg in die
Erwachsenenbildungstätigkeit gestiegenen Wichtigkeit dieses Bereiches
für W54 (siehe Bearbeitung der Hypothese 12 “Der
erwachsenenbildnerische Lehrgegenstand hat bei der Entscheidung eine wichtigere
Biographische Funktion als andere Gegenstände”).
M53:
Ausweitung biographisch bedeutend: mehr Autonomie
Die
Entwicklung des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes “
Religiöse
Bildung
”
wurde als Qualitätssteigerung klassifiziert und oben bei der
entsprechenden Hypothese 13 beschrieben.
Für
die erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände “
Soziales”
und “
Ladiner”
lassen sich Ursprünge interpretieren, die in Benachteiligungssituationen
in der Kindheit bestehen (“Beschreibung 1 des Auftauchens und des
Ursprungs des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes”).
Diese beiden erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstände scheinen
als Lerngegenstände im Interview direkt nie auf – auch nicht als
Lehrgegenstände! Die Benennung dieser Gegenstände richtet sich
hauptsächlich nach textexternen Interpretationsquellen
(Veranstaltungsprogramme der Erwachsenenbildung). Relevant werden diese
Gegenstände erst, sobald M53 Diözesanassistent ist, sie tauchen dann
auch im Interview auf, allerdings nicht in der Lehre, sondern bei anderen
Tätigkeitsbereichen innerhalb der Erwachsenenbildung. Daß sie von
M53 nicht auch in Zusammenhang mit der Lehre als Erwachsenenbildner benannt
werden, dürfte mit der geringen Relevanz der Lehre in der
Erwachsenenbildung, bzw. der größeren Wichtigkeit der
Organisationstätigkeit für M53 begründet sein (siehe Hypothese
11 “Kompetenzbewußtsein”). Der erwachsenenbildnerische Lern-
und Lehrgegenstand “
Soziales”
hat im Interview das Pendant “Christliche Soziallehre”, über
die M53 im Rahmen seiner Tätigkeit als Diözesanassistent spricht und
die im Priesterseminar für ihn Lerngegenstand gewesen sein dürfte.
Der erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand “
Ladiner”
hat im Interview das Pendant “ladinische Sendungen für die
RAI” (vgl. 127.128). Im weitesten Sinne Lerngegenstand dürfte
“Ladiner” erstmals im Soziologiestudium vom M53 gewesen sein.
Daß die beiden Gegenstände “Soziales” und
“Ladiner” erst in der Lebensphase Diözesanassistent für
M53 relevant werden erklärt sich aus dem Wunsch von M53 nach Aufstieg und
nach mehr Gestaltungsfreiheit in seiner Tätigkeit (Motive “Meinen
Arbeitsbereich selber erfinden”, “Arbeitsbereich,
vielfältiger, fortschrittlicher”, Oberthema “von
ausfüllen / Rechenschaft zu erfinden / Eigenverantwortlichkeit”).
Diese Gestaltungsfreiheit, verbunden mit einer größeren Distanz zu
Autoritäten, erreicht M53 als Diözesanassistent, er kann die
Gegenstände “Soziales” und “Ladiner”
(verstärkt?) aufgreifen, und so werden sie auch zu
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenständen. Vor allem das
Aufgreifen des biographisch motivierten Gegenstandes “Ladiner” kann
hier als Konkretisierung der neuen Autonomie von M53 gewertet werden. Obwohl
diese beiden Lehrgegenstände also möglicherweise gleichzeitig mit dem
Lehrgegenstand “Religiöse Bildung” auftauchen, werden sie hier
als Ausweitung auf benachbarte Gebiete bewertet. Wie bei Hypothese 13
“Qualitätsverbesserung” beschrieben, ist die Weiterbildung ein
fixer Bestandteil von M53‘s Tätigkeit als Erwachsenenbildner, und im
Zuge dieses formellen und informellen Lernens dürften
“Soziales” und “Ladiner” erst zu eigentlichen
Lerngegenständen geworden sein (vgl. 110-116).
M42:
kurze Ausweitung auf “Bildungs- und Kulturmanagement”; Verlagerung
auf Lehre in Schule
Eine
Ausweitung des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes
“Selbst- und Sozialmanagement” findet statt, indem M42 einen
Lehrgang für Bildungs- und Kulturmanagement leitet. Dieser
erwachsenenbildnerische Lehrgegenstand “
Bildungs-
und Kulturmanagement
”
hat dabei einen Stellenwert, wie ihn das Wirtschaftlich-“Fachliche”
in Bezug auf den Lehrgegenstand “Selbst- und Sozialkompetenz”
darstellt.
561
M42: Bin ich dann angesprochen worden ob ich nicht sozusagen im
562
allgemeinen Erwachsenenbil im Erwachsenenbildungsbereich
563
einsteigen möchte und äh dann habe ich gesagt ja grundsätzlich
564
möchte ich das nicht aber ich könnte so Ausbrecher schon machen
565
habe dann zum Beispiel einen Bildungs und Kulturmanagementlehrgang
566
geleitet der äh auf der einen Seite zwar sehr viel Fachliches
567
hinübergebracht hat aber auf der anderen Seite eben auch sehr
568
vieles Sozial und Selbstkompetenz äh mitgegeben hat und äh das
569
waren die ersten Schritte im puren Erwachsenenbildungs umfeld (...)
Der
Grund für diese Ausweitung ist nicht klar ersichtlich, inhaltlich scheint
der Lehrgegenstand “Bildungs- und Kulturmanagement” M42 wenig
interessiert zu haben. Möglicherweise handelt es sich dabei um Schritte in
einer Strategie der Ausweitung seiner Dienstleistung Betriebsberatung und
Ausbildung vor allem auf den öffentlichen Sektor. Der Lehrgang für
Bildungs- und Kulturmanagement ist die einzige Ausweitung der
Erwachsenenbildungstätigkeit, vom Hauptberuf Betriebsberater aus finden
aber auch Ausweitungen in die Konzepterstellung im Berufsschulbereich (vgl.
570-589) und in den Altenforschungsbereich (vgl. 867-890) statt, beide also bei
öffentlichen Organisationen und nicht bei Wirtschaftsunternehmen (Motiv:
“Unternehmer, Lehrer, Erwachsenenbildner, Projektersteller,
Altenforschungsinstitutinhaber”). Es sind aber nicht diese Ausweitungen,
die über das Geschäftliche hinaus für M42 wichtig zu sein
scheinen, ihn persönlich interessiert am meisten die Schule:
830
(...) ich habe jetzt eigentlich bei einigen
831
Pilotprojekten in der Schule schon mitgetan, zum Beispiel die
832
Lehranstalt für kaufmännische Berufe in [Dorf 3] oben wo mir der
833
Direktor eben angeboten hat daß ich äh ob ich äh für sie
einmal
834
einige Samstage das ist jetzt schon seit drei Jahren daß ich
835
samstags mit den Schülern zusammenbin, wo ich versuche eben über
836
Didaktik ähh ein bißchen Rhetorik Kommunikation äh den Leuten in
837
einer anderen Art und Weise einmal ein bißchen versuche gewissen
838
Phänomene, die das Leben so bringt aufzuzeigen, aber dann eben
839
auch ins Fachliche hineinzugehen Kostenrechnung zu lernen
840
Bilanzanalyse zu lernen Präsentationstechniken zu lernen und ihnen
841
einfach einmal das Lernen ein bißchen auf einer anderen Ebene zu
842
bringen, und äh das hat eigentlich ganz guten Anklang gefunden und
843
äh (leicht schmunzelnd) letztes Jahr sind wir sogar so weit
844
gekommen daß einige Lehrer sich bereiterklärt haben mit mir am
845
zusammenzusitzen (...)
M42,
für den die eigene Oberschulzeit eine sehr wichtige und interessante war,
kehrt nun als Lehrender in die Oberschule zurück. Für die Lehre in
der Schule lassen sich auch Vorbilder in der Person des Oberschuldirektors
entdecken, oder dann später in den geschätzten
Universitätsprofessoren (Motiv “Sympathie, Ehrfurcht für
[manche] Autoritäten”) und hier in der Oberschule scheint M42
für ihn Wichtiges besser unterzubringen, etwa das Thema “gehört
werden wollen”, ein spätes Pendant des Themas
“Führungsposition: Hegemonie” bzw. “Gunst gewinnen, des
Vaters als Jüngster”, oder das Thema “Vatersein
(=Leadersein)”, einer Fortsetzung des Themas “Vater, Direktor,
Professor, Birkenbihl”. M42 zieht insofern die Lehre in der Schule der
Lehre in der Erwachsenenbildung vor.
HYPOTHESE
16: BRUGGER: ErwachsenenbildnerInnen gehen ungern in Pension
Elisabeth
BRUGGER kommt in ihrer Studie über den beruflichen Weg in die
Erwachsenenbildung von hauptberuflichen ErwachsenenbildnerInnen u.a. zum
Ergebnis:
“Generell
heißt das: weitere Aktivitäten und unter gar keinen Umständen
ein ‚Rentendasein‘ führen.” (BRUGGER 1991b, 89)
Diese
Ergebnis BRUGGERs wird hier als Hypothese postuliert.
W39,
M53, M42: Pension nicht relevant
Bei
W39 und M53 existieren keine Aussagen zu dieser Hypothese, dahingehende
Rückschlüsse bieten sich keine an. M42 äußert sich zwar
über die Gestaltung der Pension im allgemeinen (Thema “Alte”,
vgl. 867-890, 957-975) hinsichtlich seiner eigenen Tätigkeit als
Erwachsenenbildner und seiner Pensionierung macht er aber keine Aussagen.
W54:
Erwachsenenbildung statt Pension
Elisabeth
BRUGGERs Ergebnis, das bei hauptberuflichen ErwachsenenbildnerInnen gewonnen
wurde, wird bei W54, einer Nebenberufs-Erwachsenenbildnerin, bestätigt.
616
(...) aber ich glaub es tät’ mir doch ein bißchen abgehen
617
jetzt, zumindest kann ich es nicht abrupt lassen ich werde es halt
618
wahrscheinlich so einen sanften Ausstieg, beziehungsweise, es
619
hängt jetzt auch damit zusammen, ich hab mit im Jahr zweitausend
620
dann meine vierzigjährige Unterrichtstätigkeit
621
I: Haben Sie mir schon gesagt ja
622
W54: Und gedenke, wenn jetzt das mit dem Übertritt zum Land oder,
623
ja es ist ein schönes Datum daß ich vielleicht von der
624
Unterrichtstätigkeit aussteige wobei ich da noch’s vielleicht, ich
625
hab’ es zwar schon geplant und auch schon offen ausgesprochen, daß
626
ich dann vielleicht nur mehr den . den Weiterbildungsbereich, aber
627
da steht sehr vieles offen, was ich fallen lasse, etwas äh sicher
628
daß ich doch ein bißchen ein gemächlicheres (leichtes Lachen)
629
Tempo einnehme dann
Damit
würde W54 dann doch noch zur quasi hauptberuflichen Erwachsenenbildnerin
werden.
UNTERPUNKT:
Lehrstil, Didaktik
Hier
soll nun wieder der Aspekt des Lehrens ins Zentrum der Aufmerksamkeit gelenkt
werden, und zwar hinsichtlich des Lehrstils und der Didaktik, mit denen der
Erwachsenenbildner den erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand vermittelt.
ERGEBNIS
Ein
Transfer des Lernstils beim erwachsenenbildnerischen Lerngegenstand vor dem
Einstieg in die Erwachsenenbildung zum erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstand
ist nur bei einer Erwachsenenbildnerin (W39) der Fall. Geeigneter für die
Herstellung eines Zusammenhanges von Lernstil und Lehrstil erweist sich statt
dem Bezug auf den erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand der Bezug
zur biographischen Wichtigkeit des Lernstils: Im erwachsenenbildnerischen
Lehrstil läßt sich der biographisch wichtigste Lernstil als
erwachsenenbildnerischer Lehrstil umgesetzt wiedererkennen, unabhängig
davon, ob dieser wichtigste Lernstil der auf den erwachsenenbildnerischen
Lerngegenstand bezogene ist oder nicht. Nur bei zwei von vier untersuchten
ErwachsenenbildnerInnen war der eigene Lehrstil im lebensgeschichtlichen
Gespräch relevant (W39, M42). Daß diese Relevanz auch mit einem
(ganz allgemein gesprochen) zeitgeschichtlich-kulturellen Hintergrund
zusammenhängt, legen das Geprägtsein von W39 durch “1968”
und von M42 durch “Selbst- und Sozialmanagement”-Konzepte nahe.
Eine Nichtkorrespondenz von Lernstil und erwachsenenbildnerischem Lehrstil
zeichnet sich beim Leistungsaspekt ab: Ein Lernstil (W54, M42), der unter
anderem durch hohe Lern-Leistung und Leistungsbewußtsein charakterisiert
ist, bedingt nicht einen leistungsbetonten Lehrstil.
HYPOTHESE
17: positiv erfahrene Didaktik wird eigener Lehrstil
Der
Lernstil, mit dem der erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstand gelernt
wurde, wird nun durch den eigenen Lehrstil umgesetzt. Der erfahrene Lehrstil,
der als positiver wahrgenommen wurde, wird also zum eigenen Lehrstil. Mit
dieser Behauptung soll das Verhältnis vom Lernstil des
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes als Lerngegenstand zum
Lehrstil des entsprechenden Lehrgegenstandes festgestellt werden. Eventuell
wird so besser klar, wodurch der Lehrstil beeinflußt ist.
ERGEBNIS:
Die
Bearbeitung der Hypothese 4 “Positiver Lernstil ist
biographieabhängig” ergab ein biographieabhängiges aber
hinsichtlich seiner positiven oder negativen Bewertung nicht differenzierbares
Ergebnis. Hier kann also nur untersucht werden, wieweit der eigenen Lernstil
und der Lehrstil des damaligen Lehrers, in den er eingebettet ist, im eigenen
Lehrstil als ErwachsenenbildnerIn wiederzufinden ist. Bei zwei (W54, M53) der
vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen fehlen allerdings Schilderungen zum
eigenen Lehrstil. Bei M53 läßt sich das Fehlen von
Äußerungen im lebensgeschichtlichen Interview über den eigenen
Lehrstil (und die Lehre in der Erwachsenenbildung überhaupt) mit der
relativ geringen Relevanz erklären, die die Lehre für ihn im
Gesamtzusammenhang seiner erwachsenenbildnerischen Tätigkeit hat.
(Äußerungen über den Stil der Zusammenarbeit in Organisation1
deuten auf einen partizipativen Stil hin). Die Schilderungen der beiden anderen
ErwachsenenbildnerInnen ergeben (nur) bei W39 eine gute Übereinstimmung
mit der Hypothese und bei M42 ausführliche Meinungen aber weniger
Darstellung des tatsächlichen Lehrstils. Eine mögliche Erklärung
für das Vorhandensein von Äußerungen über den eigenen
Lehrstil mag auch aus Zeittypischem erklärbar sein: Das was W39 für
sich mit dem Begriff “1968” zusammenfaßt paßt gut zum
laissez faire-Lehrstil, in dem sie den erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstand lernt und auch lehrt, und das was M42 über seinen Lehrstil
aussagt paßt gut zu aktuellen partizipativen Managementmethoden in der
Wirtschaft. Neben W39 läßt sich aber kein direktes Umsetzen des
eigenen auf den erwachsenenbildnerischen Lerngegenstand bezogenen Lernstils in
den eigenen erwachsenenbildnerischen Lehrstil erkennen, womit die dieser
Hypothese implizite Annahme einer Verkettung von Lerngegenstand und Lernstil
mit dem Lehrgegenstand und Lehrstil nicht aufrechterhalten werden kann. Eine
gültigere Aussage über diese Relationen könnte sein, daß
der Lehrstil des erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstandes sehrwohl die
Umsetzung eines erfahrenen Lernstiles ist und zwar des persönlich
bedeutendsten Lernstiles – wobei dann natürlich die biographische
Wichtigkeit des Lehrstils mit gegeben ist. Bei W39 ist dieser bedeutendste
Lernstil der des erwachsenenbildnerischen Lerngegenstandes (mit dem zusammen
Lernen für W39 überhaupt erst relevant wird), bei M42 ist dieser
bedeutendste Lernstil jener in der Oberschule und auf der Universität (im
Zusammenhang mit Autoritäten), und es hat der eigene
erwachsenenbildnerische Lehrstil viel zu tun mit diesem für M42
bedeutendsten Lehrstil, während der Lernstil des erwachsenenbildnerischen
Lerngegenstandes sich davon unterscheidet. Eine zweite Aussage biete sich
hinsichtlich dem Aspekt der Leistungsorientierung beim Lernen an. Ein hohes
Leistungsvermögen und Leistungspensum wie es W54 und M42 beim Lernen
zeigen, ist von beiden als lehrende ErwachsenenbildnerInnen
höchstwahrscheinlich nicht von den Lernenden eingefordert – der
Erfolg als ErwachsenenbildnerIn von W39 und der beziehungsorientierte und
begleitende Lehrstil von M42 sprechen dagegen.
W39:
gibt Lernstil als Lehrstil weiter
Die
im Thema “Jeder kann tun was er will - didaktisches Konzept”
erfaßte Textstelle zeigt, daß W39 mit ihren Kursmitgliedern so
umgeht, nämlich in einem laissez faire-Stil, wie sie es vom von ihr
geschätzten Keramiklehrer erfahren hat, “jeder kann tun, was er
will” entspricht dabei der Aussage des Keramiklehrers, sie könne
“tun was sie will” (vgl. 197-199).
174
. wobei es den Leuten dann darum ankommt, daß sie ah .
175
Vertrauen bekommen müssen, daß sie die Sachen können praktisch .
176
denn am Anfang wissen sie nicht was tun, da mußt die ihnen nur ein
177
bißchen . ahh so, ja ja, geht schon, jetzt macht’s nur, jeder kann
178
tun, was er will, und dann fangen sie an, tac tac mit dem Ton .
179
und danach haben sie alle eine mords Freude . und präsentieren
180
sich schon eine halbe Stunde bevor der Kurs anfängt (lacht) und
181
beim Weggehen sind die auch nicht so schnell (lachend) ..
Diese
Textstelle zeigt W39 aber darüber hinaus auch als bei den Kursteilnehmern
Hemmungen Ab- und Selbstvertrauen Aufbauende, was auch in der folgenden
Textstelle zum Ausdruck kommt.
262
. ja das mit den Kursen .. das ist dann
263
etwas, wo die Leute einfach sich dann freuen . ihre Sachen
264
herauszutun, daß sie das können, das sie das gutmachen, daß man
265
das kontrollieren kann . das sie das überhaupt fertig bekommen,
266
was sie sich überhaupt nicht gedacht hätten .. und danach wollen
267
sie dann immer wieder einen Kurs
Dieses
Fördernde in ihrem Lehrstil kommt in den Beschreibungen, die ihre
Lernsituation zum Ausdruck bringen, nicht vor, außer man wollte die
Aussage über das
“Von-verschiedenen-Leuten-Verschiedenes-gelernt-Haben” (vgl.
125-128) in diese Richtung interpretieren – und dies auch noch mit dem
durch Legitimation beim Einstieg in die Erwachsenenbildung Aufgewerteten
zusammenbringen, wodurch ein neues Thema interpretiert werden könnte, zu
dem W39 mit ihrer Aussage über den fehlenden Rückhalt bei den Eltern
schon einen Hinweis gegeben hat
[26]...
Ein weiteres, hier nicht weiter verfolgtes Element des Lehrstils von W39 ist
ihr sparsamer Umgang mit Materialien (vgl. 305-322).
W54:
gibt Lernstil nur teilweise weiter
Was
den Lernstil von W54 betrifft, mit dem sie die erwachsenenbildnerischen Lern-
und Lehrgegenstände als Lerngegenstände gelernt hat, haben sich aus
den Aussagen von W54 einige Rückschlüsse bei der entsprechenden
Hypothese 4 ziehen lassen; bezüglich des Lehrstils ist dies nicht
möglich. Grundsätzlich kann aber festgestellt werden, daß der
von W54 bevorzugte, selbstgewollte und eigenständige Lernstil ein zur
Erwachsenenbildung passender ist, d.h. die Erwachsenenbildnerin W54
wahrscheinlich bei ihren Weiterbildungsschülerinnen auf ein solches Lernen
bauen kann, während aber anzunehmen ist, daß sie das Element des
sehr intensiven Lernens nicht als Erwartung an ihre
Weiterbildungsschülerinnen weitergibt. Ihr großer Erfolg als
Erwachsenenbildnerin wäre nämlich aus einem überfordernden
Lehrstil nicht zu erklären.
M53:
unbekannt (partizipativ?)
Zum
Lehrstil, den M53 in seiner Lehre als Erwachsenenbildner praktiziert, lassen
sich aus dem biographischen Interview keine Rückschlüsse ziehen.
Einzig vorhanden sind Aussagen von M53 über seine Zusammenarbeit mit den
Mitarbeitern in Organisation1.
637
(...) da ist die, die Art und Weise das Priesterleben zu
638
leben find ich beim [Organisation 1] ganz anders als in einer .
639
geschlossenen Pfarrei .. in einer Pfarrei bist du provoziert
640
Sakramente zu spenden und dergleichen beim [Organisation 1] bist
641
du auch provoziert dich den Menschen anzupassen in Demokratie in
642
den verschiedenen Gremien zu hören was die andern sagen und
643
nachdem das ein großer Laienverband ist auch die Aufgabe oder die
644
Verantwortung eines einzigen geistlichen Assistenten sehr relativ,
645
nicht? weil die die die die die Weichenstellung für die Zukunft
646
und so, ist ja nicht die Aufgabe eines Diktators sondern das ist
647
das Ergebnis aus äh demokratischen Prozessen der Aussprache des
648
Überlegens des Entscheidens wo ich einer unter vielen bin .. (...)
Wenn
man von diesen Aussagen über den Stil der Zusammenarbeit in Organisation1
auf einen Lehrstil schließen wollte, dann könnte man wohl einen
partizipativen Lehrstil annehmen. Da nur so wenig über den Lehrstil von
M53 eruierbar ist, kann hier auch nicht beurteilt werden, in welcher Relation
sein Lehrstil in der Lehre der Erwachsenenbildung mit den Lernstilen steht. An
Lernstilen wurde bezüglich dem Lerngegenstand “Religiöse
Bildung” ein eigenständiger Lernstil eruiert, dem aber ein
“Lernen-Müssen” nicht fernliegt und der in einer
persönlichkeitsbewertenden Umgebung stattfindet, bei den
Lerngegenständen “Soziales” und “Ladiner” wird
eigenständige und aktive formelle und informelle Weiterbildung angenommen.
M42:
früherer Lernstil als Lehrstil
Im
lebensgeschichtlichen Interview macht M42 eine Fülle von Aussagen, aus
denen sein Lehrstil erschlossen werden kann, allerdings erlaubt der
intentionale Charakter dieser Aussagen (biographische Kommentare,
Argumentationen) kaum, jenen Lehrstil zu eruieren, den M42 in der Praxis dann
wirklich umsetzt. Solche intentionalen Aussagen beziehen sich auf fast alle
Zielgruppen von M42, auf Manager, auf Berufsschüler, auf Oberschüler
und auf die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter (Motive “fachliche
Positionierung und Konzepte”, “Leute überzeugen,
verändern, bewegen”, “Eigensinn ausleben dürfen”,
“Unternehmer, Lehrer, Erwachsenenbildner, Projektersteller,
Altenforschungsinstitutsinhaber”). Am ehesten erlaubt noch folgende
Aussage Rückschlüsse über seinen Lehrstil als Erwachsenenbildner:
526
(...) das sind nicht Seminare im üblichen
527
Sinn sondern es sind äh Seminare die äh in Richtung äh ja fast
ein
528
Lehrgang sind, aufgebaut mit einem Einstiegsseminar damit wir die
529
selbe Sprache sprechen dann wird es in die eigene menschliche
530
Realität hinuntergebrochen da sind nicht mehr Leute dabei als
531
maximal zehn Leute mit äh der Möglichkeit des persönlichen
532
Coachings das heißt ich begleite die Leute dann persönlich, und
533
erst in einem zweiten Moment wird es hinuntergebrochen in die
534
betriebliche Realität (...)
Die
Kleinheit der Teilnehmergruppe, das Etablieren einer gemeinsamen Sprache, das
persönliche Coaching, diese Elemente kommen im auf den
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand als Lerngegenstand bezogenen
Lernen nicht vor. Dort geht es eher um ein selbständiges, auf den Erwerb
von Kompetenzen und Qualifikationen ausgerichtetes Lernen. Dieser begleitende
erwachsenenbildnerische Lehrstil hat mehr zu tun mit der
Autoritätsthematik von M42 (Thema “Autoritäten [Autonomie,
Sympathie, Ehrfurcht] und Leistung / Hinausgehen”, vgl. 355-361) und hat
damit mehr Ähnlichkeit mit Lernsituationen in der Oberschulzeit und
Universitätszeit.
[26]
Hier zeigt sich das prinzipiell Unabschließbare von Interpretation.
Deshalb soll hier einfach ein pragmatischer Schlußstrich gezogen werden.
© 1998 