Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.
UNTERTHEMA
2: ErwachsenenbildnerIn werden und Lehren
Die
Unterthemen-Gliederung teilt den Lebenslauf grob in drei Etappen ein. Das
Unterthema “ErwachsenenbildnerIn werden und Lehren” soll dabei als
zweite Etappe vor allem die Einstiegssituation in die Tätigkeit der
Erwachsenenbildung und Erwachsenenbildungs-Lehre beleuchten. Für die
Untersuchung der Einstiegssituation stellen besonders Elisabeth BRUGGERs
Ergebnisse aus ihrer Untersuchung über das Berufsbild der
ErwachsenenbildnerInnen in Österreich eine interessante Referenz dar,
wobei allerdings das von BRUGGER verfolgte Thema im Rahmen dieser Arbeit nur
einen Randaspekt darstellt. Genaugenommen kommt dieses Unterthema –
speziell seine ersten drei Hypothesen – ein wenig außerhalb des
Themas der lebensgeschichtlichen Einbettung der Lern- und Lehrgegenstände
zu liegen. Bei diesen Hypothesen fällt nämlich die Eingrenzung auf
den lehrenden Erwachsenenbildner bzw. die Tätigkeit des Lehrens in der
Erwachsenenbildung weg.
UNTERPUNKT:
Einstieg in die Erwachsenenbildung
ERGEBNIS
- Die
Untersuchung der Hypothese 5 “Einstieg wegen bedeutender biographischer
Erfahrung” bestätigt sich nur bedingt, indem nämlich der
Einstieg wegen einer akuten “Erfahrung” nur bei einer
Erwachsenenbildnerin zutrifft. Bei den übrigen drei
ErwachsenenbildnerInnen läßt sich eine biographische Bedeutung
(Funktion) des Einstiegs in die Erwachsenenbildung durchwegs nachweisen, wobei
zwei Erwachsenenbildner wichtige Themen und Motive realisieren. Bei drei der
vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen erfolgt der Einstieg direkt in die
Lehre.
- Die
Hypothese 6 “Entscheidung für die Erwachsenenbildung:
Erwachsenenbildung war ursprünglich keine Tätigkeits-Option”,
die sich an ein Forschungsergebnis von BRUGGER (1991b) anlehnt, bestätigt
sich ziemlich klar. Darüber hinaus ist die Möglichkeit des
Tätigseins in der Erwachsenenbildung nur einer der vier untersuchten
ErwachsenenbildnerInnen seit langem bekannt, ein zweiter Erwachsenenbilder
kommt damit marginal in Berührung.
Elisabeth
BRUGGER erkennt in ihrer Studie über den beruflichen Weg in die
Erwachsenenbildung (1991b) weitere Merkmale (neben den schon bei den einzelnen
Hypothesen zitierten), die für den Einstieg von (hauptberuflichen
ErwachsenenbildnerInnen ausschlaggebend sind:
“Häufig
werden vorher andere Tätigkeiten ausgeübt und vielfache entscheidet
nur der Zufall darüber, ob jemand Zugang in die Erwachsenenbildung
findet.” (BRUGGER 1991b, 70)
Auch
die vier lehrenden ErwachsenenbildnerInnen kommen größtenteils alles
andere als direkt nach dem Ausbildungsabschluß zur Erwachsenenbildung,
ein Biographievergleich zeigt auch ein relativ hohes Alter beim Einstieg in die
Erwachsenenbildung: W39 mit 34 Jahren, W54 mit 20 Jahren, M53 mit 40 Jahren und
M42 mit 34 Jahren; das ergibt ein Durchschnittsalter von 32 Jahren. BRUGGER
bleibt aber nicht beim Zufall als Einstiegsursache stehen.
“Dennoch
läßt sich der Zufall in drei beschreibbaren Größen
definieren:
1.
Zugang zur Erwachsenenbildung über vergleichbare Bereiche (LehrerIn,
Sozialberuf, KursleiterIn).
2.
Zugang zur Erwachsenenbildung auf der Suche nach einer beruflichen
Veränderung, wobei ein Kontakt zur Erwachsenenbildung in der Regel schon
vorher bestand, in einigen Fällen sogar durch den vorgegebenen Beruf
naheliegend war.
3.
Zugang zur Erwachsenenbildung mangels entsprechender Alternativen und zwar:
a)
Erwachsenenbildung wird als geringeres Übel gewählt, weil die anderen
angebotenen Alternativen noch weniger gewünscht werden;
b)
finanzielle oder existentielle Schwierigkeiten bestärken den
Entschluß zugunsten der Tätigkeit in der Erwachsenenbildung.”
(ebd., 72)
Von
den in dieser Arbeit untersuchten ErwachsenenbildnerInnen lassen sich zum
“Zugang über ... vergleichbare Bereiche” drei (W54, M53, M42),
zum “Zugang ... auf der Suche nach einer beruflichen
Veränderung” ein oder zwei (M53, M42), zum “Zugang ... mangels
entsprechender Alternativen” eine (W54 beim definitiven Einstieg) und
wegen finanziellen oder existentiellen Schwierigkeiten zwei (W39, W54)
ErwachsenenbildnerInnen zuordnen. BRUGGERs Merkmale bewähren sich also
auch in dieser Untersuchung.
- Die
Hypothese 7 “Einstieg wegen ökonomischer Notwendigkeit”
bestätigt sich bei einer der vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen im
Zusammenhang mit einem ausschließlich ökonomisch motivieren
Einstieg; sind noch andere Motive vorhanden, dann sind ökonomische Motive
zwar meist auch beteiligt, aber nicht entscheidend für den Einstieg in die
Tätigkeit der Erwachsenenbildung.
HYPOTHESE
5: Einstieg wegen bedeutender biographischer Erfahrung
Der
Einstieg in die Tätigkeit Erwachsenenbildner geschieht wegen einer
bedeutsamen biographischen Erfahrungen. Mit Erwachsenenbildung ist bei dieser
Hypothese nicht nur die Lehre in der Erwachsenenbildung gemeint. Sollte der
Einstieg in die Lehre in der Erwachsenenbildung nicht mit dem Einstieg in die
Erwachsenenbildung zusammenfallen, sind hier beide Einstiegssituationen zu
untersuchen.
ERGEBNIS:
- Nur
eine (W39: “Keramik”) der vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen
steigt klar erkennbar wegen einer akuten biographisch bedeutsamen Erfahrung
(Krise und deren Bewältigung) in die Erwachsenenbildung ein, diese
Hypothese kann also als wenig bestätigt bezeichnet werden.
- Freilich
hat der Einstieg in die Erwachsenenbildung der anderen drei
ErwachsenenbildnerInnen auch biographische Bedeutung. Selbst bei W54
(“Sprachlicher Bereich”), deren erste Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung für sie selbst eher unwichtig war, läßt sich
eine Verbindung zu für die jene Lebensphase wichtigen Themen und Motiven
herstellen. Noch evidenter ist dies bei M42 und M53, deren Einstieg in die
Erwachsenenbildung nicht nur aus den wichtigen Themen und Motiven jener
Lebensphase beeinflußt wurde, sondern die damit für sie wichtige
Themen und Motive umsetzen. Bei M53 ist vor allem die Art des Einstiegs
bedeutend, bei M42 (“Selbst- und Sozialmanagement”) die
Tätigkeit, die die Erwachsenenbildung bietet. Biographische Bedeutung
(Funktion) des Einstiegs in die Erwachsenenbildung ist also bei zwei von vier
untersuchten ErwachsenenbildnerInnen mit Sicherheit gegeben.
- Bei
drei der vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen fällt der Einstieg in
die Erwachsenenbildung mit dem Einstieg in die Erwachsenenbildung als Lehre
zusammen. Bei M53 kommt die Lehrtätigkeit in der Erwachsenenbildung
(Lehrgegenstände “Soziales”, “Ladiner”) erst nach
dem Einstieg zu seiner hauptsächlichen Tätigkeit des Organisierens
dazu, über den Beginn (und nicht nur über den Beginn) dieser
Lehrtätigkeit erzählte M53 aber nichts, so daß dieser Einstieg
hier nicht untersucht werden kann.
W39:
gründet in akuter herausragender Erfahrung
Die
biographische Bedeutsamkeit des erwachsenenbildnerischen Lern- und
Lehrgegenstandes “
Keramik”
hat sich bei dessen Auftauchen als Lerngegenstand auf das Oberthema
“Lernen” bezogen, ist dann aber in den Hintergrund getreten, denn
die inzwischen wichtig geworden Themen “meine Nervenkrisen” und
“Krisenbewältigung” bzw. das Oberthema “Autonomie und
Krisen - Italien” haben ihn nicht betroffen. Die Verbindung zum Thema
“Krisenbewältigung” wird aber nun mit dem Beginn der
Tätigkeit in der Erwachsenenbildung durch eine weitere Krisensituation
hergestellt.
152
(...) meinen zweiten Nervenzusammenbruch habe ich dann
153
meine ich hier gehabt am Anfang, da bin ich meine ich ein halbes
154
Jahr überhaupt nicht aus dem Haus gegangen, da war ich total fix
155
und fertig
156
I: Das war schon hier?
157
W39: Ja .. und und von da weg dann habe ich beschlossen . daß es
158
mir eigentlich gar nichts ausmacht, da habe ich dann angefangen,
159
weißt’, Horoskopstudium und so weiter .. weil ich gar nicht mehr
160
gewußt habe was tun, dann habe ich gesagt, jetzt studiere ich mir
161
einmal das durch und da bin ich dann auch draufgekommen, wo
162
eigentlich die ganzen Linien dann hinführen und daß ich praktisch
163
nur soll hier Keramik machen und der Fall hat sich .. und außerdem
164
. habe ich da auch noch Linien drinnen wo es ist, daß ich muß mein
165
Wissen weitergeben
Der
bisherige Lerngegenstand “Keramik” wird durch die Krisensituation
(Thema “meine Nervenkrisen”) also zum Lehrgegenstand im Rahmen der
Erwachsenenbildung; der “2. Nervenzusammenbruch” ist für W39
eine herausragende Erfahrung in ihrer Biographie. Interessant ist hier auch die
Ausschließlichkeit, mit der W39 diesen Gegenstand zum Lehrgegenstand
macht, dieser Aspekt wird unten in der Hypothese über die wichtigere
biographische Funktion des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes
weiterverfolgt.
Exkurs:
begleitende Theorieelemente
Mit
dem Eintritt von W39 in die Lehre in der Erwachsenenbildung findet die
Verlaufskurve ein Ende, die Krisenbewältigung durch eine Tätigkeit in
der Erwachsenenbildung hat Erfolg. Möglicherweise kann auch in dieser
Phase der Entscheidung für die Keramik als Lehrgegenstand der
Erwachsenenbildung wiederum ein Lernprojekt Erwachsener (SCHRATZ 1993)
beschrieben werden, und zwar mit dem Lernthema Esoterik, das W39 nun angeht.
Wieder bleibt aber, wie beim ersten bei W39 beschriebenen Lernprojekt
Ästhetik, die Frage offen, ob die Intensität des Lernens dabei
für die Benennung eines Lernprojekts ausreicht.
W54:
nein; beiläufiger Einstieg im Kontext “Aufstieg”
Mit
dem erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand “
Sprachlicher
Bereich
”
und konkret (vorerst nur) mit dem Gegenstand
Deutsch
steigt W54 (nebenberuflich) in die Erwachsenenbildung ein.
339
(...) um das finanziell, es haben sich auch vom Familiären her äh bin
340
ich finanziell äh eingespannt gewesen, die Notwendigkeit ergeben
341
daß ich so über Kurse oder Nachhilfestunden mir da das Gehalt ein
342
bißchen aufstocke und das Studium leichter finanziere, und da hab’
343
ich eigentlich schon im Jahr zweiundsechzig mit äh
344
Erwachsenenkursen angefangen, Deutschunterricht an italienischen
345
Staatsangestellten, denn damals äh war ja schon die Möglichkeit
daß
346
über mhm eine Zweisprachigkeitsprüfung äh das Gehalt dieser
347
Staatsangestellten aufgeholt werden kann also hab’ ich da diese
348
Abendkurse schon äh . abgehalten und das war eigentlich so die
349
erste Tätigkeit schon in der Erwachsenenbildung (...)
Eine
bedeutsame biographische Erfahrung ist dabei nicht auszumachen. Es fehlt bei
diesem Einstieg auch die Beteiligung des Themas “männliche
Übergangs- / Berufseinstiegsmentoren”, das die andere, für W54
wichtigere Einstiegssituationen stets begleitet. Im Vordergrund scheinen
ökonomische Motive gestanden zu sein. Der Einstieg in die
Erwachsenenbildung steht am Anfang jener Lebensphase, die auf die vom Thema
“Nähe zum Vater in Konkurrenz mit älterer Schwester”
dominierte Lebensphase folgt und bestimmt ist vom den Themen “versteckter
Aufstieg” und “X abgeschlossen und gleich Y, noch nebenbei”.
Über 10 Jahre nach dem Einstieg in die Erwachsenenbildung wird es dann zu
einer Ausweitung des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes
“Sprachlicher Bereich” kommen, und dabei wird dann die
Erwachsenenbildungstätigkeit für W54 ins Zentrum der biographischen
Bedeutsamkeit rücken.
Der
Beginn des erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstandes “
Pädagogischer
Bereich
”
im Rahmen der erwachsenenbildnerischen Tätigkeit von W54 ist aus ihrer
Erzählung nicht genau festzumachen. Es ist anzunehmen, daß die
Tätigkeit in diesem erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand sich
auch bei der Ausweitung der Erwachsenenbildungstätigkeit im ca. 33
Lebensjahr ausgeweitet hat oder sogar erst dort begonnen hat.
M53:
nein; Einstieg wegen biographischem Programm; erfüllte biographische
Bedeutungslosigkeit im Ablauf
Der
Einstieg in die Erwachsenenbildung von M53 geschieht zuerst als
hauptberuflicher, organisierender Erwachsenenbildner. Eingebettet ist dieser
Einstieg in die spezielle Aufstiegsstrategie von M53, die im Sich-Bereithalten
für Angebote aus der Notwendigkeit anderer besteht (Thema
“Angebote”) und dem verläßlichen Erfüllen der
Erwartungen (Thema “Erlaubnis / Bedingungen + Rechenschaft”).
Aufstieg bedeutet für M53 auch mehr Autonomie in der Gestaltung seines
Tätigkeitsfeldes, als es die Tätigkeit des Kooperators erlaubte. Die
Vergleiche zwischen beiden Tätigkeitsfeldern, die M53 anstellt (vgl.
698-761), zeigen diese seine Intention. Der Gegenstand bleibt also der gleiche
(Religion), M53 wechselt aber das Tätigkeitsfeld (Oberthema “von
ausfüllen / Rechenschaft zu erfinden / Eigenverantwortlichkeit”).
Die Aufstiegsstrategie vom M53 kann im Sinne von SCHÜTZEs
Prozeßstrukturen als biographisches Handlungsschema beschrieben werden.
Der
unmittelbare Einstieg bzw. der Ablauf des Einstiegs in die Erwachsenenbildung
ist dabei von keinen bedeutenden biographischen Erfahrungen begleitet, im
Gegenteil, dieser Einstieg vollzieht sich nach einem geplanten Ablauf.
493
(...) sobald ich sobald ich das Doktorat in [Stadt 7] bekommen habe
494
und und und ein Stück Tesis veröffentlicht gehabt habe habe ich
495
den habe ich den Titel bekommen von der Universität und dann mit
496
dem praktisch war das Studium abgeschlossen, und dann habe ich
497
eben im im zugleich bin ich dann ernannt worden damals als Vize
498
Diözesanassistent da war noch mein Vorgänger . und dann nach ein
499
paar Jahren bin ich . sagen wir so bin ich alleiniger sagen wir
500
bin ich Ass Diözesanassistent geworden, das war also
501
neunzehnhundertdreiundachtzig, praktisch nach dem, Doktorat direkt
502
sofort ohne, mühsam und ohne ohne besondere Übergänge, unten in
503
[Stadt 7] abgeschlossen und da in [Stadt 2] mit der Stelle
504
angefangen
Die
Entscheidung für den Einstieg hat also schon vorher stattgefunden, wobei
aber auch bei der Entscheidung jede Dramatik fehlt.
458
M53: Jaja das ist so gewesen nicht ich ich hab damals dann der
459
Bischof gesagt sagen wir ich äh ich bin halt einmal eingeladen
460
worden mit dem Bischof zu reden oder Bischof zu reden dann hat er
461
mir dieses Anliegen der Diözese gesagt ja wir brauchen die Diözese
462
braucht mit der Zeit jemand der da hat er gesagt ob ich Interesse
463
hätte ja Interesse schon aber ich kann nicht Ihnen Herr Bischof
464
heute sagen ob ich es tue weil ich muß mich erst erkundigen was
465
das ist, und zwar erkundige ich mich äh bei jemandem der vor
466
Jahren oder Jahrzehnten ähnliches gemacht hat nicht? dann habe ich
467
diese Ge dann habe ich meine ich eine Woche Bedenkzeit bekommen,
468
und in in in dieser Woche habe ich mir dann einmal
469
auseinandergesetzt oder mit dem, mit jemand der dort schon war an
470
der [Universität 1] was das ist wie das ist was das beinhaltet und
471
dann habe ich gesehen ja das sind Dinge, die mir auch persönlich
472
interessieren, dann bin ich eben das zweite Mal hingegangen und
473
habe dann dem Bischof gesagt jaa ich übernehme das (...)
Wenn
man den biographischen Wert des Ablaufs dieses Einstiegs in die
Erwachsenenbildung für M53 bestimmten wollte, dann besteht er vielleicht
gerade in der fehlende Dramatik, die das biographisch Neue für M53
darstellt: Die Entscheidung ist im Vergleich zur Entscheidung für den
Mittelschulbesuch autonom und von M53 überschaubar und kontrollierbar
getroffen worden (Thema “Ausland, Fremdsein: Folge der Angebotsannahme;
ladinisch”). Die Konsequenzen dieser so kontrolliert gestalteten
Entscheidung für das Soziologiestudium und die
Erwachsenenbildungstätigkeit in Organisation1 führten zu einem
geplanten und bewältigbaren Ablauf, der sogar den
“Genuß” (vgl. 384) inkludiert, statt zu einer starken
Belastungssituation, wie nach der Entscheidung für die Mittelschule, zu
werden.
260
M53: Das ist so gewesen wir waren zu zweit, Mitschüler von mir
261
und ich . sobald, der wollte nämlich auch studieren, dann hat es
262
so geheißen ja wenn ich zwei ähh Mittelschule machen wollt
263
auswärts eben, dann ist es notwendig eine Aufnahmeprüfung zu
264
machen, diese Aufnahmeprüfung kann man nicht im gleichen Tal
265
machen sondern auswärts, und das ist dann für uns auch unbekannt
266
gewesen, dann hat uns der Lehrer . Nachhilfestunden gegeben der
267
hat dann gesagt die letzten Monate des Schuljahres
268
I: Mhm
269
M53: Müßt ihr einfach nach der Schule da da herein nach der
270
allgemeinen Schule bleiben, nachsitzen praktisch (...)
Belastung
und Diskriminierung dann in der Mittelschule (Motive “Diskriminiertsein
als Ladiner”, “alles fremd, schwierig, ‚zu
jung‘”, “ich hab nicht gewußt, was das heißt
jetzt”)
336
M53: Wenn du dich ausdrückst, dann wirst du zum Beispiel
337
diskriminiert weil es du bist ein Krautwalscher man merkt sofort
338
du bist kein Deutscher, und für manche, ähh krautwalisch und
339
walsch war ja damals ja sowieso auch politisch, ein Problem . und
340
dann natürlich schon auch die ganze Mentalität nicht? wir Ladiner
341
haben eine andere Mentalität als die . deutschsprachigen
342
Südtiroler ganz sicher . wir haben die Mentalität einer gesunden
343
normalen lebensfähigen Minderheit und die anderen sind . Mehrheit
344
die über andere . so ich habe es auch ich habe es auch vor allem
345
in der Mittelschule gespürt die ersten Jahre gespürt daß
daß
346
Ladiner hat man damals nicht gesagt zu uns man hat gesagt
347
Krautwalsche, das war, äh eher abwertende Ausdrücke und wenn wir
348
Ladiner zum Beispiel in der Mittelschule uns zu Wort gemeldet
349
haben dann sind wir meistens von der Schulklasse ausgelacht worden
350
weil wir eben falsch uns falsch ausgedrückt haben .. ja, das ist
351
von mir aus Ausland .. Mhm
Die
biographische Bedeutung des Ablaufs des Einstiegs in die Erwachsenenbildung
liegt also gerade im Fehlen eines biographisch bedeutenden Ereignisses.
Der
Einstieg in die Lehre in der Erwachsenenbildung ist von M53 im biographischen
Interview nicht beschrieben. Dieses Faktum ist weiter unten bei der Hypothese 8
über die Kompetenz in der Erwachsenenbildungs-Lehre diskutiert.
M42:
nein; Motiv besser in Erwachsenenbildung umsetzbar
Beim
Einstieg in die Erwachsenenbildung ist bei M42 keine bedeutende biographische
Erfahrung wirksam. M42 bezeichnet seinen Hauptberuf als den der
“Beratung” (vgl. 800), also des Betriebsberaters, zu dem er in etwa
ab der Gründung seines eigenen Beratungsunternehmens die Tätigkeit
der “Ausbildung” dazunimmt.
508
(...) ich äh habe dann begonnen vor acht Jahren aus einem
509
Freiberuflerbüro, ein Unternehmen zu machen, immer ausgehend vom
510
Jahre, vom siebenundneunzig aus, und äh habe dort eine ein
511
Beratungsunternehmen gegründet mit der Zielsetzung, daß ich, äh
512
Beratung in diesen vier Hauptsäulen machen mache aber gleichze
513
gleichzeitig in der sogenannten Selbst und Sozialkompetenz, der
514
Führungsebene, höchstes Führungsmanagement also Unternehmer
höchste
515
Ebene also Managementebene eins und Managementebene zwei und drei
516
Verkauf, und Chefsekretäriat daß ich dort äh starke Aus und
517
Weiterbildung mache in Sachen Selbst und Sozialkompetenz und erst
518
im zweiten Moment Fach und Methodenkompetenz, und ähh aus dieser
519
Erkenntnis heraus habe ich dann begonnen im Erwachsenenbereich
520
aber immer auf beruflicher Ebene, äh Seminare anzubieten die
521
teilweise, öffentlich zugänglich sind aber mittlerweile zu achtzig
522
Prozent betriebsintern sind, das heißt äh daß ich äh den
größten
523
Teil meiner Erwachsenenbildung, betriebsintern (...)
Der
Grund für den Einsieg in die Erwachsenenbildung von M42 liegt also in
seinem Bestreben, seinen Dienst der Betriebsberatung zu optimieren.
487
(...) habe gemerkt daß eben die größten Schwierigkeiten in den
488
Betrieben, äh zu siebzig achtzig Prozent die Schwierigkeiten in
489
Betrieben entstehen aus menschlichen und zwischenmenschlichen
490
Problemen, also wenn kostenmäßig äh etwas nicht läuft
dann ist die
491
Ursache meistens das Zwischenmenschliche oder das Menschliche was
492
nicht paßt, und äh dies Erkenntnis äh hat mich auch
dorthingeführt
493
daß ich gesagt habe wenn du willst erfolgreich in der Beratung
494
sein, dann muß Beratung und Ausbildung zusammenfallen (...)
Wollte
man dennoch nach biographisch begründbaren Ursachen für den Einstieg
in die Erwachsenenbildung suchen, dann müßten solche Ursachen in
Themen oder Motiven liegen, die von der Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung besonders gut abgedeckt werden, etwa das “Motiv
“Leute überzeugen, verändern, bewegen”.
671
M42: Im Laufe meiner äh beruflichen Tätigkeit gemacht und heute
672
äh, bin ich mehr denn je überzeugt daß meine Entscheidung,
673
Ausbildner und Berater gleichzeitig zu sein wahrscheinlich die
674
Entscheidung schlechthin war für mich denn im restlichen Europa
675
war es bis vor fünf Jahren verpönt, daß du Berater bist und
äh
676
Ausbildner, und jetzt merke ich daß immer mehr Berater zu
677
Ausbildner sich entwickeln weil sie merken daß sie eigentlich nur
678
beraten können wenn sie Leute bewegen und Leute lassen sich nur
679
bewegen wenn sie überzeugt sind du kannst nicht Leute ändern
680
ändern müssen sich die Leute selber also mußt du
681
Überzeugungsarbeit machen, das heißt der Berater ist heute weniger
682
der Experte sondern er ist zwar erfahren aus seinen ganzen
683
Projekten die er gemacht hat aber er ist vor allem vor vor allem
684
ist er Moderator, Couch Begleiter und Couch und Begleiter kann ich
685
nur sein wenn mich der andere akzeptiert als Begleiter, und ähh
686
das ist wahrscheinlich heute eines meiner Schlüsselkompetenzen die
687
ich habe (...)
HYPOTHESE
6: Entscheidung für Erwachsenenbildung: Erwachsenenbildung war
ursprünglich keine Tätigkeits-Option
Elisabeth
BRUGGERs Untersuchung über das Berufsbild von ErwachsenenbildnerInnen in
Österreich stellt für hauptberufliche ErwachsenenbildnerInnen fest:
“Die
hauptberufliche Tätigkeit als ErwachsenenbildnerIn wird in der Regel nicht
von vornherein als möglicher Beruf ins Auge gefaßt. In den meisten
Fällen finden sich viele verschlungene und komplizierte Wege, die
schließlich zum Beruf Erwachsenenbildung führen.” (BRUGGER
1991b, 69)
Ein
Grund hierfür liegt darin, daß ErwachsenenbildnerIn in der
Öffentlichkeit nicht als Beruf bekannt ist (vgl. BRUGGER 1991b, 69). Es
wird also postuliert, daß die Tätigkeit in der Erwachsenenbildung
ursprünglich nicht als Option in Erwägungen über
Tätigkeitsvorstellungen vorhanden war. Mit Erwachsenenbildung ist bei
dieser Hypothese nicht nur die Lehre in der Erwachsenenbildung gemeint. Sollte
die Entscheidung für die Lehre in der Erwachsenenbildung nicht mit der
Entscheidung für die Erwachsenenbildung zusammenfallen, sind hier beide
Entscheidungssituationen zu untersuchen.
ERGEBNIS:
- Bezüglich
der Entscheidung für die Tätigkeit als ErwachsenenbildnerIn kann bei
allen vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen nicht von einer
längerfristigen Tätigkeitsentscheidung gesprochen werden, der Beruf
des Erwachsenenbildners war sicher nicht der langgehegte Berufswunsch und er
kommt bei keinem der untersuchten ErwachsenenbildnerInnen vor dem Einstieg in
die Erwachsenenbildung als Tätigkeitsoption vor. Die Feststellung BRUGGERs
bestätigt sich also.
- Bei
zwei der untersuchten ErwachsenenbildnerInnen kommt Erwachsenenbildung im
lebensgeschichtlichen Gespräch schon vor dem eigenen Einstieg in die
Erwachsenenbildungstätigkeit (abgesehen von der eigenen Teilnahme an
Erwachsenenbildungsveranstaltungen) vor: M42 hat eine Erfahrung der
Organisation von Erwachsenenbildung und W54 hat intensive Erinnerungen aus der
Kindheit an die Tätigkeit ihrer Eltern als Erwachsenenbildner.
Nur
bei M53 fällt die Entscheidung für seine Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung (die er ausführlich beschreibt) möglicherweise
nicht mit der Entscheidung für die Lehre in der Erwachsenenbildung (die
M42 unterbelichtet läßt) zusammen, jedenfalls lassen sich
diesbezüglich keine Rückschlüsse ziehen, da Anhaltspunkte fehlen.
Exkurs:
begleitende Theorieelemente
Das
Ergebnis, daß die Tätigkeit in der Erwachsenenbildung keine
ursprüngliche Tätigkeitsoption war, läßt sich allerdings
ein wenig differenzieren. Im Fall von M53 wurde bei der vorigen Hypothese
“Einstieg wegen bedeutender biographischer Erfahrung” anhand der
lebensgeschichtlichen Prozeßstrukturen nach SCHÜTZE des Ergreifens
der Tätigkeit in der Erwachsenenbildung als eine Nebenwirkung eines
biographischen Handlungsschematas aufgezeigt. Ein Biographievergleich zeigt
weiters, daß vor allem bei M53 und W54 von biographischen
Handlungsschemata gesprochen werden kann. Die Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung stellt bei M53 quasi eine Nebenwirkung der Realisierung
seines biographischen Handlungsschematas dar, während bei W54 die
Erwachsenenbildung die Alternative zum biographischen Handlungsschema
darstellt. Bei W39 kann von einer Verlaufskurve als Prozeßstruktur
gesprochen werden, und die Entscheidung zur Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung stellt das Ende der dominanten Prozeßstruktur
Verlaufskurve für W39 dar.
W39:
keine Vorstellungsoption
An
Berufs- und Ausbildungswünschen nennt W39 in der Mittelschulzeit
“Lehrerin”, in der Oberschulzeit “Kunstschule” und mit
dem Alter von ca. 27 Jahren den Berufswunsch Tischlerin; diese sind im Thema
“Unerreichtes” zusammengefaßt. Begonnen hat W39 die
Ausbildung als Kindergärtnerin und die Tätigkeit als Glaserin. Von
Lehre offensichtlich im Rahmen der Schule war also die Rede, nicht aber von
Erwachsenenbildung, diese taucht ganz plötzlich als Ergebnis des
Horoskopstudiums auf (vgl. 152-165) (Der Ursprung dieser Entscheidung kann
allerdings im Vorbild des Keramiklehrers vermutet werden - siehe unten). W39
scheint noch als Erwachsenenbildnerin eine gewisse Distanz zur
Erwachsenenbildung oder zumindest zum Begriff “Erwachsenenbildung”
zu haben, sie spricht immer nur von “Kursen”.
W54:
keine Vorstellungsoption, aber naheliegend
Der
(nebenberufliche) Einstieg in die Erwachsenenbildung mit dem
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand “Sprachlicher
Bereich” und dem konkreten Lehrgegenstand Deutsch war wahrscheinlich
keine ursprünglich in Betracht gezogene Tätigkeits-Option. Frühe
Berufswünsche beziehen sich auf “Lehrerin oder
Kindergärtnerin”, und den Beruf der Lehrerin ergriff W54
schließlich auch. Der Wunsch, Erwachsenenbildnerin zu werden, ist
nirgends deklariert oder interpretierbar. Allerdings muß auch
festgestellt werden, daß Erwachsenenbildung als Tätigkeit für
W54 nicht sehr fernliegend war, da beide Eltern neben ihrem Hauptberuf LehrerIn
erwachsenenbildnerisch tätig waren (vgl. 55-64) (siehe Hypothese 10
“Vorbild für Entscheidung für Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung”).
M53:
keine Vorstellungsoption
Eine
Tätigkeit in der Erwachsenenbildung war für M53 bis zum Angebot
(Thema “Angebote”) für die Stelle in Organistion1 keine
Tätigkeitsoption. Sie scheint zum Zeitpunkt der Ausbildungs- und
Berufswahl nach der Mittelschule und Staatsmatura nicht als Option auf (vgl.
88-95). Zur Erwachsenenbildung stößt M53 durch seinen
Aufstiegswunsch (Motiv “Aufstieg”).
M
42: keine Vorstellungsoption
An
Zukunftsvorstellungen berichtet M42 im lebensgeschichtlichen Interview von dem
schon in der Mittelschule gefaßten Vorhaben, Wirtschaft zu studieren
(Motiv “Berufsvorstellung: nicht nur ...; erst zielsicher –>
dann offener”, vgl. 118-123). Der Hauptberuf Betriebsberater war nicht
vorausgeplant und kristallisiert sich in der späten Universitätszeit
heraus, die Tätigkeit in der Erwachsenenbildung kommt als
Weiterentwicklung dieses Hauptberufs schließlich dazu (siehe Hypothese 5
“Einstieg wegen bedeutender biographischer Erfahrung”). Die
Erwachsenenbildung kommt als ursprünglich Tätigkeitsoption in der
Erzählung von M42 nicht vor. Er erwähnt die Erwachsenenbildung vor
dem eigenen Einstieg ein mal, im Rahmen der Organisation1, dort aber nicht als
Tätigkeitsoption.
371
(...) und zwar nicht weil
372
wir äh [Partei 1]freundlich waren sondern weil wir gemerkt haben
373
die bieten etwas was wir brauchen, Rhetorik und Englisch, haben
374
wir zuerst Rhetorikseminar intern gemacht, Englischseminare,
375
(Huster) alles als [Organisation 1] organisiert und der
376
[Organisation 2] hat uns das alles äh beisteuert finanziell (...)
HYPOTHESE
7: Einstieg wegen akuter ökonomischer Notwendigkeit
Der
Einstieg in die Erwachsenenbildung geschah wegen akuter ökonomischer
Notwendigkeit. Mit Erwachsenenbildung ist bei dieser Hypothese nicht nur die
Lehre in der Erwachsenenbildung gemeint. Sollte der Einstieg in die Lehre in
der Erwachsenenbildung nicht mit dem Einstieg in die Erwachsenenbildung
zusammenfallen, sind hier beide Einstiegssituationen zu untersuchen. Diese
Hypothese über die ökonomische Notwendigkeit ist spezifischer als es
die beiden vorhergehenden Hypothesen über die “bedeutende
biographische Erfahrung als Einstiegsgrund” und die “nicht
langfristig gewußte Option Erwachsenenbildung” sind und dient
eigentlich nur der Überprüfung, wie bedeutend ökonomische
Faktoren sind und ob diese Bedeutsamkeit gegebenenfalls für den Einstieg
in die Erwachsenenbildung zuallererst ausschlaggebend war.
ERGEBNIS:
Ökonomische
Faktoren können, wie W54 zeigt, zuallererst für einen Einstieg in die
Erwachsenenbildung ausschlaggebend sein, M53 beweist allerdings das genaue
Gegenteil, daß nämlich Geld praktisch keine Rolle für den
Einstieg spielt (auch nicht für seinen wahrscheinlich ein wenig
später stattfindenden Einstieg in die Erwachsenenbildungs-Lehre). Für
W39 lag akute ökonomische Notwendigkeit als Einstiegsgrund wahrscheinlich
und bei M42 mit Sicherheit nicht vor, bei diesen beiden dürften
ökonomische Faktoren aber mit eine Rolle gespielt haben. Bei W39 zeigt
sich in der Phase des Einstiegs in die Erwachsenenbildung zudem ein erstmaliges
Relevantwerden von Geld. Das Ergebnis formuliert sich am ehesten in einer
gewissen Polarisierung: Entweder ist der Einstieg in die
Erwachsenenbildungstätigkeit akut aber ausschließlich
ökonomisch motiviert oder er ist vor allem durch andere Faktoren
motiviert, die entweder gar nicht oder nur teilweise von einem
ökonomischen Motiv begleitet sind.
W39:
Ökonomie nicht vordergründig
In
der Erzählung über den Einstieg in die Erwachsenenbildung ist
für W39 die ökonomische Situation nicht relevant, ausschlaggebend
für den Einstieg ist der Krisenbewältigungsaspekt (vgl. 152-165). Von
akuter ökonomischer Notwendigkeit kann also nicht gesprochen werden, der
Einsieg in die Erwachsenenbildung ist hauptsächlich durch andere als
ökonomische Faktoren motiviert. Daß ökonomische Notwendigkeiten
beim Einstieg in die Erwachsenenbildung trotzdem auch eine gewisse Rolle
gespielt hat, kann jedenfalls angenommen werden, interessanter ist aber,
daß für W39 selbst der Einstieg in einer Lebensphase stattgefunden
hat, in der seit kurzem ökonomische Notwendigkeiten erstmals eine Rolle
spielen, nachdem sie in der bisherigen Biographie nicht relevant gewesen zu
sein scheinen: Oberthema “Geld - Sicherheit - Etablierung”.
253
... ja und da sind wir jetzt, von dem her
254
jetzt, da ist es jetzt wirklich . weil (mit verändertem Tonfall)
255
da habe ich auch das ganze Geld unten liegen lassen und alles
256
zusammen, weil das hat alles er unten und ich komme da nicht mehr
257
heran, ich habe nur ein Wohnrecht drinnen in dieser blöden Hütte .
258
und deswegen bin ich da und mag mich anstrengen, was ich mache,
259
Pension zahlt mir auch niemand, weil ich nirgends eingezahlt habe,
260
mag ich jetzt nur noch schauen, daß ich weiterkomme
W54:
Ökonomie ausschlaggebend
Der
(nebenberufliche) Einstieg in die Erwachsenenbildung (mit dem
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand “Sprachlicher
Bereich” und dem konkreten Lehrgegenstand Deutsch) fand deklarierterweise
aus akuter ökonomischer Notwendigkeit statt.
339
(...) um das finanziell, es haben sich auch vom Familiären her äh bin
340
ich finanziell äh eingespannt gewesen, die Notwendigkeit ergeben
341
daß ich so über Kurse oder Nachhilfestunden mir da das Gehalt ein
342
bißchen aufstocke und das Studium leichter finanziere, und da hab’
343
ich eigentlich schon im Jahr zweiundsechzig mit äh
344
Erwachsenenkursen angefangen (...)
Wenn
dieses Zitat auch mit dem Motiv “ökonomische und interessengeleitete
Erwachsenenbildungs-Begründung” codiert ist, so ist damit nicht
gemeint, daß die ökonomische Notwendigkeit nicht zutrifft, sondern
daß der Einstieg in die Erwachsenenbildung auch im Kontext dieser
expansiven Lebensphase geschieht, wie er bei der Behandlung der Hypothesen
“Qualitätsverbesserung des Lerngegenstandes” und
“positiver Lernstil ist biographieabhängig” gezeigt wurde. Die
ökonomische Notwendigkeit war für den Einstieg in die
Erwachsenenbildung also zuallererst ausschlaggebend.
M53:
Ökonomie nicht relevant, kein Wert
Ökonomische
Notwendigkeiten sind beim Einstieg in die Erwachsenenbildung eindeutig nicht
relevant. M53 ist wahrscheinlich durch die Organisation Kirche (als
Priesterstudent, Kooperator, Soziologiestudent, Diözesanassistent von
Organisation1) ökonomisch abgesichert. Bis auf wenige auf die
Ursprungsfamilie bezogene Textstellen spielt Besitz und Ökonomie keine
Rolle (Themen “Überleben”, “ökonomische Situation,
soziale Position, [nicht] Wissen”), so daß sich für M53 eine
geringe Relevanz von ökonomischen Werten interpretieren läßt.
M42:
Ökonomie nicht vordergründig
M42
berichtet zwar von einer ökonomischen Belastung, die sich aus dem
Firmenzusammenbruch seines Vaters ergeben hat, in Bezug auf die
Erwachsenenbildung ist von ökonomischer Notwendigkeit nie die Rede.
442
(...) dort habe ich ah ja eigentlich
443
äh sehr viele Schulden übernommen und zwar zu einem Zinssatz das
444
muß man sich vorstellen das kann man sich heute nicht mehr
445
vorstellen von fünfundzwanzig Prozent Zinsen, also das war
446
neunzehnhunderteinundachzig, äh also eine relativ harte Zeit das
447
heißt ich habe Sie müssen sich vorstellen bis vor fünf Jahren
habe
448
ich noch Schulden gezahlt, weil die ersten sieben acht Jahre, also
449
die Gefahr wär sehr groß daß ich im Grunde auch
persönlich in
450
Konkurs gehe, aber das war es mir wert (...)
Eine
akute ökonomische Notwendigkeit war für den Einstieg in die
Erwachsenenbildung aber höchstwahrscheinlich nicht ausschlaggebend, wenn
auch wirtschaftliche Interessen für den Dienstleister M42 auch im
Zusammenhang mit dem Einstieg in die Erwachsenenbildung sicher entsprechend
vorhanden waren. Die Darstellung des Stellenwertes des Geldes, die M42 für
seine Jugend gibt, bestätigt sich auch als Eindruck aus dem
lebensgeschichtlichen Interview.
420
(...) ich hatte soviel Geld daß ich gut leben konnte von Zuhause aus war
421
de Geld überhaupt nie ein Thema weil wir relativ reich
422
aufgewachsen sind (...)
UNTERPUNKT:
Grund für das Lehren
ERGEBNIS
Aus
der Hypothese 8 “Kompetenzbewußtsein” ergibt sich:
- Daß
beim Einstieg in die Erwachsenenbildungstätigkeit ein auf die Lehre in der
Erwachsenenbildung gerichtetes Kompetenzbewußtsein aus anderen in der
Lehre oder Betriebsberatertätigkeit oder Seelsorge gemachten Erfahrungen
importiert, oder zumindestens legitimatorisch hergestellt wurde, wobei die
eigene Lehrkompetenz für zwei von drei ErwachsenenbildnerInnen relevant
wird, die noch am Beginn ihrer Lehrtätigkeit stehen. Erfahrungs- und
persönlichkeitsbedingt und auch bedingt durch geringere Relevanz der Lehre
in der Erwachsenenbildung kommen zwei Erwachsenenbildner bei Einstieg in die
Lehre in der Erwachsenenbildung schon “jenseits” der Frage nach der
Lehrkompetenz zu liegen.
- Sogar
bei (wenn auch geringer) Vorerfahrung im Schulbereich kann das Lehren vor
Erwachsenen die Frage der Lehrkompetenz aber neu aufwerfen, andererseits wird
die Frage der Lehrkompetenz auch ohne jegliche Vorerfahrung nicht relevant,
wenn die entsprechenden Persönlichkeitsvoraussetzungen
(“Mittelpunktmensch”) gegeben sind.
Jedenfalls
hält das gänzliche Fehlen von Lehrerfahrung nicht vom Einstieg in die
Lehre in der Erwachsenenbildung ab. Weitere Gründe für das Lehren in
der Erwachsenenbildung werden im nächsten Unterpunkt “Lehre in der
Erwachsenenbildung (und nicht etwa Schule)” untersucht.
HYPOTHESE
8: Kompetenzbewußtsein
Zur
Lehre in der Erwachsenenbildung bedarf es der Kompetenzen bezüglich der
vermittelten Inhalte, also bezüglich dem erwachsenenbildnerischen Lern-
und Lehrgegenstand, und es bedarf der Kompetenzen in der Lehre. Hier soll nun
das auf die Lehre bezogene Kompetenzbewußtsein untersucht werden, indem
postuliert wird, daß beim Einstieg in die Lehre in der Erwachsenenbildung
ein solches Bewußtsein über die eigene Lehrkompetenz vorhanden war.
Das auf den Lern- und Lehrgegenstand bezogene inhaltliche
Kompetenzbewußtsein wird weiter unten mit einer eigenen Hypothese
untersucht.
ERGEBNIS:
Beim
Einstieg in die Tätigkeit als ErwachsenenbildnerIn spielt das Thema der
Lehrkompetenz bei zwei von vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen eine Rolle
(W39, W54); bei W39 (Lehrgegenstand “Keramik”) als die Frage nach
dem Lehren-Dürfen, wobei dieses Lehren-Dürfen mit esoterischen
Methoden aus der biographischen Erfahrung legitimiert wird. W54 (Lehrgegenstand
“Sprachlicher Bereich”) hat im Unterschied zu W39 beim Einstieg in
die Erwachsenenbildung schon Lehr-Vorerfahrung aus ihrer Tätigkeit als
Volksschullehrerin. Für sie kommt es darauf an, die Erfahrung zu machen,
daß sie auch vor Erwachsenen lehren kann. Beide, W39 und W54, stehen also
am Beginn ihrer Lehrtätigkeit. Für M53 und M42 ist die Lehrkompetenz
beim Einsteig in die Erwachsenenbildung im lebensgeschichtlichen Interview
nicht relevant, sie wird nicht direkt oder indirekt erwähnt. Zumindestens
bei M53 dürfte sie wegen der Vorerfahrungen aus dem Priesterseminar und
der Kooperator-Tätigkeit weitgehend gegeben gewesen sein, außerdem
ist die Lehre in der Erwachsenenbildung für ihn wenig relevant. M42
dürfe aus vielfältiger informeller und formeller
Organisationstätigkeit in Oberschule und Universität geschöpft
haben. Daß sich Lehrkompetenz für ihn nicht als Problem darstellte,
dafür spricht auch ein innovatives Favorisieren der Weiterbildung im
Betriebsberatungsbereich, zudem ist er ein “Mittelpunktmensch”.
W39:
Kompetenzbewußtsein legitimatorisch vorhanden
Das
Lehren taucht bei W39 das erste Mal als Berufswunsch am Ende der Pflichtschule
auf.
66
und an diesem Punkt wäre ich dann gerne . ah Lehrerin
67
geworden
Dieser
Berufswunsch bleibt dann verschwunden und scheint sich, von W39 allerdings
unbenannt, in der Erwachsenenbildungs-Lehre zu realisieren (Motiv
“Unerfülltes erfüllen - Geschehenes legitimieren”), indem
Lehre dann plötzlich wieder im Ergebnis des sogenannten
“Horoskopstudiums” auftaucht. (S.a. das Oberthema
“Lehre”)
163
.. und außerdem
164
. habe ich da auch noch Linien drinnen wo es ist, daß ich muß mein
165
Wissen weitergeben
Das
Lehren scheint dabei allerdings legitimiert durch das Horoskop, also
legitimationsbedürftig, und zwar nicht nur durch das Horoskop, sondern
auch durch das aus ihren Krisen Gelernte.
169
. und da ich mir . hauptsächlich . in meinen Nervenkrisen . ah
170
gutes Wissen angeeignet habe . durch die Natur beobachten und
171
durch Herumexperimentieren und einen Haufen Fehler machen bin ich
172
eben zu einer künstlerischen Darstellungskraft gelangt, die es mir
173
jetzt auch erlaubt, anderen Leuten etwas zu sagen . auf diesem
174
Gebiet
Die
Frage nach dem Kompetenzbewußtsein greift bei W39 aber nicht ganz, denn
das Lehren als Fähigkeit steht für W39 nie zur Diskussion und stellt
nie ein Bedenken dar, es war also ein auf die Lehre gerichtetes
Kompetenzbewußtsein scheinbar vorhanden, die bewußte
Auseinandersetzung mit ihrer Lehrkompetenz war nicht nötig. Statt dem
Lehren-Können als Kompetenz scheint eher ein Lehren-Dürfen als
Berechtigung, von W39 ausgedrückt als “erlauben, andern Leuten etwas
zu sagen”, ein Problem darzustellen (Motiv “Legitimation für
Lehre” und Leitmotiv “Legitimation”).
W54:
Kompetenzbewußtsein prinzipiell vorhanden
Bezüglich
dem auf die Lehre bezogenen Kompetenzbewußtsein äußert sich
W54 vor dem (nebenberuflichen) Einstieg in die Erwachsenenbildung (mit dem
erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegenstand “Sprachlicher
Bereich” und dem konkreten Lehrgegenstand Deutsch) nicht. Ein auf die
Lehre bezogenes Kompetenzbewußtsein kann aber aufgrund ihrer
Unterrichtstätigkeit als Volksschullehrerin in der Bergschule (vgl.
250-259) angenommen werden. Zu Beginn scheint für W54 die Frage, ob sie
auch in der Lehre von Erwachsenen (nicht nur Kindern) kompetent sei, allerdings
noch offen gewesen zu sein.
348
(...) das war eigentlich so die
349
erste Tätigkeit schon in der Erwachsenenbildung, hab’ irgendwo da
350
auch schon äh gespürt daß ich eigentlich gar nicht einmal so
viel
351
vorbereiten mußte, daß ich doch ein gewisses Geschick oder gewisse
352
Zugänglichkeit zu diesen Erwachsenen ha äh gehabt habe, daß die
353
mich eigentlich so als Kursleiterin äh respektiert haben, obwohl
354
gerade der erste Kurs den ich gehabt habe alles ältere . Männer
355
aus dem Militärbereich waren . und ich war ja damals eine sehr
356
junge Lehrerin, aber ich hab doch gemerkt ein gewisser Respekt äh
357
war einfach da, ich hab mich nicht schwergetan äh daß die äh
eben
358
ernstgenommen haben (...)
M53:
vorhanden (interpretiert), Lehre aber wenig relevant
Über
sein Kompetenzbewußtsein bezüglich der Lehre in der
Erwachsenenbildung macht M53 keine Aussage, und es ist auch keine Textstelle
dahingehend interpretierbar. Ein solches Kompetenzbewußtsein kann zu
Beginn seiner Lehrtätigkeit in der Erwachsenenbildung aber als vorhanden
angenommen werden, da M53 auf die Lehre in der Schule
(höchstwahrscheinlich Religionsunterricht) zurückgreifen kann (vgl.
393-398). Außerdem können die Ausbildung zum Priester und sein
früher Berufswunsch Lehrer (vgl. 88-90) favorisierend für eine
Lehrkompetenz bewertet werden. M53 äußert sich allerdings nicht nur
nicht über seine Lehrkompetenz, er erwähnt allgemein nichts
Näheres über seine Lehrtätigkeit in der Erwachsenenbildung, sie
wird nur als eine von vielen Tätigkeiten im Rahmen seiner Tätigkeit
in der Erwachsenenbildung erwähnt (vgl. 108-130).
124
(...) bin dann tätig in
125
Konferenzen Kursen(...)
Aus
dem geringen Vorkommen vom Aussagen über die Lehre in der
Erwachsenenbildung läßt sich eine geringe Relevanz der Lehre in der
Erwachsenenbildung für M53 ableiten.
M42:
vorhanden, übernommen
Bezüglich
dem auf die Lehre gerichteten Kompetenzbewußtsein macht M42 keine
Aussage. Es ist anzunehmen, daß es beim Einstieg in die
Erwachsenenbildung vorhanden war, da M42 vorher eine Ausbildungs- (vgl.
396-405) und eine Weiterbildungsphase durchmachte und schon als Berater
tätig war (vgl. 456-470) und bei M42 die Lehre in der Erwachsenenbildung
in einer ausgeweiteten Beratung besteht.
519
(...) habe ich dann begonnen im Erwachsenenbereich
520
aber immer auf beruflicher Ebene, äh Seminare anzubieten die
521
teilweise, öffentlich zugänglich sind aber mittlerweile zu achtzig
522
Prozent betriebsintern sind, das heißt äh daß ich äh den
größten
523
Teil meiner Erwachsenenbildung, betriebsintern mache und zwar
524
unabhängig von der Ma vom vom Fachlichen her sprich welches
525
Produkt sie verkaufen wird einfach einmal in Selbst und
526
Sozialkompetenz gearbeitet und das sind nicht Seminare im üblichen
527
Sinn sondern es sind äh Seminare die äh in Richtung äh ja fast
ein
528
Lehrgang sind, aufgebaut mit einem Einstiegsseminar damit wir die
529
selbe Sprache sprechen dann wird es in die eigene menschliche
530
Realität hinuntergebrochen da sind nicht mehr Leute dabei als
531
maximal zehn Leute mit äh der Möglichkeit des persönlichen
532
Coachings das heißt ich begleite die Leute dann persönlich, und
533
erst in einem zweiten Moment wird es hinuntergebrochen in die
534
betriebliche Realität (...)
UNTERPUNKT:
Lehre in der Erwachsenenbildung (und nicht etwa Schule)
Nachdem
beim vorigen Unterpunkt “Grund für das Lehren” der
Einfluß des beim Einstieg in die Lehre in der Erwachsenenbildung
vorhandenen Lehrkompetenzbewußtseins untersucht wurde, soll hier dem
Aspekt der Entscheidung für eine Tätigkeit in der Lehre weiter
nachgegangen werden. Dabei soll auch untersucht werden, warum diese Lehre
gerade in der Erwachsenenbildung ausgeübt wird, und nicht etwa in der
Schule.
ERGEBNIS
Bei
der Suche nach Gründen für die Entscheidung für eine Lehre in
der Erwachsenenbildung hat sich bei der Hypothese 9
“Persönlichkeitsbedingte (Autoritätsprobleme) Entscheidung
für die Lehre in der Erwachsenenbildung” die Polarisierung von Lehre
in der Schule oder Lehre in der Erwachsenenbildung als nicht sehr brauchbar
erwiesen, da sich eine solche Entscheidungssituation nur bei einer (W54) der
vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen ergeben hat, und selbst bei dieser
nicht sehr klar im Sinne der Formulierung dieses Unterpunktes. Bei W54 ergibt
sich die Situation der Lehre in der Erwachsenenbildung und der Lehre in der
Schule, was wegen der Vorbildfunktion der Eltern von W54 (Hypothese 10:
“Vorbild für die Entscheidung für die Lehre in der
Erwachsenenbildung”) sehr verständlich wird. Die relevante und
biographisch interessante Frage müßte bei W54 lauten: Warum Schule
und auch noch Erwachsenenbildung? Bei M53 und M42 ergibt sich eine Situation
des zeitlichen Versetztseins von Lehre in der Schule / Erwachsenenbildung und
Lehre in der Erwachsenenbildung / Schule, wobei es biographisch gut einsichtig
ist, warum M53 zuerst in der Schule (Religionsunterricht) und später dann
in der Erwachsenenbildung (unter anderem) auch lehren wird und warum M42 die
Lehre in der öffentlich zugänglichen Erwachsenenbildung
aufläßt und sich der Lehre in der Oberschule zuwendet. Und bei
diesen Fluktuationen zwischen Schule und / vor / nach Erwachsenenbildung ist
bei W54 und M53 die Konzentration auf die “Lehre” nicht
durchzuhalten, es geht vielmehr um Lehre, Verwaltungstätigkeit und
Organisationstätigkeit in Schule und Erwachsenenbildung.
Um
nun die Frage nach der Entscheidung für die Tätigkeit in der Lehre in
der Erwachsenenbildung weiter nachzugehen, sei zuersteinmal an den
vorhergehenden Unterpunkt “Grund für das Lehren” und die
dazugehörige Hypothese 8: “Kompetenzbewußtsein”
angeknüpft.
- Dort
hat sich ein nicht sehr eindeutiges Bild ergeben, jedenfalls ist das eigene
Kompetenzbewußtsein in der Erwachsenenbildungs-Lehre ohne oder mit nur
wenig (schulischer) Lehrerfahrung ein Punkt der Auseinandersetzung,
während langjährige Tätigkeit im seelsorgerischen Bereich und
der Persönlichkeitstyp “Mittelpunktmensch” die Frage der
Lehrkompetenz nicht relevant werden lassen.
- Als
ein Grund für die Entscheidung für die Lehre in der
Erwachsenenbildung hat sich allerdings bei der Hypothese 9
“Persönlichkeitsbedingte (Autoritätsprobleme) Entscheidung
für die Lehre in der Erwachsenenbildung” das Angebot des
größeren Freiraumes, den die Erwachsenenbildung bietet,
herauskristallisiert. Dieser von BRUGGER postulierte Grund trifft bei den von
BRUGGER (1991b) beschriebenen Problemen, die manche ErwachsenenbildnerInnen
tendenziell mit Autoritäten haben, zu, aber, wie sich zeigt, auch bei ganz
anders gelagerten Persönlichkeitskonstellationen, die des
größeren Freiraumes bedürfen um sich verwirklichen zu
können. In diesem Sinne ist auch die oben für W54 gestellte Frage,
warum sie auch noch Erwachsenenbildung neben der Schule betreibt, zu beantworten.
- Nicht
der Freiraum vor Autoritäten, sondern das Vorbild von
ErwachsenenbildnerInnen wirkt sich auf die Entscheidung für eine
Tätigkeit (Lehre) in der Erwachsenenbildung aus. Bei zwei der vier
untersuchten ErwachsenenbildnerInnen spielen Vorbilder, d.h. Lehrende in der
Erwachsenenbildung, eine Rolle.
- Ein
weiterer Grund für den Einstieg in die Lehre in der Erwachsenenbildung,
der bisher nicht untersucht wurde, könnte ein früherer Wunsch,
LehrerIn zu werden, sein. Dies trifft bei W39, W54 (die dann auch Lehrerin
wurde) und M53 zu.
HYPOTHESE
9: BRUGGER: Persönlichkeitsbedingte (Autoritätsprobleme) Entscheidung
für die Lehre in der Erwachsenenbildung
Elisabeth
BRUGGER stößt in ihrer Untersuchung über das Berufsbild von
ErwachsenenbildnerInnen in Österreich auf ...
“(...)
Befragte, deren besonderes Persönlichkeitsmerkmal der Umgang mit
Autoritäten ist. Das Leben dieser Personen scheint eine ganze Kette immer
wiederkehrender ‚Autoritätsprobleme‘ zu sein. In der
Erwachsenenbildung finden sie dafür einen guten Ausweg. Mit dem relativ
großen Freiraum und dem eher geringen Organisationsgrad gelingt es ihnen
hier, ohne zu große Reibungsverluste mit Autoritäten ihre Energie zu
investieren.” (BRUGGER 1991, 94f )
Dies
könnte eine mögliche Antwort auf die Frage sein, warum eine
Entscheidung für die Tätigkeit in der Lehre gerade auf die Lehre in
der Erwachsenenbildung fällt. Um diese Möglichkeit abzuklären,
wird hier postuliert, daß die Entscheidung für die Lehre in der
Erwachsenenbildung aus persönlichkeitsbedingten Autoritätsproblemen
motiviert war.
ERGEBNIS:
- Diese
Hypothese trifft bei zwei der vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen zu. Zu
W39 paßt die Darstellung BRUGGER’s sehr gut, und bei W54 ist es die
(interpretierte) Autoritätsproblematik, die sie von einem weiteren
Aufstieg in der Schule abhält und zu verstärktem Engagement in der
Erwachsenenbildung führt. Es ist tatsächlich der größere
Freiraum, den die Erwachsenenbildung bietet, der den Ausschlag gibt. Allerdings
muß der Begriff Autoritätsproblematik weiter gesehen werden als ihn
BRUGGER intendiert, dieser paßt nur auf W39, bei W54 ist es nicht die
Konflikthaftigkeit der Beziehung, sondern die Konfliktvermeidung von W54, die
sie in den konfliktarmen Freiraum Erwachsenenbildung abdrängt. Viel
weniger ausgeprägt als bei W54 spielt sich Konfliktvermeidung
gegenüber Autoritäten auch bei M53 ab. Er hat ständig
Beziehungen zu Autoritäten, Beziehungen, die aber funktionieren. Die
Erwachsenenbildung bedeutet für M53 einen Schritt zu mehr
Individualität und Eigenverantwortung. Es kristallisiert sich also das
Angebot des größeren Freiraumes als zentrales Motiv für die
Entscheidung für eine Tätigkeit (nicht nur Lehre) im Rahmen der
Erwachsenenbildung heraus. Weiter ausdifferenziert wird die Bedeutung von
Autoritätsproblematiken im Sinne BRUGGERs, wenn die Beziehung von M42 zu
Autoritäten herangezogen wird. Diese ist nämlich über weite
Strecken konfliktreich, allerdings mit einem gewissen Anteil an
Konfliktinszenierung, die eher die Nähe als die Distanz zu
Autoritäten provozieren will.
- W54
ist die einzige ErwachsenenbildnerIn, bei der die dieser Hypothese implizite
Polarisierung Lehre in der Schule oder Lehre in der Erwachsenenbildung
einigermaßen zutrifft – einigermaßen, denn in der Schule
lehrt W54 schon und dort hätte sie Verwaltungstätigkeit, nicht noch
mehr Lehre angestrebt. Prinzipiell betrachtet hätte sich von den
Ausbildungsvoraussetzungen ausgehend eine Entscheidungssituation zwischen Lehre
in der Schule oder Lehre in der Erwachsenenbildung noch bei M53 und M42 ergeben
können – aber freilich nicht ergeben. Die Polarisierung von Lehre in
der Schule oder Lehrer in der Erwachsenenbildung erscheint also für die
Entscheidungssituation nicht “passend”.
W39:
Autoritätsproblematik vorhanden
Die
Beschreibung Elisabeth BRUGGERs über die persönlichkeitsbedingten
Autoritätsprobleme paßt recht gut zu W39. Das Thema “meine
Ruhe haben - Autonomie” beschreibt diese Tendenz, die sich etwa im
Konflikt im Heim und der Oberschule äußert, der dann zu W39’s
Schulabbruch führt (vgl. 72-79). Ihre Erklärungen zur Wichtigkeit von
1968 (vgl. 360-379), gefaßt im Motiv “sonst könnte man sich
nichts erlauben, nur Arbeiten gehen und Dressiertsein”, unterstreichen
dieses Autonomiebestreben noch einmal. Allerdings ist bei W39 kein direkter
Vergleich zwischen der Lehre in der Schule und der Lehre in der
Erwachsenenbildung möglich, da sie ohne die entsprechende Schullaufbahn
keinen Zugang zur Lehre in der Schule hatte, für W39 hat sich deshalb auch
nie eine diesbezügliche Entscheidungssituation ergeben.
W54:
Konfliktvermeidung als inverse Autoritätsproblematik
Die
Hypothese der persönlichkeitsbedingten Autoritätsprobleme trifft bei
der Entscheidung von W54 für die Erwachsenenbildung bzw. die Lehre in der
Erwachsenenbildung zu, allerdings nicht ganz im Sinne von Elisabeth BRUGGER,
die damit wohl Konflikte mit Autoritäten meint, welche auf eine geringe
Bereitschaft sich anzupassen zurückgeführt werden können.
W54’s Problem mit Autoritäten resultiert nicht aus ihrer geringen
Anpassungsbereitschaft, sondern gerade aus dem Versuch, Konflikte mit
Autoritäten zu vermeiden. Aus der Themen-Interpretation und auch aus
W54’s expliziten Aussagen ergibt sich, daß die
Aufstiegsbemühungen, die von W54 als “verstecktes Aufsteigen”
(Thema) betrieben werden, nicht zum Ziel führen.
529
(...) in diesen
530
Bereichen, etwa so (veränderter Tonfall) [Organisation 1] oder äh
531
ja wo man so dieses ähh schwerpunktmäßig das hätte nutzen
können,
532
da hab’ ich nicht die Möglichkeit gehabt einzusteigen (...)
W54
setzt ihre Berufslaufbahn nicht als Grundschuldirektorin oder in Orgaisation1
fort, sondern weicht auf die Erwachsenenbildung aus und beschließt mehr
als zehn Jahre nach ihrem Einstieg in die Erwachsenenbildung einen
nebenberuflichen Volleinstieg in die Erwachsenenbildung. Bei W54 handelt es
sich also um 2 Entscheidungssituationen, die erste für den Einstieg (siehe
oben) in die Erwachsenenbildung, die zweite für den nebenberuflichen
Volleinstieg. Zutreffend ist die Hypothese der persönlichkeitsbedingten
Autoritätsprobleme bei dieser zweiten Entscheidungssituation. W54’s
Erklärungen für die nicht gelungene Realisierung der geplanten
Karriere sind im Motiv “nicht Schulbereich - Begründung” bzw.
im Leitmotiv “Leistung: Aufholplafond sich erklären,
Alterskonsolidierung” gefaßt und lauten u.a.:
532
(...) woran es
533
genau gelegen ist hab’ ich eigentlich nicht so stark . analysiert,
534
aber sicher äh auch weil doch äh oft der der starke uhm .
535
Konkurrenzkampf oder was weiß ich ein Brotneid, dem war ich nicht
536
gewachsen also da irgendwo, dann kann aber auch ein bißchen die
537
diese persönliche äh Neigung für mi ich tue mich schwer im Team
zu
538
arbeiten . und vielleicht hat mich das auch ein bißchen abgehalten
539
in so äh Gremien oder Vereine oder Verbände zu gehen, wo man ganz
540
stark immer mit Sitzungen und nocheinmal Sitzungen, das ist für
541
mich äh das hab’ ich immer schon angesehen als eher so ein
542
Zeitstehler oder Zeitvergäuder (...)
Hier
wird dagegen postuliert, daß es sich bei den nicht erfüllten
Berufslaufbahnvorstellungen um eine Selbstbeschränkung von W54 handelt,
die mit der hier ebenfalls postulierten Figur des männlichen Mentors und
Entscheiders im Leistungsvergleich mit ihrer Schwester zusammenhängt
(Oberthema “Leistung: als Jüngste Aufstieg bis zur
Selbstbeschränkung”). W54 beläßt die Entscheidung
über ihre Leistungsfähigkeit auch nach ihrem Sieg im Konkurrenzkampf
mit ihrer Schwester (vgl. 213-214) diesen männlichen Mentor-Figuren, etwa
wenn es um den Volleinstieg in die Erwachsenenbildung geht.
370
(...) und da hab’ ich dann wieder eine Person
371
erlebt, die mich so hineingeschubst hat in diesen äh Bereich oder
372
mir da mehr an Fähigkeiten zugetraut hat als ich mir eigentlich
373
selbst .. (...)
Es
wird hier nun angenommen, daß W54 sich in ihrer Berufslaufbahn selbst
beschränkt, da sie mit dem Erreichen der angestrebten Positionen auch in
Auseinandersetzung mit diesen Figuren hätte treten müssen. Den
Hinweis dazu gibt eine weiter Begründung von W45 für ihr Abkommen von
der von ihr vorgestellten Berufslaufbahn.
517
(...) es hätte mich schon gefreut
518
wirklich im Schulbereich in irgendeiner Institution äh äh
519
mitzuwirken, aber dazu hab’ ich eigentlich, ja wenn ich so sagen
520
kann zuwenig . Ellbögen gehabt, oder zu . ja ich hab da vielleicht
521
auch zuwenig mich angeboten oder zuwenig, jedenfalls ich bin nie
522
gefragt worden und bin da nicht zum Zug gekommen (...)
M53:
keine Autoritätsproblematik (ehre Nähe zu Autorität)
Eine
persönlichkeitsbedingte Autoritätsproblematik im Sinne von Elisabeth
BRUGGER ist bei M53 nicht auszumachen und spielt deshalb auch bei der
Entscheidung für die Tätigkeit in der Erwachsenenbildung keine Rolle.
Das Thema “Erlaubnis / Bedingungen + Rechenschaft” beschreibt das
Verhältnis von M53 zu Autoritäten, und verweist eher auf einen
besonders unproblematisches Verhältnis zu Autoritäten. Dieses
Verhältnis bleibt unproblematisch, auch wenn ihm M53 mit der
Tätigkeit als Diözesanassistent Freiräume abzugewinnen beginnt,
die nicht mehr von Autoritäten kontrolliert werden.
715
(...) der [Organisation 1] ist
716
für mich der Arbeitsbereich, aber das ist ein Arbeitsbereich der
717
abgesteckt ist von mit mit ein paar Statuten aber im übrigen
718
schwimmt es und da sehe ich für mich selber äh eine riesige .
719
Befreiung und Freiheit, ich kann selber auch mitreden
720
mitentscheiden, wir können es so machen wir können es auch anders
721
machen es ist auch viel mehr ein Experimentierfeld weil ich, und
722
auch der [Organisation 1] wir sprechen ja nie im Namen der Kirche
723
. ich bin der geistliche Assistent des [Organisation 1] ich muß
724
das verantworten mir gegenüber den Mitgliedern des [Organisation
725
1] aber ich bin nicht einer der der sagen kann ich spreche im
726
Namen der Katholischen Kirche deswegen ich habe viel mehr Freiheit
727
zu experimentieren zu probieren und, in einem Laienverband in
728
einem Laienverband ist die Aufgabe eines Priesters wie gesagt eine
729
sehr relative weil die Hauptaufgabe müssen ja die anderen die
730
Laien selber machen, nur ich habe die Aufgabe und die Möglichkeit
731
zu animieren . äh und was ich dann was ich dann einbringe in den
732
[Organisation 1] das kann ich selber entscheiden ich muß nicht den
733
Bischof fragen und das ist für mich interessant (...)
Wobei
eine andere Textstelle (vgl. 655) diese Entscheidungsfreiheit ein wenig
relativiert. Man könnte hier feststellen, daß der von Elisabeth
BRUGGER beschriebene “relativ große Freiraum” und “eher
geringe Organisationsgrad” in der Erwachsenenbildung von M53 für
eine Entwicklung von der Autoritätsverbundenheit zur Individualisierung
genutzt wird (Oberthema “von ausfüllen / Rechenschaft zu erfinden /
Eigenverantwortlichkeit”). Bei M53 kann hier eine Entwicklung von der
“vormodernen” Ursprungsfamilie bis zur “postmodernen”
Individualisierung aufgezeigt werden – wenn auch der Aspekt von
Biographie und Organisation Kirche hier nicht beleuchtet wird.
M42:
keine Autoritätsproblematik (eher Nähe zu Autorität)
Eine
persönlichkeitsbedingte Autoritätsproblematik im Sinne BRUGGERs ist
bei M42 nicht vorhanden und deshalb auch kein Grund für die Lehre in der
Erwachsenenbildung. Männliche Vaterfiguren sind zwar ein wichtiges Thema
bei M42, und die Autonomie von Autoritäten ist auch ein durchgängiges
Thema (“Konfrontation mit Autorität suchen”), das wichtige
Thema “Gunst gewinnen des Vaters, als Jüngster” steht aber
für die starken Annäherungsbemühungen an väterliche
Autoritäten. Zu viel “Freiraum” in Bezug auf Autoritäten
ist – trotz des manchmal gegenteiligen Eindrucks – nicht die Sache
von M42.
HYPOTHESE
10: Vorbild für die Entscheidung für Lehre in der Erwachsenenbildung
Ein
weiterer Grund, sich für die Lehrtätigkeit gerade im Rahmen der
Erwachsenenbildung zu entscheiden, könnte in der Existenz eines Vorbildes,
eines / einer lehrenden ErwachsenenbildnerIn, bestanden haben. Um diese
Möglichkeit abzuklären, wird hier postuliert, daß die
Entscheidung für die Lehre in der Erwachsenenbildung durch ein Vorbild
motiviert war. Vorbild meint in diesem Zusammenhang physisch anwesende Personen.
ERGEBNIS:
Das
Vorbild von ErwachsenenbildnerInnen kann eine Vorbildfunktion haben, die in der
Situation der Entscheidung für die Lehre in der Erwachsenenbildung eine
Rolle spielt. Bei zwei (W39, W54) der vier untersuchten ErwachsenenbildnerInnen
trifft diese zu, wobei diese Vorbildfunktion von diesen beiden
Erwachsenenbildnerinnen nicht explizit aufscheint, aber doch sehr
wahrscheinlich ist. Bei W39 hatte der (von ihr geschätzte) Keramiklehrer
diese Vorbildrolle, bei W54 waren es die eigenen Eltern, die beide Lehrer und
Erwachsenenbildner waren, und deren Erwachsenenbildnertätigkeit in der
Erinnerung von W54 noch lebendig ist. Bei W54 lassen sich sogar gewisse
Parallelen im Selbstverständnis der Erwachsenenbildnertätigkeit
zwischen ihren Eltern und ihr selbst erkennen.
W39:
Vorbild Lehrer des Gegenstandes
Wie
bei der letzten Hypothese schon festgestellt, hat sich für W39 nie eine
Entscheidungssituation zwischen Lehre in der Schule oder Lehre in der
Erwachsenenbildung ergeben, deshalb kann für eine solche
Entscheidungssituation auch nach keinem beeinflussenden Vorbild gesucht werden.
Und wie schon bei der Hypothese 6 über die ursprünglich nicht
gekannte Option der Tätigkeit in der Erwachsenenbildung festgestellt,
taucht der Entschluß zur Tätigkeit in der Erwachsenenbildung
ziemlich plötzlich und außerhalb aller bisher geäußerten
Tätigkeitswünsche auf. Für die Entscheidung (bei unbekannter
Entscheidungssituation) der Tätigkeit im Rahmen der Erwachsenenbildung
kann allerdings schon der Einfluß eines Vorbildes angenommen werden, und
zwar des Keramiklehrers von W39.
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W39: Ja da habe ich schon mit der Keramik angefangen und auch
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total guten Lehrer gehabt in [Stadt 1], der hat so ein Laboratorium
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gehabt, wo man gekonnt hat hingehen und der hat mir dann einfach
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den Schlüssel gegeben und gesagt, ich soll das tun, was ich will
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I: Mhm
200
W39: Dann habe ich praktisch arbeiten gekonnt, wie mir das gepaßt
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hat (...)
W54:
Vorbild Eltern (auch für Stil als Erwachsenenbildnerin)
Wie
schon bei der Bearbeitung der Hypothese 6 “Entscheidung für
Erwachsenenbildung: Erwachsenenbildung war ursprünglich keine
Tätigkeits-Option” festgestellt, war für W54 eine
Tätigkeit im Erwachsenenbildungsbereich bzw. in der Lehre in der
Erwachsenenbildung sicher keine sehr fernliegende Vorstellung, hat sie doch
schon in der Vorschulzeit die Eltern in der Erwachsenenbildung, konkret bei
Musikkursen, tätig erlebte.
54
(...) und dann erinner’ ich mich auch daß
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äh in unserem Elternhaus nicht nur jetzt so Lehrer Zusammenkünfte
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sondern auch ein eigener Raum bestimmt war, wo auch Kurse
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abgehalten worden sind, die jetzt nicht für Lehrer sondern äh
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Musik kurse für äh angehende Sänger für Musikanten so
äh Noten
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lernkurse, und da haben sich eben auch diese jungen Leute . ich
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weiß jetzt nicht mehr in welchen Abständen in diesem
größeren Raum
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da getroffen und ich sehe da heute noch meine Eltern äh die eben
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an der Tafel da die die Leute da dieses Notenlesen und dieses
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Vomblattsingen gelehrt haben und wir als Kinder haben teilweise
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dürfen da dabei sitzen und zuschauen (...)
Die
Entscheidung von W54 ist deshalb sicher auch durch die Vorbildfunktion ihrer
Eltern als Erwachsenenbildner mit-motiviert gewesen. Darüber hinaus
scheint die Vorbildfunktion der Eltern nicht nur bei der Entscheidung für
die Lehre in der Erwachsenenbildung eine Rolle zu spielen, sondern auch
für die Art des Selbstverständnisses in der Ausübung dieser
Tätigkeit. Die Beschreibung von W54’s Elternhaus gibt Anlaß,
dieses als eine Art kulturelles Zentrum der Gegend1 zu betrachten . Dies ist
gefaßt im Thema “Treffpunkt im Elternhaus - kulturelles Zentrum
sein” bzw. im Oberthema “Ursprungsfamilie: besser als andere und
kulturelles (Bildungs)Zentrum sein”, und setzt sich in der eigene
Tätigkeit in der Erwachsenenbildung, dann als Themen “mit
Erwachsenenbildung überall hinkommen”, fort.
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(...) und so bin ich äh ja
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von äh vom äußersten Vinschgau bis ins äußerste
Pustertal, von
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Hauptorten bis in die kleinsten Nester, überallhingekommen (...)
Manchmal,
wenn W54 den Kontakt der Erwachsenenbildungsorganisationen beschreibt (vgl.
etwa 426-429) oder von ihren prominenten Rhetorikschülern erzählt
(nicht auf Band aufgenommen), bekommt man den Eindruck, daß W54 ihre
Erwachsenenbildungstätigkeit als öffentliche Funktion sieht
(Oberthema “öffentliche Funktion”).
M53:
kein Vorbild
Die
Entscheidung für die Tätigkeit und speziell die Lehrtätigkeit in
Rahmen der Erwachsenenbildung hat M53 nicht aufgrund eines Vorbildes getroffen.
Erwachsenenbildung kommt im lebensgeschichtlichen Gespräch bis zum
Zeitpunkt des Angebots der Tätigkeit in Oranisation1 (vgl. 106-107,
433-439) nicht vor.
M42:
kein Vorbild
Aus
dem lebensgeschichtlichen Interview ist kein Vorbild für die
Lehrtätigkeit von M42 in der Erwachsenenbildung auffindbar. Wie weiter
unten bei der Hypothese 15 “Ausweitung auf benachbarte Gebiete”
beschrieben, wird für M42 später dann die Lehre in der Schule
attraktiver als die Lehre in der allgemeinen Erwachsenenbildung, und für
die Lehre in der Schule ließen sich Vorbilder im Oberschuldirektor und in
geschätzten Universitätsprofessoren finden (Motiv “Sympathie,
Ehrfurcht für [manche] Autoritäten”). Was seine Tätigkeit
in der beruflichen Erwachsenenbildung in Ergänzung zu seiner
Betriebsberatertätigkeit betrifft, schildert sich M42 sogar als Neuerer.
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(...) und heute
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äh, bin ich mehr denn je überzeugt daß meine Entscheidung,
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Ausbildner und Berater gleichzeitig zu sein wahrscheinlich die
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Entscheidung schlechthin war für mich denn im restlichen Europa
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war es bis vor fünf Jahren verpönt, daß du Berater bist und
äh
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Ausbildner, und jetzt merke ich daß immer mehr Berater zu
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Ausbildner sich entwickeln weil sie merken daß sie eigentlich nur
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beraten können wenn sie Leute bewegen (...)
© 1998 