Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.
Themenfindung
und Zustandekommen des Samples
Wie
schon unter “Methodenwahl” beschrieben, stand für mich die
Methode dieser Diplomarbeit schon vor dem Thema fest. Wichtig war mir vor allem
die Auseinandersetzung mit Biographien. Zuerst wollte ich Biographien von
älteren Südtirolern bearbeiten. Der Ort meiner Untersuchung, die
geographische Umgebung der von mir untersuchten Biographien sollte jedenfalls
Südtirol, die Region, aus der ich stamme und zu der ich ansonsten eine
gewisse Distanz halte, sein. Dorthin als “Wissenschaftler”, als
Quasi-Akademiker, zu fahren war eine neue Erfahrung für mich, die ich
suchte. Ein drittes Moment bei der Themenwahl war der Praxisbezug meiner
Untersuchung. Für mich selbst hätte jedes von mir gewählte Thema
schon an sich den Nutzen des Beschäftigtseins mit einem mich
interessierenden Gegenstand (Gegenpol: am Fließband einer Fabrik
arbeiten) gehabt, falls sich dazu aber auch noch aus meiner Arbeit ein Nutzen
für jemand andern ergeben hätte, wäre mir das sehr willkommen
gewesen - die Arbeit wäre mir irgendwie “wertvoller”
vorgekommen. Mein erster Versuch meiner Diplomarbeit mehr Nutzen zu verschaffen
scheiterte am Forschungsverständnis der kontaktierten Organisation:
quantitative Forschung interessierte mich nicht. In meinem zweiten Anlauf
folgte ich dem Tip von Dipl.-Phys. Heinz BLAUMEISER und kontaktierte Dr.
TOMPEDELLER vom Amt für Weiterbildung der Südtiroler Landesregierung,
der mir das Thema “Lernbiographien [Lernbiografien] von
Erwachsenenbildnern” vorschlug. Bei diesem Thema blieb ich dann, waren
doch damit die Themen Biographie, Südtirol und die biographische Methode
angesprochen. Daß die zu untersuchende Personengruppe nicht mehr alte
Menschen waren – eine symbolische Suche nach der Geschichte meiner Eltern
wäre ein dabei dahinterliegendes Motiv – , sondern
Erwachsenenbildner war nicht weiter störend, versprach die
Auseinandersetzung mit Erwachsenenbildnern doch ein gewisses Weiterkommen bei
der Frage nach meiner Tätigkeit nach dem Ende meines Studiums. Dinge wie
Lehre und die Kompetenz dazu, wie das Interessante an einer Arbeit versus
Organisationszwängen von Arbeitsstellen usw., spielen dabei eine Rolle.
Zu
Beginn der Arbeit standen folgende Vorstellungen: Die
Anzahl
der zu untersuchenden Personen sollte möglichst hoch sein, um doch mehr
als nur eine Aussage über einen Einzelfall machen zu können, sie
sollte aber auch bewältigbar bleiben; beide
Geschlechter
sollten vertreten sein. Allerdings entwickelten sich erst während dem
Suchen der InterviewpartnerInnen genauere Vorstellungen. Die Anzahl von vier
InterviewpartnerInnen war ein Kompromiß zwischen der möglichst
großen bewältigbaren Anzahl von Interviewpartnerinnen – drei
schienen mir hier sinnvoll – und dem Wunsch, die Geschlechter in der
gleichen Anzahl vertreten zu haben. Im nachhinein muß ich allerdings
sagen, daß ein einziger Fall auch schon genügt hätte, um eine
Diplomarbeit zu verfassen. Bezüglich dem
Alter
der InterviewpartnerInnen stellte sich nach dem dritten gefundenen
Interviewpartner eine Verteilung der Lebensalter von zwei Personen in den
Anfängen ihrer 50er Jahre und einer Person mit knapp 40 Jahren heraus. Es
lag also nahe, den fehlenden Interviewpartner auch um das vierzigste Lebensjahr
herum auszusuchen, um auch in der Altersverteilung eine gewisse
Regelmäßigkeit zu haben.
© 1998 