Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.
Methodenwahl
Die
Wahl der qualitativen Methode für diese Diplomarbeit war zu einem
Großteil wahrscheinlich schon 1991 mit der Wahl des Studiums entschieden.
Jene Wahl fiel damals auf ein Pädagogikstudium am Institut für
Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck. Hätte ich mich
für Psychologie in Innsbruck entschieden, dann wäre die Methode
dieser Diplomarbeit wahrscheinlich die quantitative. Aber nicht einmal mein
Studium habe ich so richtig ausgewählt, damals drängte ich einfach
nur an die Universität und folgte einer Freundin –
Pädagogikstudentin – an den Ort, an dem diese war. Die Wahl der
biographischen Methode geschah, als im Lehrveranstaltungsangebot des Instituts
für Erziehungswissenschaften eine Lehrveranstaltung angeboten wurde, deren
Beschreibung die Reizworte “qualitative Methode”,
“Biographie” und “alte Menschen” enthielt. Die
qualitative Methode wurde am Institut propagiert, Biographie interessierte mich
(weil sich für mich die “Normalbiographie”
[1]
(ALHEIT, BECK) Schule, Ausbildung, Arbeit, Familie ... nicht ergeben hat) und
die theoretische Auseinandersetzung mit alten Menschen war ein Ersatz für
einen nicht geführten Dialog mit meinen Eltern. Bei dieser
Lehrveranstaltung von Heinz BLAUMEISER lernte ich im speziellen die
Datenerhebungsmethode des narrativen Interviews – und nur diese –,
und wurde im allgemeinen ausgestattet für eine Forschung, wie es diese
Diplomarbeit ist. Ich hatte das Nötige bekommen, und so stand schon lange
fest, daß die Methode für diese Diplomarbeit sein würde:
qualitativ, biographisch und narrativ – lange vor der Wahl des Themas.
Seit der Kenntnis der qualitativen Forschungsmethode stand für mich auch
fest, daß es keine Literaturarbeit, sondern eine Arbeit mit Interviews
sein sollte. Prinzipiell wäre es mir natürlich auch möglich, die
Methode für diese Diplomarbeit ausschließlich nach Kriterien der
Angemessenheit für das Diplomarbeitsthema aus der ganzen Palette der
sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden auszuwählen. Das hätte
u.U. aber zur Konsequenz, daß ich mir die quantitative Methode aneignen
müßte und dabei speziell die statistischen Werkzeuge, denn mehr als
eine allgemeine Einführung bei MELEGHY habe ich davon nicht. Ich halte
mich aber doch lieber an Umberto ECOs Faustregeln für das Schreiben einer
wissenschaftlichen Abschlussarbeit, die u.a. lauten:
“Die
methodischen Ansprüche des Forschungsvorhabens müssen dem
Erfahrungsbereich des Kandidaten entsprechen.” (ECO 1992, 15)
ECO
hilft mir dabei, meinen Anspruch des methodischen Universalismus
zurückzudrängen auf die Vertiefung dessen, was ich schon kann.
Dieser
Verzicht auf Vollständigkeit schlägt zur Zeit bei mir sogar in eine
Lust um. Es geht um die Wertschätzung jener, mit noch wenigen und
einfachen Werkzeugen bestückten aber für eine Anwendung
vollständigen methodischen Werkzeugkiste. Es geht um die
Wertschätzung des Ausgestattetwerdens mit eine solchen Werkzeugkiste, es
geht um die Erlösung aus der aus individualistischer Sicht hochgehaltenen
unbegrenzten Wahlfreiheit. (Welche Literatur aus der themenspezifischen soll
ich heranziehen? Wie tief soll die Methode fundiert werden? Wo darf ich
aufhören zu suchen und beruhigt sagen: das reicht, das ist genug.) Die
unter “Methodologisches” vorgenommene Verortung meiner methodischen
Ausstattung im nunmehr im mit ECO mir verbliebenen Bereich der qualitativen
sozialwissenschaftlichen Methoden entspricht deshalb eher dem Bedürfnis,
meine methodische Ausstattung in ihren speziellen Eigenschaften im Vergleich zu
anderen qualitativen Methoden erkennen zu können, aber nicht, um eine
Diskussion der Angemessenheit der Methode für das Thema der Diplomarbeit.
Die ausschließliche Anwendung meiner methodischen Ausstattung ist schon
beschlossene Sache. Zu schön ist die Sicherheit, die sie bietet.
Nicht
dargestellt ist hier die historische Perspektive der Methodologie, der
Entwicklung und Entwickler der Methoden, der methodische Austausch mit den
Nachbardisziplinen Soziologie, Geschichtswissenschaft und Ethnologie. Dies
würde den Rahmen dieser auswertungsbezogenen Arbeit sprengen.
[1]
“Biographie ist zweifellos nicht die triviale Abfolge kontingenter
Lebensereignisse, sondern eine in wesentlichen Teilen vorgegebene soziale
Struktur, die von den Individuen aktualisiert werden muß. Dazu
gehören Aspekte der Verzeitlichung und Chronologisierung: Biographien
verlaufen in verschiedenen Phasen; und diese Phasen folgen im wesentlichen dem
chronologischen Lebensalter. Sie begründen eine Art Orientierungsmuster,
das als ’Normalbiographie‘ bezeichnet werden kann.” (ALHEIT
1990, 14)
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