Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.
M53-1,
Lebensgeschichtliches Gespräch (Juli 1997)
1 I: So und ich habe mir das jetzt einfach so vorgestellt äh daß
Sie
2 M53: Ah
3 I: Anfangen zu erzählen . von Ihrem Elternhaus weg
4 M53: Mhm
5 I: Von Ihrer Kindheit weg einfach sozusagen Ihr Leben durch da
6 können Sie vorgehen ähm Jahr für Jahr oder Jahrzehnt
7 M53: Jaja
8 I: Für Jahrzehnt oder Sie können nach vorne springen oder nach
9 hinten springen äh, bis wir sozusagen den ganzen Lebenslauf im
10 Großen und Ganzen durch haben ich habe Sie eben deswegen äh nach
11 Ihrem Alter gefragt damit ich mir da schon so ein Dings
12 (Zeitleiste) machen kann
13 M53: Mhm
14 I: Äh dann kann ich während Sie erzählen sozusagen da
eintragen
15 diesen Teil haben wir schon
16 M53: Mhm
17 I: Und zum Schluß frage ich sie noch zu den letzten Stücken (auf
18 der Zeitleiste) die übrigbleiben
19 M53: Jaja
20 I: Weil deswegen habe ich Sie nach dem Alter gefragt schon
21 M53: Mhm
22 I: Daß ich das vorbereiten kann schon damit ich das vorbereiten
23 kann äh . und was ist noch zu sagen was ist für mich wichtig? .
24 alles, also sozusagen, also sozusagen es es kommt mir nicht auf
25 auf auf besondere Sachen drauf an, es kommt mir sozusagen auf ganz
26 auf die normalen, alltäglichen Dinge drauf an gel also
27 M53: Mhm ja also in meinem Leben ist ist es ganz normal
28 zugegangen, nix keine besonderen Offenbarungen gehabt sondern
29 I: Genau auf solche Sachen, und ich werde jetzt aufhören zu reden
30 .
31 M53: Mhm
32 I: Und Sie einfach bitten . anzufangen . in der Geschwindigkeit in
33 der Sie möchten
34 M53: Ja
35 I: Bitte
36 M53: Ja ich bin geboren auf einem, kleinen Bergbauernhof . der
37 Vater hat, so einen kleinen Hof gehabt und den hat er mit der
38 Mutter und dann mit uns Kindern, bewirtschaftet, das war ein
39 kleiner Hof auf sechzehnhundert Meter und darüber hinauf, und ich
40 kann mich halt erinnern wir haben halt alle zusammenarbeiten
41 müssen wir haben im Sommer alle Kinder mit den Eltern auf dem Hof
42 den Feldern gearbeitet, um eben soviel zusammenzubringen daß,
über
43 die Kühe und die Kälber die der Vater gehabt hat und den Schafen
44 daß wir überlebt haben wir waren, sechs Kinder sind wir, aber
drei
45 Kinder sind schon klein an Krankheit und so gestorben damals, also
46 praktisch wären wir neun Kinder gewesen übriggeblieben sind dann
47 von klein auf eben sechs . und dann war es ja bin ich dort in die
48 im Dorf in die Volksschule gegangen, so wie alle . dort war noch
49 eine Schule nur mit drei Klassen sodaß man bestimmte Jahre
50 wiederholen mußte und die Volksschule bestand darin eben, vom
51 sechsten Jahr an bis vierzehn Jahre also praktisch waren . fünf
52 Klassen aber mit den fünf Klassen mußte man zurechtkommen bis
53 vierzehn Jahren sodaß man eben einige Jahrgänge wiederholen
mußte
54 . dann natürlich der Hof ist klein gewesen und es war auch nicht
55 Beschäftigung für alle, sodaß . zum Beispiel die Eltern
auch der
56 Meinung waren eben . äh alle dürften sowieso nicht auf dem Hof
57 bleiben und jeder müßte schauen, sich irgendwo einen Beruf zu
58 erlernen oder . und so weiter und dann . ich bin halt einer
59 gewesen der, sagen wir zum Unterschied vielleicht von den
60 Geschwistern manchen Geschwistern ich bin halt nicht ungern in die
61 Schule gegangen, und mir hat Schulegehen mehr gepaßt vielleicht
62 als . einigen meiner Geschwistern, und auf das hin nachdem ich
63 nicht äh notwendig war oder alle waren am Hof ja nicht notwendig .
64 habe ich jaja haben halt auch die Eltern gemeint vielleicht .
65 studieren gehen, und das Studierengehen war damals ich bin nämlich
66 aus ladinischen Tälern, das Studierengehen hieße irgendwo die
67 Mittelschule machen, und damals haben die Eltern selber auch nicht
68 viel gewußt wo das ist wie das ist, hat man sich halt damals,
69 haben sie sich an den Pfarrer gewandt und der Pfarrer hat dann
70 halt gemeint es gibt in [Stadt 1] eine Schule [Schule 1] und das
71 wäre eine Schule wo man ohne weiters so einen so einen Bub hin hin
72 . hinbringen könnte weil, dort ist alles ein bißchen geregelt
und,
73 weil die Eltern selber waren ja nie weit weg vom vom Dorf und so .
74 sagen wir jaja, außer der Vater im Krieg aber sonst haben sie
75 wenig Ahnung gehabt, was das ist deswegen waren sie auch
76 angewiesen auf den Pfarrer der Pfarrer hat halt diese Adresse
77 angegeben, und damit bin ich praktisch . ja am gegen Ende der
78 Volksschule bin ich dann in die Mittelschule nach [Stadt 1]
79 gekommen ins [Schule 1] . und habe dann dort angefangen, ja zu
80 studieren oder wie soll man sagen erstens die Mittelschule zu
81 machen, mit viel Mühe, weil wir Ladiner haben ja ganz wenig
82 Deutsch gelernt daheim in der Volksschule sodaß, eben die ersten
83 Jahrgängen waren ja sehr schwierig . dann habe ich die
84 Mittelschule gemacht das Gymnasium und Lyzeum, im [Schule 1], hab
85 dann die Staatsmatura gemacht da in [Stadt 2], weil damals war das
86 [Schule 1] noch nicht, staatlich anerkannt und dann mit der
87 Staatsmatura dann überlegt was ich . machen könnte, für mich
88 persönlich so habe ich Interesse gehabt so vielleicht an, an
89 Sprachen, und vor allem an Unterricht, dann war eben das Problem
90 soll ich da, Lehrer werden oder, und, nicht ungern habe ich
91 studiert dann habe ich mir gedacht jetzt weiterstudieren tue ich
92 auf alle Fälle und dann schließlich und endlich habe ich mich
dann
93 entschieden . ins Priesterseminar, wenigstens zu anzufangen mit
94 Philosophie, ja dann habe ich zwei Jahre Philosophie gemacht dann
95 hat es mir recht gut gepaßt habe auch Theologie gemacht, habe mich
96 dann später auch entschieden Priester zu werden, bin dann siebzig
97 Priester geworden, dann nach der Priesterweihe, habe ich so ein
98 Einführungsjahr ein Pastoraljahr gemacht und dann später bin
ich .
99 an zwei Orten in Südtirol Kooperator gewesen, sieben Jahre lang .
100 und nach sieben Jahre Kooperator habe ich die Gelegenheit äh,
101 bekommen weiterzustudieren, dann habe ich mich entschieden eben
102 einmal, die Seelsorge zu lassen und, ein Spezialstudium zu machen,
103 bin dann nach [Stadt 7] gegangen an der [Universität 1] und habe
104 dort, Sozialwissenschaften studiert und, mit dem Doktorat
105 abgeschlossen . und nach dem, eben Universitätsstudium bin ich
106 zurückgekommen, in die Diözese und dann habe ich die Stelle
107 bekommen im [Organisation 1] als Diözesanassistent, bin eben seit,
108 dem im [Organisation 1] tätig als Diözesanassistent und
109 hauptsächlich beauftragt eben für die, Bildung auch im
110 [Organisation 1] ... mhm ja, jetzt was die die Tätigkeit im
111 [Organisation 1] für mich besteht eben darin daß ich Zeit mir
Zeit
112 nehme regelmäßig zu lesen oder zu studieren Zeitschriften oder
113 auch so oder . auch bestimmte Kurse zu besuchen oder Weiterbildung
114 und dann was ich kann oder was ich lerne oder was, lerne ich zum
115 Beispiel auch . gezielt eben für meine Position im [Organisation
116 1] weil ich ja oft . reden muß, ich habe viel viel, Kontakt mit
117 Leuten eben in den Leitungsgremien des [Organisation 1], dann vor
118 allem in den Ortsgruppen und, meine Aufgabe ist eben, Bildung und
119 religiöse Bildung Glaubensbildung Glaubensschulung, dann auch zum
120 Beispiel die, innerhalb der Christlichen Soziallehre, und nachdem
121 ich eben als Priester oder Theologe und Soziologe . versuche eben
122 Analysen zu machen über unsere Gesellschaft Zeit Welt der Arbeit
123 und dann eben . propositiv etwas vorzuschlagen aufgrund von . eben
124 von Ideen der Soziallehre der Kirche . bin dann tätig in
125 Konferenzen Kursen, dann Referaten und, eben Dom-[Organisation 1]
126 und auch im [Organisation 2] . schreibe regelmäßig für die
127 [Organisation 1]-Zeitung . ich bin dann auch tätig bei der RAI
für
128 die für ladinsiche Sendungen, mache ich so regelmäßig
auch ...
129 jaja bin auch für die Diözese oder in der Diözese oder so
auch für
130 bestimmte Fragen der . Pastoral der Welt der Arbeit so zuständig
131 ... ja sagen wir das, das ist in groben Zügen so ein bißchen
der .
132 sagen wir der Lebenslauf
133 I: Mhm .. da habe ich eine eine leichte Unsicherheit also die
134 Volksschule die hat äh fünf Klassen gehabt offiziell hat aber
äh
135 M53: Na Klassen . Klassen es waren praktisch nur zwei Lehrer zwei
136 Lehrerpersonen
137 I: Mhm
138 M53: Eine Lehrperson hat zum Beispiel die erste und die zweite
139 Klasse gehabt, dann haben wir müssen, die zweite Klasse zum
140 Beispiel zwei Jahre machen, dann sind wir in die nächste, sagen
141 wir so in die nächste Stufe hineingekommen, da haben wir eine
142 andere Lehrperson die hat dann die dritte vierte fünfte, aber
143 natürlich in der Dritten oder Vierten oder Fünften mußte
man auch
144 jeweils zwei Jahre . bleiben, damit man mit vierzehn . Jahren die
145 Volksschule fertig gehabt hat
146 I: Mhm
147 M53: Waren nur zwei Lehrpersonen
148 I: Mhm
149 M53: Deswegen mehrere Klassen zusammen, und das war nicht so daß man
150 zum Beispiel, das erste Jahr macht und dann durchkommt und dann
151 kommt man in die Zweite durchkommt kommt man in die Dritte, das
152 ist auch wenn man durchgekommen ist man hat bestimmte Klassen
153 wiederholen müssen es hat schon vielleicht irgendeine
154 Weiterführung gegeben aber nachdem es nur, zwei Schulräume
gegeben
155 hat zwei Lehrpersonen hat man müssen praktisch von sechsten Jahr,
156 Lebensjahr bis zum vierzehnten diese .
157 I: Mhm
158 M53: Diese zwei Klassenräume durchgehen
159 I: Mhm
160 M53: Diese beiden Lehrpersonen für die niedrigen Klassen und eben
161 für die höheren dann, wer dann zum Beispiel wer wer aber damals
162 als ich noch war sind ganz wenige aus dem Dorf studieren gegangen,
163 waren ein paar Hotelierssöhne oder oder, jaja Söhne von
Hotelieren
164 haben haben sind halt geschickt geworden von den Eltern,
165 irgendeine Schule zu machen . die konnten dann wurden auch von den
166 von den von den Lehrpersonen eher gefördert, weil sie mehr Ansehen
167 gehabt haben, und die haben dann zum Beispiel manche Klassen nur
168 eben nur einmal gemacht und sind früher in die Mittelschule geko
169 gegangen ich bin so ein Bauernsohn gewesen, da war man in jeder
170 Hinsicht benachteiligt, und ich bin halt ich habe halt ein
171 Volksschuljahr ein Volksschuljahr bin ich, befreit worden von von
172 der Lehrperson damit ich in die Mittelschule ein bißchen
früher in
173 die Mittelschule gehen konnte
174 I: Mhm
175 M53: Mittelschule hat es damals bei uns noch nicht gegeben
176 I: Mhm
177 M53: War nur die Volksschule von sechs bis vierzehn Jahren
178 I: Mhm
179 M53: Und im Tal selber hat es ja keine Mittelschulen gegeben bei
180 uns oder keine höheren Schulen man mußte eben ins .
181 deutschsprachige Ausland für uns hinausgehen nicht?
182 I: Mhm das werden für Sie dann ganz oder vielleicht stelle ich mir
183 vor ah ah eine Umstellung gewesen sein so von diesen von diesen
184 gemischten Klassen in der Volksschule, in äh hinein ins ähm
185 M53: Ja die deutsche Mittelschule [Schule 1]
186 I: Ins äh [Schule 1]
187 M53: [Schule 1] Mhm ja das waren zwei ganz, schulmäßig oder
188 ausbildungsmäßig waren das riesige Unterschiede weil, ich ich
habe
189 nichteinmal, ich habe zum Beispiel nichteinmal die Schulfächer
190 sagen wir die Terminologie der Schulfächer verstanden, sobald ich
191 die zum Beispiel das die Schulfächer das das Programm die
192 Schulfächern gelesen habe habe ich nicht gewußt was das
heißt
193 I: Mhm
194 M53: Was äh für mich weniger problematisch war war eben, das
195 sogenannte für uns war das Ausland, weil ich nicht Heimweh gehabt
196 habe und, wir waren eh eine große Familie sechs Kinder und
197 deswegen war auch die Klassengemeinschaft für mich etwas
198 Interessantes aber natürlich die . die Schule selber die
199 Mittelschule selber die Fächer und dieses ganze System, war
200 natürlich in den ersten zwei Jahren, sehr schwierig, weil, nachdem
201 dies eine rein deutsche Schule war . haben wir haben wir Ladinern
202 ja ich habe schon ein paar Kollegen gehabt wir haben ja bis das
203 erste Jahr bis Ostern Weihnachten Ostern fast nichts verstanden
204 I: Mhm, da ist mir auch noch unklar Sie haben mit vierzehn Jahren
205 die äh Volksschule aufgehört
206 M53: Ja mit dreizehn
207 I: Mit dreizehn
208 M53: Ja weil ich hab ein Jahr weniger gemacht
209 I: Ahso das ist sozusagen der offizielle Teil und
210 M53: Ja nachdem nachdem es sich herausgestellt hat daß ich
211 wirklich Schu äh Mittelschule gehen kann hat natürlich die
212 Lehrperson . so ein es so eingerichtet daß ich die fünfte Klasse
213 nicht zwei Jahre machen mußte sondern ein Jahr, die fünfte
Klasse
214 mit Abschlußprüfung, meine Kollegen oder sagen wir so meine
215 einheimischen Kollegen die mußten dann auch die fünfte Klasse
zwei
216 mal machen sodaß sie die anderen mit vierzehn ausgeschult waren
217 I: Ich verstehe ja
218 (Eine Person klopft an die Tür und betritt den Raum um etwas zu
219 bringen und verläßt ihn sofort wieder)
220 M53: Jaja so war das nicht? das praktisch war das System so du
221 gehst mit sechs Jahren in die Volksschule
222 I: Mhm
223 M53: Mußt sie aber bis vierzehn Jahren
224 I: Ich verstehe, können Sie sich an diese Entscheidung da erinnern
225 Sie haben jetzt gesprochen äh es war dann irgendwann ist das
226 scheinbar einmal eine Entscheidung gefallen Sie gehen weiter
227 Schule
228 M53: Ja sagen wir die
229 I: Können Sie sich an diese Entscheidung wer hat die getroffen wie
230 ist Ihnen wie ist Ihnen das bekanntgeworden haben Sie das
231 initiiert äh, daß nach dieser Pflicht diesen
232 Pflichtvolksschuljahren sie noch weiter Schule gehen werden
233 M53: Ja, das war so wie ich schon gesagt habe . die Eltern, sagen
234 wir so mit sechs Kindern, drei wie gesagt sind schon klein
235 gestorben, mit sechs Kindern haben sie halt uns sagen wir so,
236 gesagt, uns haben sie in die Schule geschickt und dann haben sie
237 halt auch festgestellt daheim . auf dem Hof wird nur einer
238 bleiben, und dann haben sie halt auch wahrscheinlich beobachtet
239 und gesagt der ist stärker in der Arbeit auf dem Hof der hat mehr
240 Interesse mit Kühen und Kälbern, ich bin einer gewesen der mehr
241 Interesse gehabt hat für die Aufgabe für die Schule ich bin gerne
242 Schule gegangen und, und dann hat es halt geheißen ja wenn wenn,
243 wenn wenn du gerne Schule gehst und auch von mir aus gesehen
244 bestimmte Noten heimbringst dann dann wenn wenn du studieren gehen
245 willst werden wir mit dem Lehrer und äh Lehrperson mit dem Pfarrer
246 reden dann haben halt sie selber, die Eltern sich selber erkundigt
247 auch, weil ich selber habe nicht so viel Ahnung gehabt was das
248 alles ist Studieren gehen studieren gehen war für mich Schule
249 gehen nicht? Hausaufgaben machen zeichnen schreiben jaja Aufgabe,
250 und sobald ich dann eben . sobald ich dann von den Eltern gehört
251 habe ich sie wären bereit mir da das Studium zu zahlen wenn ich
äh
252 gehen will und und dabeibleibe, dann hat der Lehre gesagt ja gut
253 da mußt du aber damals hat man so gem es war so, von der
254 Volksschule mußte man eine eigene Aufnahmeprüfung machen, um in
255 die Mittelschule gehen zu dürfen es war damals noch so, praktisch
256 eine . Abschlußprüfung für über die Volksschule als
. Einstieg in
257 die . Mittelschule, und da waren wir zwei Schüler von der vom
258 Dorf, die zugleich das machen
259 (Telefon läutet; kurzes Gespräch am Telefon)
260 M53: Das ist so gewesen wir waren zu zweit, Mittschüler von mir
261 und ich . sobald, der wollte nämlich auch studieren, dann hat es
262 so geheißen ja wenn ich zwei ähh Mittelschule machen wollt
263 auswärts eben, dann ist es notwendig eine Aufnahmeprüfung zu
264 machen, diese Aufnahmeprüfung kann man nicht im gleichen Tal
265 machen sondern auswärts, und das ist dann für uns auch unbekannt
266 gewesen, dann hat uns der Lehrer . Nachhilfestunden gegeben der
267 hat dann gesagt die letzten Monate des Schuljahres
268 I: Mhm
269 M53: Müßt ihr einfach nach der Schule da da herein nach der
270 allgemeinen Schule bleiben, nachsitzen praktisch und dann hat er
271 uns äh Italienischunterricht gegeben auch verschiedene Fächer hat
272 er vertieft und wir mußt mußten dann verschiedene Themen .
273 behandeln, dann hat es sich herausgestellt mein Kollege wollte
274 italienische Mittelschule gehen, der hat dann mehr Italienisch
275 gelernt, und ich eben nachdem es für mich geheißen hat das
[Schule
276 1], dann habe ich mehr Deutsch, äh Nachhilfestunden bekommen, und
277 auch Deutsch hat dann der Pfarrer bei uns da noch besser .
278 verstanden oder sagen wir so er war in Deutsch, ja Deutsch hat uns
279 dann der Pfarrer, Nachhilfestunden gegeben . Grammatik, dann sind
280 wir, im Juli .. äh in in eine, sagen wir äh sind wir sind wir aus
281 sind wir weg hat uns der Lehrer hingefahren, in eine Mittelschule
282 dort haben wir dann . diese Mittel diese Aufnahmeprüfung machen
283 müssen, das hat ungefähr eine Woche gedauert, schriftliche und
284 mündliche Fächer . damit haben wir dann eben die Volksschule,
nach
285 unserem System ein Jahr vorher abgeschlossen und die Bewilligung
286 bekommen Mittelschule zu besuchen
287 I: Aha
288 M53: Dann hat die dann hat der mein Mitschüler der ist
289 italienische Mittelschule gegangen . und ich bin dann die deutsche
290 und da für deutsche damit ich in die deutsche Mittelschule
291 gekommen bin hat uns dann der Pfarrer geholfen da die notwendigen
292 Dokumente . zu bekommen . und, die Eltern haben dann
293 unterschrieben ich bin halt dann, praktisch bin dann ähh äh im
294 September des selben Jahres dann nach [Stadt 1] gefahren, bin nie
295 gewesen noch in [Stadt 1], bin halt in diese in diese . ins
296 [Schule 1] gekommen, und, für mich war alles eben alles alles neu
297 .
298 I: Darf ich
299 M53: Mm
300 I: Darf ich das den Begriff Ausland den Sie vorher genannt haben,
301 in diesem Zusammenhang verstehen
302 M53: Ja das ist
303 I: Daß das alles neu war
304 M53: Ja die Sprache, weil wir sind gewohnt so wie es zum Beispiel
305 im Dorf daheim im Dorf in der Schule, immer in ladinisch zu reden,
306 es war halt die Italienischstunde die Deutschstunde im, in der
307 Schule aber sonst das andere war alles ladinisch, was die
308 Liturgien der Kirche . bedeutet hat das war lateinisch oder was
309 der Pfarrer selber zu uns gesagt hat oder zu den Leuten das war
310 ladinisch, und dann natürlich hineingekommen in ein, in ein
311 Ambiente oder wie man das nennen soll wo nur Deutsch gesprochen
312 wird ist für mich . Ausland
313 I: Mhm
314 M53: Sagen wir auch Ausland die Heimat ist ladinisch gewesen wo
315 sich jeder mit jedem verstanden hat und plötzlich, ist das eine
316 ist eine Sprache gesprochen worden, sagen wir, was meine
317 Mitschüler die ich damals bekommen habe betrifft waren Pusterer
318 Vinschger Eisacktaler da da war keine . Einheitssprache sondern
319 Dialekt verschiedene Dialekte, schwierigere und leichtere nicht?
320 die Telderer (die aus Tälern kommen)oder die waren schwierig für
321 uns im Dialekt schwierig zu verstehen, die offizielle Sprache die
322 offizielle Deutsche Sprache hat man ja nur in der Schule
323 gesprochen nicht?, deswegen war sagen wir fremd war alles nicht?
324 fremd war die gro die vor allem die Sprache, fremd war auch . die
325 Mittelschule, fremd war auch die die Ordnung die man eingehalten
326 hat im, Hausordnung nicht?, das, sagen wir, Ausland ist für mich,
327 dort wo du dann nicht mehr das mit oder wo es nicht genügt daß
du
328 das hast was du von von der Wiege her oder von der Grundschule
329 oder eben von der sogenannten . Heimat her verwenden kannst, für
330 mich ist zum Beispiel Ausland schon, vom Gadertal herauskommst ist
331 schon, draußen St. Lorenzen ist für mich schon Ausland
332 I: Mhm
333 M53: Du mußt eine eigene eine andere Sprache sprechen, deine
334 Sprache kannst du nicht sprechen
335 I: Mh
336 M53: Wenn du dich ausdrückst, dann wirst du zum Beispiel
337 diskriminiert weil es du bist ein Krautwalscher man merkt sofort
338 du bist kein Deutscher, und für manche, ähh krautwalisch und
339 walsch war ja damals ja sowieso auch politisch, ein Problem . und
340 dann natürlich schon auch die ganze Mentalität nicht? wir Ladiner
341 haben eine andere Mentalität als die . deutschsprachigen
342 Südtiroler ganz sicher . wir haben die Mentalität einer gesunden
343 normalen lebensfähigen Minderheit und die anderen sind . Mehrheit
344 die über andere . so ich habe es auch ich habe es auch vor allem
345 in der Mittelschule gespürt die ersten Jahre gespürt daß
daß
346 Ladiner hat man damals nicht gesagt zu uns man hat gesagt
347 Krautwalsche, das war, äh eher abwertende Ausdrücke und wenn wir
348 Ladiner zum Beispiel in der Mittelschule uns zu Wort gemeldet
349 haben dann sind wir meistens von der Schulklasse ausgelacht worden
350 weil wir eben falsch uns falsch ausgedrückt haben .. ja, das ist
351 von mir aus Ausland .. Mhm
352 I: Und äh, um so erstaunlicher ist es für mich daß ich es
schaut
353 jedenfalls im Moment für mich so aus daß sich das nocheinmal
354 wiederholt also . Sie haben dann, die Matura gemacht,
355 Priesterseminar, waren Priester, zweimal Kooperator, und sind dann
356 ich weiß nicht ob ich so sagen darf, nocheinmal ins Ausland, nach
357 [Stadt 7]
358 M53: Mhm
359 I: Ich sehe das da, sozusagen ich sehe
360 M53: Ja [Stadt 7] ist [Stadt 7] ist für mich da dort ich bin schon
361 älter gewesen inzwischen bin schon ein bißchen äh im Leben
362 herumgekommen, und für uns äh Ladiner ist die italienische
Sprache
363 weil da unten war denn die Hauptsprache Italienisch, ist kein
364 Problem gewesen, ich habe [Stadt 7] selber weniger Ausland erlebt
365 als damals [Stadt 1] und [Schule 1] nicht? weil erstens viel zu
366 jung halt zu jung nicht? jung meine Mitschüler waren ja jünger
367 weil die sind praktisch nach fünf Volksschuljahren schon gekommen,
368 die deutschen Südtiroler nicht?
369 I: Mhm
370 M53: Jetzt [Stadt 7] für mich war eine eine eine [Stadt 7] für
371 mich war, war eine wie soll man sagen nach sieben Jahren Praxis in
372 der Seelsorge, war das Studium für mich eine . sagen wir
373 Auszeichnung ich habe das das Studium in [Stadt 7] habe ich äh
374 empfunden als eine . eine riesige Möglichkeit sich weiterzubilden
375 als Universitätsmilieu, kennenzulernen da mitzumachen äh
376 verschiedene weil da unten sind ja auch verschiedene, Kulturen
377 auch viele Studenten und Professoren aus der Dritten Welt aus
378 Afrika Indien Amerika Lateinamerika Nordamerika Italiener deutsche
379 Professoren das und auch Mitschüler das das ist eine so ein buntes
380 Klima buntes Bild das war für mich sehr aufschlußreich, und dann
381 vor allem was was ich unten sehr geschätzt habe war die
Großstadt
382 [Stadt 7] nicht? [Stadt 7] ist eine riesig schöne Stadt ich hab
383 das da unten in dem Alter war für mich die Universität in [Stadt
384 7] die [Universität 1] war das für mich eine, ein Genuß .
und
385 Italienisch und so Italienisch haben wir Englisch lernen müssen
386 das das das weil die Universität ist für mich ei die Zeit oder
387 sagen wir so, weiter studieren, ein Neues eine neue Materie ein
388 neues Fach zu lernen die Soziologie ist für für eine Theologen so
389 ja, ganz interessant, und, das Studium war damals für mich eine,
390 eine schöpferische Pause .. ich habe das unten viel weniger als,
391 als Ausland gespürt als zum Beispiel eben von von einem kleinen
392 ladinischen Dorf von einer kleinen ladinischen bescheidenen
393 Volksschule, in die Mittelschule nach [Stadt 1] zu kommen . weil
394 inzwischen habe ich ja auch, in der Seelsorge haben mich ja auch
395 ich bin immer in ladinischen Tälern gewesen als Kooperator haben
396 wir immer auch Italienisch äh, in der Schule in der Predigt,
397 verwendet deswegen war diese Sprache schon von vornherein . kein
398 Problem Italienisch .
399 I: Bei, Ihrem ersten Gang ins Ausland haben Sie mir erzählt, da
400 ist die Entscheidung so äh beidseitig gefallen Sie haben
401 zugestimmt darf ich so sagen zu einem vorhanden Muster nämlich
402 M53: Ja sowieso
403 I: Studieren zu gehen, Sie haben Mentoren gehabt den Lehrer der
404 Sie dann in persönliche Nachhilfe und so
405 M53: Mhm
406 I: Äh vorbereitet hat, wie ist denn die Entscheidung zu diesem
407 zweiten aber viel viel kleineren Ausland [Stadt 7] gefallen
408 M53: Ja jetzt
409 I: Wie ist denn das gelaufen
410 M53: Beim ersten war es so beim ersten wie ich schon gesagt habe
411 war das Problem war der, kann mir gut vorstellen, die Eltern haben
412 sechs Kinder, ich bin einer der jüngsten gewesen, und da hat es
413 sich bereits herausgestellt nicht? die die die die größeren sind
414 auch stärker und sind auch handwerklich vielleicht interessierter
415 als ich, ich hab ja ja eben ich bin gerne Schule gegangen und habe
416 mich auch unten, dann hat natürlich wenn der Lehrer zugesagt hat
417 nicht? das hat damals hat haben die Eltern ja . sich kaum selber
418 gerührt sondern die Eltern haben hat er gesagt ja gut wenn du
419 nicht arbeiten willst auf dem Hof, dann was tust du, willst du
420 willst du Schule gehen, jaja Schule geht schon gut, studieren jaja
421 das geht schon, aber ich habe nicht gewußt was heißt jetzt
422 studieren und, dann haben sie mit dem Lehrer geredet und aufgrund
423 der Lehrer hat mich ja gut gekannt die Lehrerin, jaja na der kann
424 wenn er will das geht schon talentiert ist er schon und dann
425 natürlich ist herausgekommen ja wohin denn wohin denn ja wohin
426 denn . viele Möglichkeiten waren nicht wir mußten eben [Stadt 4]
427 [Stadt 1] [Stadt 2] [Stadt 3] oder was, ich habe auch nicht einmal
428 gewußt genau wo [Stadt 1] [Stadt 2] und diese Sachen waren, ich
429 habe gesagt jaja wenn ich für mich war einfach Schule gehen,
430 studieren habe ich studie studieren jaja studieren habe ich
431 gemeint ist Schule gehen Aufgabe machen und Prüfungen ablegen
432 nicht? dergleichen ganz einfache Vorstellungen, da hat uns der
433 Lehrer geholfen nicht eben der Pfarrer, beim Zweiten ist es so
434 gewesen da hat der äh Bischof [Bischof 1], die Notwendigkeit
435 gehabt eben jemand aus den jüngeren Geistlichen jemand zu finden
436 der bereit gewesen wäre dann später mit einem bestimmten Studium
437 eben in den [Organisation 1] einzusteigen, da sind mehrere gefragt
438 worden, und bis auf mich haben alle abgesagt und ich habe es
439 angenommen das Studium nach [Stadt 7], und das war ja auch mit mit
440 einer bestimmten Bedingung, äh Soziologie, darf man nicht in
441 [Stadt 6] studieren damals, weil es irgendwie verrufen war sondern
442 an der [Universität 1] in [Stadt 7], und ich habe auch nicht
443 gewußt schließlich und endlich was das für ein
Unterschied ist,
444 zwischen [Stadt 6] und und [Universität 1] in [Stadt 7], weil die
445 [Universität 1] habe ich nie gekannt von [Stadt 6] habe ich etwas
446 gelesen gehabt, da bin ich praktisch auch so drauflos hinunter
447 gefahren, und war eben auch da war auch gut informiert, wenn du
448 dieses Studium du machst dieses Studium schließt mit dem Doktorat
449 ab und dann wirst du eine Stelle im [Organisation 1] übernehmen,
450 das war praktisch die Bedingung
451 I: Können Sie sich noch erinnern wie sie gehört haben von dieser
452 Möglichkeit . äh diese
453 M53: Mhm
454 I: Studium zu machen für diese Aufgabe danach [Organisation 1] wie
455 sie also gehört haben davon und wie sie sich entschieden haben
456 M53: Ja
457 I: Diese beiden Momente können Sie sich da
458 M53: Jaja das ist so gewesen nicht ich ich hab damals dann der
459 Bischof gesagt sagen wir ich äh ich bin halt einmal eingeladen
460 worden mit dem Bischof zu reden oder Bischof zu reden dann hat er
461 mir dieses Anliegen der Diözese gesagt ja wir brauchen die
Diözese
462 braucht mit der Zeit jemand der da hat er gesagt ob ich Interesse
463 hätte ja Interesse schon aber ich kann nicht Ihnen Herr Bischof
464 heute sagen ob ich es tue weil ich muß mich erst erkundigen was
465 das ist, und zwar erkundige ich mich äh bei jemandem der vor
466 Jahren oder Jahrzehnten ähnliches gemacht hat nicht? dann habe ich
467 diese Ge dann habe ich meine ich eine Woche Bedenkzeit bekommen,
468 und in in in dieser Woche habe ich mir dann einmal
469 auseinandergesetzt oder mit dem, mit jemand der dort schon war an
470 der [Universität 1] was das ist wie das ist was das beinhaltet und
471 dann habe ich gesehen ja das sind Dinge, die mir auch persönlich
472 interessieren, dann bin ich eben das zweite Mal hingegangen und
473 habe dann dem Bischof gesagt jaa ich übernehme das
474 I: Mhm . eine Zeit die mir noch ein bissi unklar ist, ist der
475 Übergang vom Studium . in . was habe ich da geschrieben (auf
476 Zeitleiste) Diözesan äh
477 M53: Assistent
478 I: Ahso Diözesanassistent
479 M53: Des [Organisation 1]
480 I: Wie ist dieser Übergang wann war der oder wie ist das da von
481 Statten gegangen
482 M53: Ja
483 (Tonbandseitenwechsel)
484 M53: Mit dem Doktorat abschließen, das war eine Bedingung nicht?,
485 nicht nur so eine, sondern mit dem Doktorat abschließen
486 I: Mit dem Doktorat
487 M53: Praktisch, anfangen und auch abschließen mit dem Doktorat,
488 und natürlich ich war ja immer im Kontakt auch mit der Diözese in
489 den Ferien bin ich immer da in Südtirol auch gewesen deswegen war
490 ich im Kontakt mit dem Bischof mit dem Generalvikar und so
491 deswegen haben sie gewußt wie weit ich im Studium bin sie haben
492 auch gewußt wann ich das Studium, das Doktorat abschließe,
sodaß
493 ich sobald ich sobald ich das Doktorat in [Stadt 7] bekommen habe
494 und und und ein Stück Tesis veröffentlicht gehabt habe habe ich
495 den habe ich den Titel bekommen von der Universität und dann mit
496 dem praktisch war das Studium abgeschlossen, und dann habe ich
497 eben im im zugleich bin ich dann ernannt worden damals als Vize
498 Diözesanassistent da war noch mein Vorgänger . und dann nach ein
499 paar Jahren bin ich . sagen wir so bin ich alleiniger sagen wir
500 bin ich Ass Diözesanassistent geworden, das war also
501 neunzehnhundertdreiundachtzig, praktisch nach dem, Doktorat direkt
502 sofort ohne, mühsam und ohne ohne besondere Übergänge,
unten in
503 [Stadt 7] abgeschlossen und da in [Stadt 2] mit der Stelle
504 angefangen
505 (Telefon läutet; kurzes Gespräch am Telefon)
506 I: Dieser Übergang vom Soziologiestudium zum äh
507 Diözesanassistenten war also fließend dann fehlt mir noch ein
508 Übergang da und zwar, der bei der Matura
509 M53: Mhm
510 I: Die Entscheidung Priesterseminar
511 M53: Jaa mhm ja bei der Matura, ist es so gewesen nicht? es ist
512 zunächsteinmal war eben die große Sorge ob ob ich
überhaupt sagen
513 wir die Matura schaffe weil, ich habe die Matura nicht im [Schule
514 1] gemacht sondern in [Stadt 2], bei einer öffentlichen Schule wo
515 ich auch nicht die Lehrpersonen gekannt habe auf alle Fälle, das
516 Risiko eingegangen, ich ich war der Meinung ich mache die die
517 Staatsmatura damit ich dann äh frei entscheiden kann was ich mache
518 weil mit der [Schule 1]matura hätte man nicht können an die
519 Universität gehen oder so nicht?, dann habe ich ja dann bin ich
520 durchgekommen und wie ich dann gewußt habe daß ich daß
ich sagen
521 wir durchgekommen bin habe ich mich bei einem bekannten
522 Graphologen gemeldet ich habe mir dann ähm die die meine Schrift
523 untersuchen lassen von einem verantwortungsvollen
524 jugendinteressierten Menschen der hat mir einen viel gemacht für
525 Studenten, und der hat mir dann halt gesagt vom Charakter her oder
526 was, wofür ich geeignet wäre dann hat er halt auch gemeint eher
527 Sprachen oder Unterrichten . dann habe ich halt gesagt ja
528 unterrichten einen Lehrer das ist mir ach ich täte schon gerne
529 noch weiter studieren jaja dann hat er dann habe ich halt gesagt
530 ja war wäre ich wenn ich zum Beispiel, [Stadt 5] oder [Stadt 1]
531 oder Priesterseminar, dann hat er halt gemeint jaja als Priester,
532 ist ja auch vielen zu sagen wir so ist man ja auch als Lehrer,
533 vielleicht als, ma er hat gesagt du kannst ruhig probieren du
534 kannst ruhig auch ins, von der Anlage her hat er gemeint oder aus
535 der, aus der Kalligraphie heraus, sieht man daß du bestimmte mmh
536 du bist eher begabt für Kontakt mit Personen und nicht so sehr
537 theoretisch oder oder wissenschaftlich theoretisch sondern eher im
538 Kontakt und das ist ein Pfarrer muß auch in Kontakt sein mit
539 Menschen könntest auch probieren dann habe ich praktisch aufgrund
540 seiner . wie soll man sagen aufgrund seiner Auslegung von der von
541 der Kalligraphie und so war ich dann bestätigt bestätigt
zunächst
542 einmal in dem daß ich weiterstudieren kann weil er hat auch
543 gemeint so das nötige Talent ist vorhanden, und vor allem äh in
mm
544 in einem Lehrfach sagen wir so Lehrer oder oder Priester eben
545 sagen wir, in Kontakt mit Menschen, Lehrer jaja, unterrichten und
546 dergleichen, und dann war ich auch irgendwie bestätigt in dem in
547 dem Anliegen mir ich habe nie nichts gegen Priester oder
548 Priesterberuf gehabt mich hat das auch immer ein bißchen
549 irgendwie, so gedacht das wäre auch eine Tätigkeit der ich
550 nachgehen könnte, dann habe ich das Seminar, habe ich schon von
551 früher gekannt ein bißchen, auch nicht ungern gemacht, die
Fächer
552 im Seminar haben mich auch sehr, sagen wir so waren für mich
553 interessant weil das mit dem Menschen Menschen, Menschen,
554 Anthropologie und so und auch Christologie Heilige Schrift und so
555 jaja Theologie und desgleichen hat mir auch recht gut gepaßt, mhm,
556 dann bin ich halt im Laufe der Jahre so zum Beispiel im Seminar
557 nach dem zweiten Jahr nachdem die Philosophie fertig ist mußte man
558 sich ja auch schon überlegen, bleibe ich da oder gehe ich weg .
559 dann habe ich, ach ich kann schon bleiben mir paßt es und dann
560 habe ich praktisch weiter gemacht und dann eben nach dem vierten
561 Jahr muß man ja ganz entscheiden auch ob man überhaupt bleibt
oder
562 nicht da war es natürlich auch schwieriger da ist da ist halt so
563 da ist sind für mich war das eine (lautes Einatmen) sagen wir
564 schwer auszustehende Entscheidung, weil das ist eine Entscheidung
565 die nicht nur von heute auf morgen getroffen werden kann und auch
566 noch mit bestimmten Folgerungen daraus, fürs Leben, natürlich
sind
567 schon Zeiten und Monate wo man es schwer tut
568 (Telefon läutet; längeres Gespräch am Telefon)
569 M53: Weiß’t das ist schon auch, das das kann ich mich schon
570 erinnern das waren dann Monate, Monate wo man mit sich selber oder
571 auch mit dem eigenen Gewissen oder Wissen Probleme hat weil man
572 sich alLehrand auch vorstellt und das ist auch dementsprechend
573 ernst gemacht worden diese Entscheidung aber dann ist es natürlich
574 so die Zeit geht weiter und (lautes Ausatmen) jaja nana dann habe
575 ich mich halt in entschieden ja jetzt ich werde Priester und
576 (lautes Einatmen) mhm . und bin dann, habe dann eben dann ist dann
577 ist natürlich auch es ist ja auch es wird ja auch ein Prozeß
578 gemacht sagen wir so eine Art Prozeß es wird ja auch vom . vom
579 Regens des Seminars und auch von anderen Professoren des Seminars
580 wird ja auch mit mit mitverantwortet ob der betreffende Kandidat
581 überhaupt . mm in Frage käme nicht? es es ist ja so wir sind im
582 Seminar ja immer in Kontakt mit unserem Vorgesetzten dem Regens
583 und der hat ja auch frühzeitig so geschaut wenn wenn du das wenn
584 dir das nicht paßt und so dann bist du nicht für das und das
585 geeignet sodaß man ja begleitet worden ist von von Anfang an ob
586 man überhaupt dahin kommt selber will oder nicht will, man mußte
587 sich ja auch manchmal auch melden und und Rechenschaft ablegen wie
588 man dazu steht, eventuell zu einer Entscheidung . im Priesterberuf
589 und so hat man halt die, hat man den Rat auch bekommen frühzeitig
590 zu gehen um nicht Zeit zu verlieren, sodaß die Entscheidung ist
591 eine Entscheidung die nicht von heute auf morgen kommt sondern
592 sich jahrelang dahinzieht, wo man selber dann auch die Möglichkeit
593 hat in Ehrlichkeit zu sagen, paßt mir das später auch oder auch
594 nicht und was hat das für Folgen für mich und auch nicht, jaja
tue
595 ich wenn es wie die Entscheidungsnotwendigkeit sich zugespitzt
596 wird das natürlich kritischer nicht?, aber das ist eine Sache die
597 dir niemand die mir niemand abnehmen konnte das habe ich schon
598 gesehen, ich habe mich halt zum Beispiel eben dann an bestimmte äh
599 Ri Sachen gerich richten können nicht? das Interesse am Studium
600 das Interesse am Kontakt mit Menschen und auch . jaja die eigene
601 Überzeugung und so mhm .. aber das Risiko, für mich ist das
ähh
602 Priester werden oder nicht das ist nicht das ist nicht nur ein
603 Problem gewesen von sechs siebenundzwanzig Jahren das ist es
604 heutzutage auch noch für mich, das ist nicht eine Sache die einmal
605 erledigt ist und dann bist du für das ganze Leben als Priester da
606 äh fix und fertig, das das ist eine Sache des Charakters eine
607 Sache der religiösen Überzeugung und auch von mir aus gesehen
eine
608 Sache wie nimm ich denn überhaupt ernst, ob ich dazu . berufen war
609 oder nicht, das ist nicht eine Sache die nicht damals erledigt
610 worden ist im Ganzen sondern immer wieder zum Vorschein kommt,
611 weiß’t das ist nicht so eine Entscheidung ich sage ich werde
612 Kaminkehrer und Kaminkehrer paßt mir nicht dann werde ich von mir
613 aus gesehen Portier in einem Hotel das paßt mir nicht dann kann
614 ich von mir aus auch Straßenkehrer werden das mir ist damals schon
615 äh sagen wir aufgefallen das ist nicht eine Sache die die man mit
616 leichten Händen da oder mit leichten Entscheidung treffen kann
617 also das muß gut überlegt gut geprüft werden auch insgesamt
618 Gesamtmensch nicht nur schulmäßig oder oder
charaktermäßig sondern
619 insgesamt . und dann natürlich die Notwendigkeit dazu zu stehen
620 auch später und so regelmäßig sich darüber auch im
Klaren sein was
621 dazu gehört und dabeizubleiben ... natürlich im Laufe des Lebens
622 äh mit Erlebnissen Erfahrungen und im mit dem Alter sammelt man ja
623 auch bestimmte Eindrücke und sieht natürlich auch die
Entscheidung
624 und diee Existenz als Priester immer wieder auch anders .. weniger
625 eng oder mehr eng oder oder breiter oder oder gelassener oder oder
626 aufgeregter (lächelnd) oder . Zweifel oder auch weniger Zweifel
627 und, natürlich vieles macht auch die das soziale Milieu nicht? wo
628 du bist jetzt wenn einer vielleicht in einer Pfarrei ist als
629 Priester denke ich mir oder ich als Kooperator wenn du in einer
630 Pfarrei bist als Kooperator oder oder als Priester dann bist du
631 praktisch einfach viel gefragt weil Taufen Taufen Kranken
632 Begräbnisse Meßelesen Beichten du bist drinnen viel mehr als
633 Priester sagen wir so du bist als Priester ähh im engen Sinn
634 gefragt, beim [Organisation 1] als geistlicher Assistent bin ich
635 als Priester im engen Sinn ganz wenig gefragt dort bin ich gefragt
636 als als einer der mit ihnen mitgeht mitarbeitet mitentscheidet,
637 und so weiter . da ist die, die Art und Weise das Priesterleben zu
638 leben find ich beim [Organisation 1] ganz anders als in einer .
639 geschlossenen Pfarrei .. in einer Pfarrei bist du provoziert
640 Sakramente zu spenden und dergleichen beim [Organisation 1] bist
641 du auch provoziert dich den Menschen anzupassen in Demokratie in
642 den verschiedenen Gremien zu hören was die andern sagen und
643 nachdem das ein großer Laienverband ist auch die Aufgabe oder die
644 Verantwortung eines einzigen geistlichen Assistenten sehr relativ,
645 nicht? weil die die die die die Weichenstellung für die Zukunft
646 und so, ist ja nicht die Aufgabe eines Diktators sondern das ist
647 das Ergebnis aus äh demokratischen Prozessen der Aussprache des
648 Überlegens des Entscheidens wo ich einer unter vielen bin .. und
649 ich glaube so erlebe ich es ich muß mir selber oft äh die . die
650 Aufgabe die ich habe selber oft äh auch sagen wir zurecht legen ..
651 damit es doch irgendwie eine . eine Tätigkeit ist die ich mir
652 gegenüber selber mir selber gegenüber verantworten kann oder auch
653 motivieren kann und auch gegenüber den . Mitarbeitern und
654 Mitarbeiterinnen im [Organisation 1] und auch gegenüber der Diöze
655 sagen wir gegenüber dem Bischof nicht? . deswegen ist meine
656 Aufgabe ist eine Aufgabe die man die ich regelmäßig auch
erfinden
657 kann oder neue Akzente setzen kann, soweit es mir möglich ist
658 aufgrund des Studium der Beobachtung und ich bin ja auch
659 einbezogen in andere auf italienischer Seite bei der italienischen
660 Bischofskonferenz sind ja auch gibt es ja auch ähnliche Aufgaben
661 ähnliche Problematiken wo ich dann auch regelmäßig
hingehe zu
662 hören und mitzureden was andere tun wie es andere machen, sodaß
663 man auch von dort her bekomme ich auch ein bißchen ein
größeres
664 weiteres Horizont innerhalb dessen ich meine Aufgabe wahrzunehmen
665 habe, kann ich mich auch zum Beispiel vergleichen mit anderen die
666 ähnliche Situationen . zu bewältigen haben kann ich mich
667 vergleichen kann ich dann feststellen wie ich das mache wie sie es
668 machen und wie man es gemeinsam machen kann und . eine ganz
669 interessante Aufgabe ja
670 I: So von es ist es ist so interessant eigentlich weil ich muß das
671 alles transkribieren deswegen wollte ich schon lange abschalten es
672 ist nur so interessant noch eine Frage dann höre ich auf
673 M53: Mhm
674 I: Also ich höre äh, die das äh den Terminus Entscheidung .
675 M53: Mhm
676 I: Den hören ich da vom Übergang von der Staatsmatura im
677 Priesterseminar drinnen ist dann der Terminus immer wichtiger
678 M53: Mhm
679 I: Und
680 M53: Ja sagen wir so
681 I: Sie jetzt erzählen auch jetzt äh . in Ihrem jetzigen äh
682 Arbeitsfeld, Anpassung, Entscheidung .
683 M53: Mhm
684 I: Ab wann ist die so richtige Lust an der Entscheidung .
685 M53: Ob ob die Lust da ist?
686 I: Nja ab ab wann wann wo wo
687 M53: Ja
688 I: Fängt diese Lust an der Entscheidung an, da war .
689 M53: Mhm
690 I: Jetzt immer der er im Vergleich zu diesem anderen interessanten
691 Punkt wie sie da sozusagen heraus sind das erste Mal ins Ausland
692 gehen wo alles so wahnsinnig fremd war
693 M53: Mhm
694 I: Und heute wo sie entscheiden . aber das ist jetzt eigentlich
695 M53: Ja die Entscheidung
696 I: Das geht schon das geht schon drüber hinaus über eigentlich
697 könnte ich schon abschalten
698 M53: Nana aber die Entscheidung für mich ist das so ich finde
699 deswegen gut nicht? nehmen wir an zum Beispiel ich bin in einer
700 Pfarrei
701 I: Mhm
702 M53: Dann heißt das ja da ist jeden Tag eine Messe zu lesen wenn
703 jemand stirbt da kann nicht ich entscheiden sondern andere muß
muß
704 er begraben werden, wenn jemand zur heiligen Kommunion gehen will
705 dann dann werde ich halt Kommunion spenden aber das ist bereits
706 von der Liturgie von der Kirche von der Seelsorge und auch von
707 Volk her vorgeschrieben verlangt, im [Organisation 1] ist das äh
708 wie soll man sagen der Arbeitsbereich im [Organisation 1] ist
709 nicht . hundertprozentig vorgezeichnet vorgeschrieben ich kann mir
710 das selber erfinden, mit mir selber mit anderen in anderen
711 Gremien, auch über die Lektüre wie gesagt auch in der
712 italienischen Bischofskonferenz sehe ich was da aktuell ist oder
713 wir sind ja auch mit dem Ausland in Österreich oder mit den
714 Deutschen auch in Verbindung, dann danke ich mir oft ja ich
715 vergleiche, ich sehe, unsere weil ich, der [Organisation 1] ist
716 für mich der Arbeitsbereich, aber das ist ein Arbeitsbereich der
717 abgesteckt ist von mit mit ein paar Statuten aber im übrigen
718 schwimmt es und da sehe ich für mich selber äh eine riesige .
719 Befreiung und Freiheit, ich kann selber auch mitreden
720 mitentscheiden, wir können es so machen wir können es auch anders
721 machen es ist auch viel mehr ein Experimentierfeld weil ich, und
722 auch der [Organisation 1] wir sprechen ja nie im Namen der Kirche
723 . ich bin der geistliche Assistent des [Organisation 1] ich muß
724 das verantworten mir gegenüber den Mitgliedern des [Organisation
725 1] aber ich bin nicht einer der der sagen kann ich spreche im
726 Namen der Katholischen Kirche deswegen ich habe viel mehr Freiheit
727 zu experimentieren zu probieren und, in einem Laienverband in
728 einem Laienverband ist die Aufgabe eines Priesters wie gesagt eine
729 sehr relative weil die Hauptaufgabe müssen ja die anderen die
730 Laien selber machen, nur ich habe die Aufgabe und die Möglichkeit
731 zu animieren . äh und was ich dann was ich dann einbringe in den
732 [Organisation 1] das kann ich selber entscheiden ich muß nicht den
733 Bischof fragen und das ist für mich interessant, daß ich zum
734 Beispiel mir äh ich bin nicht sagen wir fertig, ah jetzt weiß
ich
735 wie es ist, für mich ist das spannend auch weil ein Jahr ist das
736 gelingt das ein Jahr muß man dann wieder umstellen auf ein neues
737 Jahresthema Jahresschwerpunkte das finde ich interessant es kann
738 ich das kö das kann ich mit Hilfe von anderen mit andern andere
739 mit mir erfinden und wir entscheiden uns dann für das und ich kann
740 ja auch selber entscheiden welche geistig religiöse
741 sozialchristliche Richtung gebe ich dem [Organisation 1] soweit
742 ich als geistlicher Assistent verantwortlich bin, das kann ich mir
743 selber machen
744 I: Mhm
745 M53: Brauche ich nicht jemand zu fragen bin aber auch nicht
746 eingekastelt in bestimmte dogmatische Richtlinien, das finde ich
747 Entscheidung
748 I: Mhm
749 M53: Das unter unter diesem Aspekt verwende ich das da diesen
750 Begriff Entscheidung ich kann aufgrund, zum Beispiel einer ich im
751 Laufe des Jahres lese ich sammle ich etwas und denke mir etwas
752 vergleiche was im [Organisation 1] los ist dann denke ich mir
753 jetzt für nächsten Jahr werde ich das und das mehr einbringen
mehr
754 unterstreichen das andere kann ich dann lassen, kann natürlich zum
755 Teil ein Pfarrer auch machen aber ein Pfarrer hat viele Sachen die
756 ihm einfach vorgeschrieben sind vorgegeben sind, ich beim
757 [Organisation 1] viel weniger, habe viel mehr Möglichkeit selber
758 etwas zu erfinden ist es auch notwendig manchmal Akzente zu setzen
759 und auch zu wechseln
760 I: Ja, ich schalte ab
© 1998 