Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.


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Interpretation

Für die Auswertung nach BLAUMEISER ist sein “Vom Transkript zum Artikel” (1997) der zentrale Text. Er impliziert die Konzepte des sozialräumlichen und des biographischen Ansatzes in der Kodierung des transkribierten Textes, weiters sieht er im Arbeitsablauf auch den Einsatz von Memos vor, was der Struktur des Textinterpretationsprogrammes Atlas.ti entgegenkommt. Auch die Art des Verhältnisses von Textinterpretation bzw. dessen Ergebnis zu von außen herangetragener Theorie ist in diesem Text festgelegt. Unter “Methodische Standortbestimmung von BLAUMEISERs Vorgehen im Feld qualitativer Sozialforschung nach FLICK” wird dies näher ausgeführt. “Vom Transkript zum Artikel” sieht zusammenfassend folgenden Arbeitsablauf vor (Der vollständige Text ist im Anhang wiedergegeben):

Gliedernde Lektüre des Transkripts :
  1. Paarweise Indizierung der Orte der Handlung und der Zeiten; Liste der Orte und Zeiten.
  2. Indizierung der Beschreibungen und Geschichten; Liste der Beschreibungen und Geschichten.
  3. Indizierung von Argumentationen, biographischen Kommentaren und Codas; paraphrasierte Liste von diesen.

Faktische Rekonstruktion :
  1. Rekonstruktion des Lebenslaufs.
  2. Zeitlich gereihte Rekonstruktion des erlebten Geschehens.

Kategorisierungen
  1. Charakterisierung der Erfahrung in Themen aus Beschreibungen und Geschichten; Liste der Themen.
  2. Paralleles notieren von Memos; Liste dieser.
  3. Charakterisierung und hierarchische Gruppierung (Leitmotive) der Motive aus Argumentationen, biographischen Kommentaren und Codas; Liste der Motive

Feinanalyse
  1. Auswahl und Detailinterpretation von Schlüsselpassagen.
  2. Vernetzung von Passagen und Generierung von übergreifenden Hypothesen.

Integration in den Forschungsstand
  1. Sample-Integration an weiteren Interviews, Literatur-Integration und Abfassung eines Fachartikels.

Die äußere Biographie hat einerseits die Funktion, Übersicht über die Biographie zu schaffen, sie dient aber auch dem Sichtbarmachen der “Interventionen der Zeitgeschichte”, der Einbettung der Biographie in soziokulturelle Gegebenheiten. Nur auf der Folie dieser Gegebenheiten kann die subjektive, “innere” Biographie verstanden werden. Die äußeren Biographien sind unter “Anhang” wiedergegeben.

Von den fünf biographischen Ansätzen nach BLAUMEISER sind beim narrativen Interview und in der induktiven (erzähl- und biographietheoretischen) Interpretation vor allem der lebensgeschichtliche und chronologische Ansatz zur Anwendung gekommen. Im Rahmen der deduktiven (themazentrierten) Interpretation entsprechen vor allem bildungstheoretische Konzepte und Ergebnisse aus der biographiebezogenen Professionsforschung der Erwachsenenbildung dem Thema dieser Arbeit. Der sozialräumliche Ansatz ist in der Auswertung zwar als Paraphrasierung der Zeiten und Orte vorbereitet, in der Interpretation dann aber nicht eigens verfolgt; der diesem Ansatz zuordenbare Teilaspekt der geographischen Mobilität findet in der Interpretation Berücksichtigung.

In einigen Punkten haben sich in dieser Arbeit Zusätze vom Modell ergeben:

Neben diesen klar in den Kategorisierungsprozeß hereingenommenen theoretischen Konzepten blieben andere theoretische und methodische Konzepte in einer “latenten” Art und Weise in der Interpretation wirksam, indem sie zwar nicht explizit eingebracht wurden, auf sie aber immer wieder vergleichend zurückgegriffen wurde. Eines dieser in der methodischen Auseinandersetzung beteiligten Konzepte war das schon angesprochene der “lebensgeschichtlichen Prozeßabläufe” von SCHÜTZE.

Interpretationswerkzeug Atlas.ti

Die Auswertung der transkribierten Texte geschah computerunterstützt mit Hilfe des Programms Atlas.ti, in das ich von Georg PLEGER eingeführt wurde. Computerunterstützte Textauswertung bietet einige Vorteile.

“Computerunterstützt ist eine qualitative Analyse, in welcher der Computer eingesetzt wird, um einzelne Analyseschritte einfacher, schneller, und übersichtlicher durchführen zu können; und die sich darüber hinaus durch neue Möglichkeiten auszeichnet: insbesondere Visualisierung, Hypertext, automatische Hypothesenprüfung. Mit der Computerunterstützung soll dabei das Verfahren der qualitativen Analyse auf zweifache Weise optimiert werden: einerseits in Hinblick auf Arbeitsökonomie und Arbeitseffizienz, andererseits auch, was die Möglichkeiten der Standardisierung, Dokumentierung, und der intersubjektiven Nachprüfbarkeit, mithin der Objektivierung (und Objektivität) des Verfahrens, betrifft.” (NIEDERMAIR 1995)

Die Nachteile liegen nach NIEDERMAIR in der Notwendigkeit einer intensiven Einführungsphase in das Programm und in der Gefahr der Ablenkung vom Forschungsvorhaben durch das Erproben neuer Programmfunktionen.
Praxis: Zu den Vor- und Nachteilen der computerunterstützten Interpretation
Zur Minimierung dieser Gefahren stand zu Arbeitsbeginn mein Vorsatz die Begrenztheit meiner Ausstattung meines methodischen Werkzeugkastens bewußt nicht auszuweiten, speziell indem ich das von BLAUMEISER in “Vom Transkript zum Artikel” (1997) vorgeschlagene Prozedere nicht ausweite [11]. Dies ist weitgehend gelungen, wobei die Anwendung der Vorlage von BLAUMEISER sich aber insofern nachteilig auswirkte, als daß die Implementierung dieses methodischen Konzeptes in die relativ offene Struktur von Atlas.ti die Einführungsphase, bzw. in meinem Fall die Phase autodidaktischen Lernens, verlängerte. Es ging vor allem darum, gleichzeitig mit dem Prozeß der Methodenaneignung immer wieder ein Stück mehr über die Funktionsmöglichkeiten von Atlas.ti dazuzulernen und für die Methodenelemente die günstigste Form der Umsetzung in Atlas.ti zu finden. Einige “Aus- und Umbauten” der implementierten Struktur waren dazu nötig, manchmal war aber eine ungünstig angelegte Umsetzung nicht mehr in einem erträglichen Zeitaufwand umzugestalten.

Das Subskribiertsein in die Mailinglist über Atlas.ti war schön und wichtig für einen weitgehenden Autodidakten wie mich. Mein Lernfortschritt wurde an den Meldungen in der Mailinglist nachvollziehbar, indem ich immer öfter Anfragen an die Peers beantworten hätte könnte. Man wird auch auf neu Funktionen im Programm aufmerksam gemacht und nebenher erfährt man die Breite der Palette qualitativer Sozialforschung, und zwar im internationalen Spektrum. Man erfährt ein Tool, das an den Bedürfnissen der Anwender weiterentwickelt wird.

Praxis der Interpretation

Praxis: Sequenzierung / Paraphrasierung
Zu Beginn der Kodierung stellte sich die Frage, wie mit den in der Wertigkeit oft mehrfach zuordenbaren Textstellen umgangen werden soll. Die Entscheidung fiel für ein nur einmaliges Paraphrasieren einer Textstelle, d.h. eines Zitates. Daß der Text lückenlos von vorne nach hinten zu paraphrasieren, also zu sequenzieren ist, das stand von Anfang an fest. Zu Beginn der Arbeit stand auch der Entschluß, möglichst nicht horizontal sondern nur vertikal zu verlinken. Das bedeutet interpretationsmethodisch, daß (textinterne) Explikation nicht als direktes Verbinden von Textstellen an auseinanderliegenden Orten im Text, sondern als abstrahierender Kode auf einer höheren Kodierungsebene stattfindet. Gegen Ende der Auswertung ging ich aber dazu über, im Text aufgesplittete Erzählelemente doch auf der Ebene der Zitate miteinander zu verlinken, so daß sie im Zusammenhang lesbar wurden. Die zusammengehörenden Erzählelemente Geschichten und Codas wurden von Anfang an auf der Ebene der Paraphrasen verlinkt. Eine weitere immer wiederkehrende Überlegung betraf die Länge der Zitate. Die Aufgliederung des Textes in die narrationstheoretisch motivierten Paraphrasen Geschichten, Beschreibungen, Codas, biographische Kommentare und Argumente läßt sich sehr feingliedrig oder in gröberen Blöcken bewerkstelligen. Mehr und kurze Paraphrasen erlauben die bessere Interpretation der Textstellen, auch indem die einzelnen kurzen Paraphrasen unterschiedlichen Kodes zugeordnet werden können. Vor allem zu Beginn der Interpretationsarbeit ging mir aber durch die Feinaufgliederung der Textstellen oft die Übersicht für den Zusammenhang der Inhalte verloren. Der Ausweg war die beschriebenen, dann doch zunehmende horizontale Verlinkung der Zitate und Paraphrasen, so war bei Bedarf das Umfeld einer Aussage wieder zugänglich. Diese Entwicklung fand auch deshalb statt, weil mir mit der parallelen Teilnahme an Lehrveranstaltungen von BLAUMEISER der innere Bauplan von Erzählungen und speziell von Geschichten immer klarer wurde. In grobe Blöcke segmentiert habe ich aber von Beginn der Auswertung an die meist am Ende der Texte sich befindenden längeren argumentativen Passagen, um hier Datenreduktion zu erreichen. Auch die Benennung der Paraphrasen war Gegenstand einer Entwicklung, indem sich zuerst die Tendenz ergab, besonders Zitate mit eigentheoretisch-argumentativen Inhalten in Anlehnung an interpretationstheoretische Konzepte schon als “Legitimation” oder “Grund” zu kodieren. Hier bedurfte es der Bemühung in der Paraphrasierung ganz nahe am Inhalt der Zitate zu bleiben und so die Paraphrase für die spätere Kodierung offen zu halten.

Die Erhöhung der Trennschärfe zwischen narrativen und eigentheoretischen Textteilen war ein weiterer Punkt in der methodischen Umsetzung der Interpretation, denn erst durch hohe Trennschärfe können Differenzen zwischen narrativen und argumentativen Textteilen sichtbar und somit der Vorteil des narrativen Interviews genutzt werden. Die von SCHÜTZE geforderte “Elimination aller nicht - narrativen Texteile” (BOHNSACK 1991, 95) geschieht bei der Auswahl der Textteile für die Paraphrasierung der Geschichten und Beschreibungen. Dabei ist trotz des vordergründig höheren Informationsgehalts von biographischen Kommentaren und Argumenten der Reflexionsgrad der Aussagen im Text ständig im Auge zu behalten und die reflexiven Inhalte sind zu meiden. Als problematisch haben sich in der Zuordnung zu narrativen Paraphrasen (Geschichten und Beschreibungen) oder eigentheoretischen Paraphrasentypen (Codas, biographische Kommentare, Argumentationen) vor allem Textsorten erwiesen, die nicht eindeutig zuordenbar sind. Deshalb wurde von mir folgender differenzierter Paraphrasierungsschlüssel entwickelt, der zusätzlich die Textsorte “Bewertung” enthält und den Bezug der Aussagen auf die Person des Erzählers oder auf andere Personen berücksichtigt:


bezogen auf den Interviewten selbst
bezogen auf andere Personen
Beschreibung
Beschreibung und auch biographischer Kommentar
Beschreibung
Bewertung
biographischer Kommentar
Argumentation
Begründung (“weil”)
Argumentation
Argumentation

Es hat sich bewährt, die Zuordnung schwer zuordenbarer Zitate in einem zweiten Durchgang zu kontrollieren und gegebenenfalls zu vereinheitlichen. Dies ist auch deshalb nötig, weil sich jeder Erzähler im Gebrauch dieser Textsorten unterscheidet (“individuelles Erzählschema”) und die optimale Zuordnung der Paraphrasierungstypen sich deshalb erst durch das Paraphrasieren selbst entwickelt.
Praxis: Datenreduktion und Abstraktion der Inhalte
Eine Vorentscheidung für den Interpretationsvorgang war es auch, zwischen der Ebene der Zitate und der Paraphrasen keine Datenreduktion im Sinne einer Zusammenfassung von mehr als einem Zitat in einer Paraphrase vorzunehmen. Datenreduktion ergibt sich hier nur als knappe Benennung der Zitate, die aber in ihrem Inhalt noch nicht in irgend einer Form abstrahierend kodiert werden. Dadurch bleibt die Weiterverwendung der Paraphrasen inhaltlich offen. Zwischen der Ebene der Paraphrasen und der deskriptiven Kodes (Themen, Motive) und zwischen diesen und den Oberthemen bzw. Leitmotiven findet zusammenfassende Datenreduktion und inhaltlich abstrahierende Kodierung statt. Im Ausprobieren und Finden eines methodisch geeigneten Weges ergaben sich Unterschiede zwischen den 4 Interpretationen.
Praxis: Kodieren: deskriptive Kodes
Nicht nur die Benennung der Argumentationen bei der Paraphrasierung, sondern auch der Kodes bei der anschließenden Kodierung erwies sich manchmal als nicht unproblematisch. Es ist hier wieder der höhere Gehalt an klaren Aussagen und Benennungen, der dazu verleitet, Themen nach Inhalten “textgeneriert” zu benennen, die man inzwischen bei den biographischen Kommentaren und Argumenten kennengelernt hat. Eine Benennung nach biographischen Kommentaren und Argumentationen ist natürlich nur für Motive sinnvoll, wodurch auch die Trennschärfe in der Benennung von Themen und Motiven erhalten bleibt. Dies gilt besonders bei jenen Geschichten und Beschreibungen, in die Benennungen aus biographischen Kommentaren und Argumentationen auch hereinspielen, wobei das Aufgreifen dieser im Text vorhandenen Benennungen im Zweifelsfall zu unterdrücken ist. Manchmal ergab sich die Frage, wie denn nun Narratives in Vermeidung der aus Eigentheoretischem stammenden Benennungen zu Kodieren sei, wenn offensichtliche alternative Benennungsangebote im Text nicht vorhanden sind. Dieses Fehlen kann durch eine Ausweiten des Analyseparadigmas kompensiert werden, indem, ausgehend von einem “Text als Konstrukt”-Verständnis, dieses Konstrukt immer nach dem Wie, Was und Warum der Konstruktion hinterfragt werden kann. Mit der dadurch gewonnen Distanz zum Text bieten sich dann neue Beschreibungen des Textes an. Zugespitzt läßt sich postulieren, daß ein Zitat (wenn es eine genügend eingegrenzte Textstelle umfaßt) nur ein Motiv beinhaltet, nämlich die Aussage, die es darstellt, und tendenziell unendlich viele Themen – bei unendlich ausgeweitetem Analyseparadigma.

Die Kodier-Reihenfolge entspricht der Wertigkeit der Paraphrasen im Rahmen der Auswertung eines narrativen Interviews. Bei den narrativen Textteilen sind vor allem die Geschichten narrativ hochwertig, weshalb zuerst daraus Kodes gebildet werden d.h. Bedeutungen gesetzt werden, denen dann alle dazu brauchbaren Beschreibungen zuerst einmal subsumiert werden, bevor aus Beschreibungen neue Kodes gebildet werden. Neben dieser evidenten Reihung von narrativen Textteilen und Paraphrasen hat sich bei den eigentheoretischen Textteilen und Paraphrasen folgende Kodierreihenfolgen entwickelt: Zuerst wird aus jenen Teilen kodiert, die am wenigsten argumentativ sind, d.h. aus den oft den Beschreibungen gar nicht unähnlichen biographischen Kommentaren und Codas, danach erst aus den Argumenten, und zwar aus jenen, die sich auf die eigene Person beziehen. Nur wenn die bisher entstandenen Motive die Bedeutungen der Argumentationen zu anderen Personen nicht abdecken, werden auch daraus noch neue Kodes gebildet.

Die Auseinandersetzung mit der Umsetzung der gewählten Methode war eine die ganze Auswertung begleitende Beschäftigung. Bis zuletzt blieb die Einteilung der Textstellen in narrative und eigentheoretische ein Punkt der Auseinandersetzung, bis ich schließlich zur Einsicht kam, daß diese klar definierten Typen von Text meist nur eine Idealform beschreiben. In der Praxis wird man wohl eher von Textstellen mit mehr narrativem oder mehr eigentheoretischem Gehalt sprechen können, Textstellen, die immer auch den anderen Typ von Text mit beinhalten. Aus einer solchen Sicht bedeutet die genaue Befolgung der Vorlage von BLAUMEISER, daß durch die Kodierung Themen entstehen, deren zugehörige Zitate (und Paraphrasen) eigentheoretische Anteile haben, und Motive, deren zugehörige Zitate (und Paraphrasen) narrativen Gehalt haben. In Konsequenz dieser Erkenntnis wurden bei der Auswertung des letzten Interviews (M42) aus allen Paraphrasen Themen und Motive kodiert, denn Geschichten und Beschreibungen können auch gut reflektiert sein, dann werden sie sinnvollerweise mit Motiven kodiert, und Codas, Kommentare und Argumente können auch explikationsbedürftig sein, also auch Unreflektiertes beinhalten, weshalb daraus auch Themen entstehen können. Dadurch entsteht nun mehr Klarheit aus Themen und Motiven, die sich wirklich nur auf Narratives bzw. auf Eigentheoretisches stützen. In der Folge verlagert sich die von BOHNSACK (1991 , 95) beschriebene Hereinnahme der eigentheoretischen Anteile in die Interpretation als Arbeitsschritt nach vorne: Nicht erst nach einer Interpretation des ausschließlich Narrativen wird das Eigentheoretische im Zuge einer “Wissensanalyse” mitberücksichtigt, diese Wissensanalyse findet für jedes Zitat bzw. jede Paraphrase im Prozeß des Kodierens statt. Ein weiterer Vorteil dieser Vorgangsweise ist die damit entstandene Möglichkeit, das Verhältnis von Themen und Motiven in zeitlicher Dimension zu berücksichtigen. Es werden nicht mehr nur bestimmte Themen und Motive statisch erkannt, durch die Zitat-für-Zitat-Wissensanalyse entlag der lebensgeschichtlichen Erzählung wird auch das Auftauchen und Verschwinden von Themen und Motiven sichtbar, es wird sichtbar, wie Themen durch die Reflexion des Interviewten zu Motiven werden (SCHÜTZE: Prozeßstrukturen des Lebenslaufs).
Praxis: Erfahrung und Reflexion
Eine nachträgliche Reflexion der von mir gebildeten Kodes legt aufgrund einiger darin für mich erkennbarer Regelmäßigkeiten nahe, daß die Kodes nicht nur aus den Fällen heraus entstanden sind, sondern auch durch andere Quellen angeregt wurden. Manche dieser Kodes wurden auch von Fallauswertung zu Fallauswertung weitertransportiert.

Neben solchen jetzt nachträglich explizierten bei der Interpretation implizit wirksamen detaillierten Vorstellungen, kann ich an der Art der Kodes einen Drift in den psychologisierenden Kode erkennen. Zwar bleiben die Hypothesen im sozialwissenschaftlichen Feld, aber etwa Vater- und Geschwisterbeziehungen wurden für mich bei der Interpretation immer wieder auffällig.



[11] Besonders verlockend ist dabei die Annäherung an die Konzepte der Grounded Theory, die Ausgangspunkt für die Entwicklung von Atlas.ti waren. Die Methode der Grounded Theory ist aber wegen ihren Anforderungen an das Sampling mit meinem Vorgehen der Interviewten-Suche nicht kompatibel.



©  1998


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