Lebensgeschichtlicher Gesprächskreis "So
isch's gwesn"
Programm im Juni 1998
Die Gesprächs-Themen im Juni:
Aus zeitlichen Gründen findet der Gesprächskreis nun nicht mehr wöchentlich,
sondern 14-tägig statt.
- Mittwoch, 10. Juni, 16-18 Uhr: Thema "Die Jugendzeit"
Erzählen Sie aus Ihrer Jugendzeit, sodaß wir die Unterschiede
und die Übereinstimmungen zur heutigen Jugend gut erkennen können!
- Mittwoch, 24. Juni, 16-18 Uhr:
Thema "Alte Menschen aus
der eigenen Kindheit und Jugend"
Erzählen kann man dabei zum Beispiel über Aussehen, Lebensverhältnisse
und Auftreten alter Menschen, ihren Betätigungen, ihrem Zusammenleben mit Jüngeren:
eigene Großeltern, Onkel, Tanten; alten Nachbarn, Originale und andere
Persönlichkeiten im Dorf / Stadtteil; speziell auch ältere Menschen,
die schon damals ihrer Zeit voraus erschienen oder aber altmodisch wirkten.
Bei diesem Thema besteht wieder die Möglichkeit das selbst Erlebte
niederzuschreiben. Falls Sie es wünschen, werden Sie dabei unterstützt.
Sie können damit einen Beitrag zur Aktion "Alter im Blick" des
Seniorenreferats des JUFF leisten - siehe Blatt 3 dieser Aussendung.
Was im Mai 1998 geschah:
Insgesamt drei Teilnehmerinnen haben zur Ausstellung "Hochzeit im
Wandel der Zeit" beigetragen: mit einer Hochzeitszeitung, Hochzeitsgeschirr
mit dazugehörender Geschichte und eine Geschichte über das
Kennenlernen. Bei drei Treffe im Mai haben Zivildiener oder Studenten
teilgenommen, und da der direkte Vergleich den Erzählungen aus dem eigenen
Leben von Jung und Alte sehr anregend ist, sollen auch weiterhin Studenten
eingeladen werden.
Beim Treffen am 6. Mai mit dem Gesprächsthema "Hochzeit im
Wandel der Zeit" zeigte sich in der Erzählung der offizielle
Charakter, den die früher übliche Verlobung im Vergleich zu der heute üblichen
vorehelichen Beziehung hatte. Da war das Um-die-Hand-Anhalten des Mannes, der
Verlobungsring und der rechtlich geregelte Status, der während der
Verlobung angeschafften Dinge. Durch den Krieg wurde die Hochzeit natürlich
weniger aufwendig, das Menü mußte am Schwarzmarkt gekauft werden.
Auch die Heiratschancen der im Krieg heiratsfähig gewordenen Frauen wurden
beeinträchtigt, denn die unverheirateten Kriegsheimkehrer bevorzugten dann
die gerade nach dem Krieg heiratsfähig gewordenen jüngeren Frauen.
Beim Gesprächskreistreffen am 13. Mai kam nur eine Teilnehmerin,
die aber selbstgeschriebene Texte mitgebrachte, sodaß kurzerhand
das vorgesehene Thema fallengelassen wurde und wir uns diesen Texten
widmeten. Es handelt sich dabei um acht Texte, die innerhalb von zwei
Jahren entstanden und meist in Tagebuchform verfaßt oder für
die eigenen Enkel bestimmt sind - wenn diese einmal älter sein
werden. Die Gesprächskreisteilnehmerin führte nun durch ihre
Texte, die eine Fülle von Ereignissen um die Themen Kindheit, Jugend,
Krieg und Urlaub schildern. Anschließend erzählte die Teilnehmerin
noch eine Geschichte darüber, wie sie ihren Mann kennenlernte.
Diese Geschichte wurde mitgeschrieben und wird auf der Ausstellung "Hochzeit
im Wandel der Zeit" zu sehen sein. Die acht selbstgeschriebenen
Texte und ein neunter inzwischen dazugekommener
wurden gemeinsam zum Seniorenreferat des JUFF gebracht, als Beitrag
zu Aktion "Alter im Blick".
Beim Treffen am 20. Mai mit dem Thema "Die Kindheit"
kam es zum Vergleich der Erzählungen über die städtische Kindheit
eines Mädchens in den 1920ern und der kleinstädtisch-ländlichen
Kindheit eines Jungen in den 1970ern. Der direkte Vergleich dieser beiden
Kindheiten erscheint dabei nicht sehr interessant, denn sie unterscheiden sich
nicht sehr. Beide Kindheiten waren frei von Arbeit, sie spielten sich zu einem
guten Teil im Haus und nicht außer Haus ab, gekaufte Spielsachen und Bücher
waren vorhanden und die Eltern machten sich Gedanken über die Erziehung der
Kinder. Der Unterschied liegt höchstens in der Quantität: Die erzählte
Kindheit der 1920er Jahre hatte ein größeres und eigenes Spielzimmer,
mehr den elterlichen Garten und weniger die Straße zum Ort, und es gab
organisierte Freizeit (Singen und Töpfern). Das Interessante ist vielmehr
die Entwicklung, die zwischen beiden Kindheiten liegt: Die Kindheit des
Arbeitersohnes hat sich an eine mittelständischen Kindheit der
Vorkriegszeit sozusagen angenähert.
Beim Treffen am 27. Mai zum Thema "Die Schule"
boten die Erzählungen interessante Vergleiche zwischen zwei Teilnehmerinnen
mit Schulerfahrungen in den 1920ern und 1930ern und denen in den 1970ern eines
Teilnehmers. Von typisch weiblichen Erfahrungen erzählten die beiden
Teilnehmerinnen: Das erste Mädchen in einem Dorf gewesen zu sein, das mit
dem Zug in die entfernte Stadt zur Hauptschule fahren durfte, aber nicht jene
weiterführende Schule besuchen zu dürfen, die sie sich gewünscht
hätte, oder in der Stadt als Mädchen schon selbstverständlich
eine höhere Schule zu besuchen, aber dann kein Universitätsstudium
beginnen dürfen, und schon gar nicht in einem typisch männlichen Fach.
Beidesmal war das Argument der Eltern das Frau-Sein der Tochter. Der Teilnehmer
mit der Schulerfahrung in den 1970ern ging nicht mehr in eine Volksschule mit
zusammengefaßten Klassen, die Hauptschule war schon im Dorf, und er
besuchte die höhere Schule dann in der Stadt. Für die älter
Generation war die Schule nach deren Ende ein abgeschlossener Lebensabschnitt,
gelernt wurde dann noch außerschulisch, etwa durch den Schulfunk. Für
die jüngere Generation erzählten die TeilnehmerInnen mehrere Beispiele
von einem Wiedereinstieg in die Schule bzw. Einstieg in die Universität
nach einer kurzen Praxisphase, wobei damit auch ein Ausbildungswechsel verbunden
war, meist vom technischen Bereich zur Arbeit mit Menschen. Vorhandene
Vorbehalte der Eltern wurden dabei überwunden. Aus beiden Schulerfahrungen
vom Land, ob in der Vorkriegszeit oder in den 1970ern, wurde von einem hohen
Stellenwert der katholischen Kirche innerhalb der Schule erzählt, womit vor
allem in der Vorkriegszeit eine strenge Disziplin mit aus dem heutigen Verständnis
harten Strafen bei Disziplin-Verstößen verbunden war. Erst die Eltern
des jungen Teilnehmers übten auch Kritik an pädagogischen Konzepten
des Lehrers und setzten sich mit dieser Kritik auch durch.
Dieses Bild über ihre Maturareise nach Salzburg im
Jahr 1936 brachte eine Teilnehmerin zum Gesprächskreis mit.
Auf Ihr Kommen freut sich
Stefan Pöhl
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Lebensgeschichtlicher Gesprächskreis "So isch's gwesn"
Gesprächskreisleitung: Stefan Pöhl, Tel. 0512 / 57 21 36, Email:
Ort: Sozial- und Gesundheitsstation Wilten - Innere
Stadt, Kaiser-Josef-Straße 5
Träger: Sozial-
und Gesundheitssprengel Innsbruck-Stadt, Mag. Evelyn Lödl, Tel. 0512 /
33 7 37 - 41
"So isch's gwesn" im WWW:
http://homepage.uibk.ac.at/~c60399/projekt/
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